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Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 7 – Clippinganzeige

Illustration der Clippinganzeige auf dem Kameradisplay

Clippinganzeige auf dem Kameradisplay

Um das gerade eben aufgenommene Foto kontrollieren zu können, ist das Display der Kamera für den Digitalfotografen ein unersetzliches Hilfsmittel.
Man kann damit schon sehr gut die Bildkomposition, also vor allem den Ausschnitt und die Position der Bildinhalte zueinander erkennen. Und auch die Schärfe der Abbildung lässt sich mit etwas Zoomen meist ganz passabel einschätzen.

Aber es gibt auch Schattenseiten. Die sich natürlich im Sonnenlicht zeigen. Und wer hat nicht gerne Sonne im Urlaub?
Wenn dann aber nicht nur die schöne Landschaft, sondern auch das Kameradisplay von der Sonne beleuchtet wird, dann kann man die Helligkeit und den Kontrast des Fotos nicht gut erkennen.
Doch zum Glück gibt es in vielen Kameras Hilfsmittel um die Belichtung trotzdem beurteilen zu können. In solchen Fällen kann speziell die “Clippinganzeige” (Übersteuerungsanzeige) gute Dienste leisten.
Von den Kameraherstellern wird sie in den Bedienungsanleitungen und Kameramenus leider ganz unterschiedlich bezeichnet: „Überbelichtungswarnung„, „Lichter„, „Markieren„, „High Licht und Schatten„, „Spitzlichter„, usw.. Mit diesen vielen Begriffen ist aber immer dasselbe gemeint.
Was hat es mit dieser Anzeige auf sich?

Ohne Clippinganzeige

Fotos werden trotz oder gar wegen des Displays manchmal falsch belichtet. Die sofortige Bildkontrolle auf dem Display der Kamera ist zwar gerade für Einsteiger ein großer Vorteil der Digitalfotografie. Zu analogen Zeiten musste man ja oft lange warten, bis man das Bild sehen und beurteilen konnte. Besonders für Fotoneulinge war das nicht gut, das Lernen dauerte dadurch oft sehr lange.

Leider lässt sich jedoch die Belichtung auf dem Display der Kamera in manchen Situationen eben nur schlecht erkennen. Gerade in hellem Umfeld wirken die Aufnahmen dann oft sehr dunkel.
Wenn Du dann glaubst, korrigierend eingreifen zu müssen (wie das geht, steht im Tipp zur Belichtungskorrektur) werden die Bilder dadurch evtl. zu hell. Dieses „zu hell“ ist schlecht, das kann zu großen Problemen führen.

Welche Probleme sind das?

Wenn ein Bild nur etwas zu hell wird, kann man es nachträglich in der Ausarbeitung (speziell wenn man das Bild als digitales Negativ, als RAW speichert) in der Regel problemlos wieder abdunkeln. (Welche Vorteile bietet RAW?)
Falls aber durch eine zu reichliche Belichtung bildwichtige Bereiche, die eigentlich noch Zeichnung und Struktur zeigen sollten, im reinen und strukturlosen Weiß verschwinden, ist das sehr ärgerlich. Denn diese strukturlos weißen Flächen bleiben auch dann ohne Zeichnung, wenn man sie später dunkler macht. Sie werden dann eben nur strukturlos dunkler, aus Weiß wird Grau (oder auf Wunsch auch Rot, Grün, …).
Die Zeichnung, die Oberfläche der betroffenen Bereiche, bleibt trotz der Abdunklung verschwunden.

Diee hellsten Abstufungen zum reinen Weiß werden bei zu reichlicher Belichtung beschnitten, deshalb spricht man allgemein vom „Clipping“. Im Deutschen wäre „Übersteuern“ eine eigentlich passende Übersetzung. Es mag an der Fachkenntnis der Übersetzer liegen, dass lauter Phantasienamen verwendet werden.

Falsch Bezeichnungen

Leider werden für die Clippinganzeige auch Namen eingesetzt, die in die Irre führen. Bei einigen Kameras wird z.B. der Begriff „Überbelichtung“ verwendet. Wenn aber ein Bilddetail, das mich beim Betrachten des Motivs blendet, im Bild rein Weiß wird, ist das in der Regel kein Zeichen für eine Überbelichtung.
Das gilt auch für Reflexionen der Lichtquelle auf Lack oder Chrom oder anderen glänzenden Materialien.

Weißwarnung

Da man die tatsächliche Helligkeit solcher Flächen nur schlecht auf dem Kameradisplay beurteilen kann, gibt es bei vielen Kameras eine spezielle Anzeigefunktion, die die rein weißen Bereiche im Bild sehr deutlich sichtbar macht. Mit dieser „Clippinganzeige„-Einstellung kannst Du die Auswirkung der Belichtung (und Deiner Korrektur) und die vom Clipping betroffenen Bereiche viel besser beurteilen.
Fast immer werden dazu die rein weißen Bildbereiche abwechselnd schwarz und weiß blinkend dargestellt, bei machen Kameras werden sie auch rot (blinkend) markiert. Einige Hersteller verwenden alternativ ein Zebramuster aus dunklen und hellen Linien (u.a. Sony)

Clippinganzeige in Aktion

Clippinganzeige in Aktion

Wenn Du solche Markierungen im Bild siehst, musst Du Dir überlegen, ob die davon betroffenen Bereiche unwichtig sind und ohne Zeichnung/Struktur bleiben dürfen. Oder ob sie besser mit Zeichnung dargestellt werden sollten.
Falls es sich zum Beispiel um ein Brautkleid handelt, das so markiert wird, ist die Entscheidung einfach.
In dem Fall möchte man die Struktur der Oberfläche, die Stoffe und Verzierungen auf dem Bild erkennen können. Diese Details sollten eben nicht einfach zu einer (weißen) Fläche verschmelzen.

Wenn solche Bereiche durch Blinken als „clippend“ angezeigt werden, muss das Bild knapper belichtet werden. In der Automatik wird es dazu mit einer Minus-Korrektur aufgenommen.
Diese Korrektur solltest Du auch dann machen, wenn das Bild danach auf dem Display der Kamera etwas zu dunkel aussieht. Zur Not musst Du es später in der Ausarbeitung der Bilder noch ein wenig aufhellen.

Im Gegensatz zur reichlicheren Belichtung hast Du dann einen wichtigen Vorteil.
Das spätere Aufhellen in der Software kann man so durchführen, dass die Struktur in den hellen Bereichen erhalten bleibt, die durch eine stärkere Belichtung verloren gegegangen wäre.
Das ist einer der Gründe, weshalb der vor allem von Amateuren immer wieder zu lesende Spruch „Wer seine Bilder bearbeiten muss, kann nicht richtig belichten!“ völliger Blödsinn ist. (Ich habe dazu einen Artikel und einen kleinen Film gemacht.)

Um welche Strukturen geht es?

Schlussendlich kannst nur Du entscheiden, welche Bereiche in Deinem Bild wichtig sind. Aber z.B. die helle Fassade eines Gebäudes, das helle Oberhemd des Kellners im Lieblingscafé oder die weiße Schönwetterwolke über dem Landschaftsmotiv sollten in den meisten Fällen Struktur und Zeichnung haben. Hier darf dann also kein Clipping angezeigt werden.

Wenn dagegen nur ein Reflex der Sonne auf einem Fenster im Bildhintergrund oder der durch eine Blätterlücke durchscheinende Himmel rein weiß zu werden droht, ist das in der Regel kein Problem. Im Gegenteil, es ist oft sogar sinnvoll bzw. erwünscht. Da darf es dann auch ruhig blinken.
Zuletzt musst also Du entscheiden – oder einfach eine oder mehre zusätzliche Aufnahmen machen, bis Du genügend Erfahrung gesammelt hast, um die Situation richtig einzuschätzen zu können. Ist digital ja kein großes Problem.

Clippinganzeige aktivieren (so sieht es bei diversen Modellen von Canon aus)

Clippinganzeige anzeigen

Um zur Clippinganzeige zu gelangen reichte es früher bei vielen Kameras, einfach eine mit „Display“ oder „Info“ bezeichnete Taste an der Kamera zu drücken. Bei anderen Kameratypen (u.a. Nikon) musste man die Kreuzwippe auf der Rückseite nach links oder rechts (ältere Modelle) oder rauf oder runter bewegen.
Dadurch wechselte die Kamera bei jedem Druck in eine neue Anzeigevariante bis sie wieder zur Standardanzeige zurückkehrte. Unter diesen verschiedenen Displayversionen war dann auch die Clippinganzeige. Sie wird dann oft in Kombination mit einer Anzeige des Histogramms bei kleinerer Darstellung des Bildes angezeigt.

Mittlerweile wird die Clippinganzeige aber leider oft erst nutzbar, wenn man das vorher im Menü der Kamera zusätzlich explizit einstellt.

Bei manchen Kameras muss dazu die „Überbelichtungswarnung“ aktiviert werden (einige Canonmodelle), bei anderem im Bereich „Wiedergabe“ des Menüs unter „Wiedergabeoptionen“ oder „Infos bei Wiedergabe“ die Anzeige der „Lichter“ oder der „Highlights“ oder das „Markieren“ freigeschaltet werden (u.a. viele Nikonmodelle).
Und bei meiner derzeitigen Lieblingskamera, der Olympus Pen F(*),  heisst es „Lichter & Schatten“, denn sie zeigt mir auch im Schwarz versaufende Bildbereiche an
Es ist trotzdem eine tolle Kamera :-). Neben vielen anderen Punkten ist es sehr praktisch, dass bei ihr ist (im Gegensatz zu vielen Spiegelreflexmodellen und spiegellosen Systemkameras) die Clippinganzeige schon vor dem Fotografieren auf dem Display und im Sucher sichtbar ist. Aus meiner Sicht ein sehr entscheidender Unterschied.


Du willst nicht alleine üben? - Dann komm zu mir!

Vor dem Urlaub solltest Du ein wenig üben, damit Du im Urlaub fit bist mit der Kamera. Alleine macht das aber keinen richtigen Spaß. Und wer hilft Dir, wenn es mal nicht wie geplant klappt? Willsz Du für jede Frage wieder ein neues Youtube-Video suchen? Das muss doch besser gehen!
Und es geht auch besser: Komm in meinen Fotokurs!
Informationen und Anmeldung findest Du auf der Website zu meinen Fotokursen zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.


Da die Hersteller traurigerweise sehr findig darin sind, die Aktivierung dieser Anzeige zu verstecken (zum Beispiel unter solchem Denglisch wie oben und dann noch in einem Unterpunkt auf der dritten Ebenen des Kameramenüs), wirst Du vermutlich die Bedienungsanleitung in die Hand nehmen müssen.

Warum wird die Clippinganzeige versteckt?

Warum die Clippinganzeige so gerne versteckt wird und warum sie gerade bei Einsteigerkameras (Kompaktkameraklasse) gerne komplett entfällt, obwohl sie doch „nur“ eine relativ preiswerte (und vor allem nützliche) Softwarefunktion ist, kann ich auch nicht sagen.

Ich vermute aber, dass die Marketing-Abteilungen der Kamerahersteller dahinter stecken. Eventuell möchte man ja vermeiden, dass ein unbedarfter Kunde beim „Herumprobieren“ im Geschäft dieses Blinken aus Versehen zu sehen bekommt. Er könnte ja glauben, er hätte etwas kaputt gemacht und dann in Zukunft einen Bogen um diese Kameramarke machen.

Sei nicht enttäuscht, wenn Du nach dem Aktivieren zuerst nichts siehst, die Anzeige wird ja nur blinken, wenn wirklich weiße Stellen im Bild sind. Wenn kein reines hellstes Weiß im Bild ist, kannst Du auch kein Blinken sehen.
Mach zum Ausprobieren einfach ein Bild mit starker Pluskorrektur (hinterher aber wieder zurück stellen), dann sollte auch etwas zu sehen sein.

Üben

Damit die Bilder im nächsten Urlaub wirklich besser werden, solltest Du nicht nur lesen, sondern vor allem üben, üben, üben. Nur dann sind die nötigen Handgriffe Dir auch in Streßsituationen klar. Und für den Gestaltungsmuskel ist das Training ebenfalls wichtig. Die folgenden Aufgaben sollen Dir dabei helfen.
Denk daran: wenn Du erstmal in der Situation bist, ist es zum Üben zu spät! ;-)

Also versuche, die Clippinganzeige einzuschalten, zur Not schau in die Bedienungsanleitung. (Und wenn Deine Kamera das gar nicht kann, dann ärgere Dich. Und nutze Deinen Ärger, um dem Hersteller eine entsprechend „freundlich“ formulierte Email zu schreiben. Sonst ändert sich nix.)
Verwende die C-Anzeige möglichst oft, am besten in Kombination mit der anschliessenden Ausarbeitung der Bilder. So bekommst Du ein Gefühl für die Anzeige und ihre Bedeutung.
Du musst aber auch lernen, sie zu interpretieren, nicht jedes Blinken ist tatsächlich ein Problem!

Und eins  gilt es noch zu beachten: Die Anzeige der „clippenden“ Bereiche basiert meist auf der kleinen JPEG-Datei, die die Kamera zur Displaywiedergabe des Bildes auch bei reiner RAW-Verwendung erzeugt. Im RAW kann dann später durchaus noch etwas mehr an Zeichnung im Weiß vorhanden sein.
Aber auch da ist Üben wichtig, Du kannst das nur durch Ausprobieren einschätzen lernen.


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Die für Urlaubsfotos relevanten Themen wie Belichtung, Automatiken und Belichtungskorrektur,  aber auch Brennweite, Bildgestaltung und Bildbearbeitung sind ein wichtiger Teil meiner Fotokurse zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.

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201707171514

geschrieben/aktualisiert: / 18. Aug 2020

One thought on “Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 7 – Clippinganzeige

  1. Pingback: Bessere Urlaubsfotos - erneut aktualisiert

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