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Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 4 – Bildgestaltung vereinfachen

Aus den Tipps für bessere Urlaubsfotos: Schärfentiefe zur Reduktion

Kleine Schärfentiefe um Bilder zu vereinfachen

( Juni 2021 erneut überarbeitet)
Schon zu Beginn des ersten Tipps dieser Reihe habe ich darauf hingewiesen: es ist auch und gerade für Urlaubsfotos wichtig, ein Bild nicht zu chaotisch zu gestalten.
Oft ist es besser, sich auf einen einzelnen Hauptakteur zu beschränken. Diese Beschränkung kann dann aber auf ganz unterschiedliche Arten geschehen.
Du kannst zum Beispiel einen engeren Auschnitt wählen („ranzoomen“). Oder näher heran gehen — das ist erfahrungsgemäß oft besser.

Eine andere, wirklich schon klassische Methode für weniger Durcheinander im Bild ist der Einsatz geringer Schärfentiefe. (Mehr zur Schärfentiefe in meinem Fotolehrgang im Internet und hier im Blog.)

Nicht zu ernst nehmen! Es handelt sich bei diesen Tipps keinesfalls um Gesetze, die man nicht brechen darf. Es sind nur Hinweise, die auch tendenziell langweilige Bilder, deren Inhalt den Betrachter nicht von vornherein fesselt, „erträglich“ machen können. Ein Bild mit einem spannenden Inhalt, einer spannenden Idee, kann dagegen trotz (oder wegen) einer Missachtung dieser Überlegungen ein tolles Bild ergeben. Je mehr man sich mit Gestaltung und Inhalt der eigenen (und fremder) Bilder auseinandersetzt, desto eher wird man in die Situation kommen, solche Hinweise nicht mehr zu benötigen oder auch bewusst missachten zu können. Solange man da noch nicht angekommen ist, kann es helfen, diese Hinweise bei der Planung/Gestaltung der eigenen Bilder zu berücksichtigen.

In oberen der beiden Beispielbilder stört der Hintergrund mit seinen vielen ablenkenden Details. Mit einer geringeren Schärfentiefe wie im unteren Bild kann man ihn aber einfach ausblenden. Das ist einer der vielen Wege um den Bildinhalt auf das wirklich Wichtige zu reduzieren und  chaotisches Durcheinander zu vermeiden.

Blende auf für weniger Schärfentiefe

Wenn Du die Blende öffnest (dazu musst Du eine kleine Blendenzahl wählen) wird die Schärfentiefe geringer und der Hintergrund erscheint so unschärfer. Wenn Du die Blende schließt (eine große Blendenzahl wählst), wächst dagegen die Schärfentiefe.
Die Eselsbrücke ist also recht einfach:

kleinere Blendenzahl ➤ kleinere Schärfentiefe
größere Blendenzahl ➤ größere Schärfentiefe

Um in Deinen Fotos die Schärfentiefe mit der Blende steuern zu können, kannst Du entweder mit manueller Belichtung fotografieren oder die Blendenvorwahl (‹A› oder ‹AV›) nutzen.
Die manuelle Belichtung erscheint den meisten Anfängern schwieriger und aufwendiger, ist aber nach etwas Übung deutlich einfacher, zuverlässiger und vor allem schneller(!) als die Automatik. Wenn Du das etwas vertiefen willst, lies Dir meinen Artikel „Belichtungsautomatik? M-Modus?“ durch.

Kann man die Schärfentiefe nur mit der Blende beeinflussen?

Nein, die Schärfentiefe wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Die Sensorgröße, der Aufnahmeabstand, der Bildwinkel (durch die Brennweite gesteuert) und und die Blendenöffnung spielen dabei eine Rolle.
Und Du kannst Dir das auch recht einfach merken: großer Wert erzeugt große Schärfentiefe, klein erzeugt kleine Schärfentiefe, zumindest bei den meisten Vorgaben.

  • größerer  Aufnahmeabstand ➤ größere Schärfentiefe
  • kleinerer Aufnahmeabstand ➤ kleinere Schärfentiefe
  • größerer  Bildwinkel (Weitwinkel, ‚herauszoomen‘) ➤ größere Schärfentiefe
  • kleinere Bildwinkel (Tele, ‚heranzoomen‘) ➤ kleinere Schärfentiefe
  • größere Blendenzahl (kleine Blendenöffnung) ➤ größere Schärfentiefe
  • kleinere Blendenzahl (großeBlendenöffnung) ➤ kleinere Schärfentiefe

Leider umgekehrt ist es bei der Sensorgröße, da bedeutet:

  • Kleine Sensorgröße (Bridge- oder Kompaktkamera) ➤ große Schärfentiefe
  • Große Sensorgröße (DSLR, System oder Vollformatkameras) ➤ kleine Schärfentiefe

In der Praxis steht Dir aber oft nur die Blende zum Steuern der Schärfentiefe zur Verfügung.
Die Größe des Sensors kannst Du ja nicht beeinflussen, er ist fest eingebaut.
Und die Kombination von Aufnahmeabstand und Brennweite brauchst Du, um das für die Bildgestaltung ebenfalls sehr wichtige Verhältnis Vorder- zu Hintergrund zu steuern. (Siehe Tipp2)
Zwar empfehlen meine „Erklärbär-Kollegen“ öfter, daß man die Schärfentiefe mit dem Aufnahmeabstand und der Brennweite steuern könnte, aber sie übersehen dabei leider, dass man dann nur noch sehr eingeschränkt Einfluss auf die räumliche Wirkung des Bildes nehmen kann. (Das Größenverhältnis von Vordergrund zu Hintergrund wird ja durch eine Veränderung des Aufnahmeabstands ebenfalls beeinflusst.)

Weil die anderen Möglichkeiten also meistens bereits aus technischen oder gestalterischen Gründen vergeben sind, steht Dir zum Steuern der Ausdehnung der Schärfentiefe eigentlich nur noch die Blende zur Verfügung.

Aus dem Grund wird oft (etwas verkürzend) gesagt: „Die Blende steuert die Schärfentiefe.“


Du willst nicht alleine üben? - Dann komm zu mir!

Vor dem Urlaub solltest Du ein wenig üben, damit Du im Urlaub fit bist mit der Kamera. Alleine macht das aber keinen richtigen Spaß. Und wer hilft Dir, wenn es mal nicht wie geplant klappt? Willst Du dann für jede Frage wieder ein neues Youtube-Video suchen? Das muss doch besser gehen!

Und es geht auch besser: Komm in meinen Fotokurs!
Informationen und Anmeldung findest Du auf der Website zu meinen Fotokursen zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.

Und wenn die Zeit für einen normalen Kurs nicht mehr reicht oder Du nur einige Fragen klären willst, kannst Du mich auch recht preiswert für ein individuelles Online-Coaching buchen.


Preiswerte Alternativen für wenig Schärfentiefe

Objektive mit hoher Lichtstärke, also der Möglichkeit, die Blende weit öffnen zu können (das wird durch eine kleine Blendenzahl angezeigt), lassen eine viel stärkere Unschärfe zu. Sie sind aber meist ziemlich teuer, dazu würde ich Dir nur raten, wenn Du so etwas unbedingt benötigst.

Eine erfreuliche Ausnahme bilden die Brennweiten um 50mm. Bei einigen Herstellern erhält man sie mit relativ großen Blendenöffnungen von 1.8 recht preiswert.
Diese Objektive sind eine gute Kombination von Preis und Leistung und meine Empfehlung, wenn Du in die Welt der Fotografie mit geringer Schärfentiefe einsteigen willst.

50mm 1.8 bei Amazon(*) von
Canon (DSLR)
Yongnuo (für Canon DSLR)
Yongnuo (für Nikon DSLR)
Yongnuo (für Sony E-Mount)
Yongnuo (für Sony A-Mount)

(*) Wenn Du eines der Objektive über diese Links kaufst, erhalte ich eine kleine Provision, ohne das Du mehr bezahlen musst. Du kannst mich so also unterstützen, ohne dass es Dich etwas extra kostet. Ein klassisches Win_Win also. ;-)
Aber wenn Du einen netten Fotohändler hast oder das Objektiv woanders billiger bekommst, dann kauf ruhig da.

Die 50mm 1.8 Objektive, die speziell für die spiegellosen Kameras von Canon und Nikon gebaut sind, sind im Verhältnis gesehen deutlich teurer.
Eine Alternative können dann preiswert erhältliche gebrauchte Objektive aus der Zeit des manuellen Fokus an anlogen Kameras sein.
Dies kann man mit günstig erhältlichen Adaptern an den Kameras anbringen. Die Blende und die Entfernung müssen dann am Objektiv eingestellt werden — was kein Nachteil sein muss.

An den häufig verwendeten Kameras mit Sensoren im APS-C Format sind diese Brennweiten auch großartig für Portraits geeignet. Wenn Du das noch etwas vertiefen willst findest Du in meinem Blog weitere Informationen zu „Das richtige Objektiv für Portraits“ und zu „Warum wird so oft ein 50mm-Objektiv empfohlen?

Ohne Objektivwechsel (1)

Viele Zoomobjektive , gerade auch die oft gekauften „Kit-Zooms“, haben keine feste Blendenöffnung. Auf dem Objektiv findest Du dann verschiedene Angaben für die größtmögliche  Blendenöffnung, also die sogenannte Lichtstärke.
Neben dem Brennweitenbereich (z.B. „17-55“) steht dann häufig eine Angabe wie z.B: „3.5-5.6“.
Das ist oft oft vorne im Kreis um die Frontlinse eingraviert oder auf einem Ring rund um das Objektiv ablesbar.
Damit wir die größte einstellbare Blendenöffnung angezeigt. Bei Zoom zur kurzen Brennweite (17mm) kannst Du die Blende bis 3.5 öffnen, bei Zoom auf 55mm dagegen nur bis zum Wert 5.6.

Was ist jetzt effektiver für eine geringere Schärfentiefe?

Eine längere Brennweite? Aber dann kannst Du bei diesen Objektiven mit flexibler Lichtstärke Zooms die Blende nicht so weit öffnen, was wiederum was zu unerwünscht größerer Schärfentiefe führt.

Oder eine größere Blendenöffnung? Aber die erhältst Du nur, wenn  Du die Brennweite verkürzt. Was leider auch zu einem unerwünschterweise deutlich erkennbareren Hintergrund führt.

Didaktisch klug wäre jetzt meine Empfehlung: Probier es selber aus! (s.u.)
Kurzfassung ohne Ausprobieren: Die Verlängerung der Brennweite führt trotz der damit in diesem Fall einhergehenden kleineren Blendenöffnung zu einem schlechter erkennbaren Hintergrund. Und damit zu einem stärker hervorgehobenen Vordergrund.

Allerdings erhältst Du mit der längeren Brennweite nur einen Ausschnitt des Motivs und musst so weiter zurück gehen. Das beeinflusst die räumliche Wirkung des Bildes, weil sich die Größenverhältnisse von Vorder- zu Hintergrund ändern.
Da aber der Hintergrund ja eh in mehr oder weniger starker Unschärfe verschwinden soll, ist das evtl. kein allzu großes Problem.

Ausprobieren? Wie?

Dazu solltest Du das Hauptmotiv einmal mit der kurzen Brennweite und der weit geöffneten Blende (3.5) fotografieren.
Danach entfernst Du Dich mit der längeren Brennweite soweit, dass das Vordergrundmotiv wieder genauso groß ist wie in der ersten Aufnahme.
Nun nimmst Du wieder die größte mögliche Blendenöffnung. Das ist aber jetzt eine größere Zahl (z.B.: 5,6) .
Da es um die Blende geht, kannst Du diese Aufgabe mit der Blendenvorwahl („A“ oder „Av“) oder der manuellen Belichtungssteuerung der Kamera durchführen.

Ohne Objektivwechsel (2)

Kompaktkameras verlieren zwar seit dem Siegeszug der Smartphones massiv Marktanteile, aber gerade für Urlaubsfotos werden sie immer noch gerne verwendet. Sie haben jedoch, wie auch viele Bridgekameras, oft einen kleinen Sensor und somit relativ viel Schärfentiefe.

Und auch die Blende lässt sich mit den Objektiven dieser Fotoapparate oft nicht so richtig weit öffnen. Da die Objektive fest eingebaut sind, muss man dann mit der Einschränkung leben.

Um auch an diesen Kameras mit der Schärfentiefe eingreifen zu können, solltest Du die beiden oben schon genannten Punkte  beachten.
Du solltest erstens auch an diesen Kameras die Blende soweit wie möglich öffnen (kleine Zahl). Und zweitens mit langer Brennweite („rangezoomt“) nah an das Objekt heranzugehen.

Aber wie schon in dem Einschub oben beschrieben, verlierst Du dadurch die Möglichkeit, die Darstellung der Räumlichkeit in Deinen Bildern zu steuern. Dadurch sind Deine Möglichkeiten der Bildgestaltung in Bezug auf Vorder- / Hintergrund also etwas eingeschränkt, aber da der Hintergrund ja eh unscharf werden soll, ist das vielleicht gar nicht so schlimm.

Vielleicht hilft Dir ja auch der nächste Tipp, der für alle Kameras/Objektive passt und auch von „Smartphonefotografen“ verwendet werden kann.

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AKTUELL


Der nächste Termin für meinen zweitägigen Grundlagenkurs Fotografie (mit derzeit noch freien Plätzen) ist

am Wochenende
06.11.21 / 07.11.21 (Sa./So.)
1

Kostenlos

Große Blendenöffnungen und lange Brennweiten können viel Geld kosten. Aber je nach Aufnahmesituation gibt es auch kostenlose Optionen.

In erster Linie denke ich da an den Abstand zwischen den Bildbereichen.
Wenn Du den Abstand zwischen dem Vordergrund und dem Hintergrund vergrößern kannst, steigerst Du damit gleichzeitig die Unschärfe im Hintergrund.
Sehen wir uns zum Beispiel eine Portraitsituation an.
Wenn die Person dicht  vor einer Mauer steht, wird die Mauer im Foto recht scharf wiedergegeben. Wenn aber die Person (und der Fotograf) ihren Abstand zur Mauer vergrößern, wandert diese immer weiter aus dem Bereich der Schärfentiefe heraus und wird so immer unschärfer.

(Aber Vorsicht, das funktioniert nur, wenn der Hintergrund, also die Mauer, groß genug ist. Wenn dagegen durch den größeren Abstand zum Beispiel die Mauerkrone und gar der helle Himmel darüber ins Bild kommen, kann das den Bildeindruck stark verändern / stören.)

Üben

Damit die Bilder im nächsten Urlaub wirklich besser werden, solltest Du nicht nur lesen, sondern vor allem üben, üben, üben. Nur dann sind die nötigen Handgriffe Dir auch in Streßsituationen klar. Und für den Gestaltungsmuskel ist das Training ebenfalls wichtig. Die folgenden Aufgaben sollen Dir dabei helfen.
Denk daran: wenn Du erstmal in der Situation bist, ist es zum Üben zu spät! ;-)

Schärfentiefe testen
Fotografier in einer gut beleuchteten Situation (sonniger Tag draußen) Objekte vor Hintergrund. Fang mit etwas kleinem aus der Nähe mit engem Bildwinkel (langer Brennweite, reingezoomt) und und deutlich weiter entferntem Hintergrund an. Fotografiere es mit den verschiedenen Blendeneinstellungen.
Die Blende solltest Du jeweils um einen vollen Wert (drei Drittelschritte) verändern. Entweder in Blendenvorwahl („A“ oder „AV“) oder in manueller Einstellung.
Ändere dann beim nächsten Mal einen einzelnen Wert.
Geh also weiter weg oder nimm einen größeren Bildwinkel oder einen deutlich näheren Hintergrund. Und fotografier die Blendenreihe jedesmal noch einmal.
Probier das mit allen Werten aus, die Du beeinflussen kannst.
Und probier es mehrmals aus, Du solltest ein Gefühl für die Wirkung der unterschiedlichen Einstellungen entwicklen.


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Die für Urlaubsfotos relevanten Themen wie Belichtung, Automatiken und Belichtungskorrektur,  aber auch Brennweite, Bildgestaltung und Bildbearbeitung sind ein wichtiger Teil meiner Fotokurse zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.

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Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)

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2 thoughts on “Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 4 – Bildgestaltung vereinfachen

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