Tipps für bessere Urlaubsfotos (Panorama)

Panorama statt Vordergrund

Wenn kein interessanter Vordergrund vorhanden ist hilft oft eine Beschränkung (oder Erweiterung ;-) ) aufs Panoramaformat.

Es ist gerade in der zweidimensionalen Wiedergabe eines Fotos manchmal sehr schwierig die beeindruckende Tiefe eines Motivs zu zeigen und den Betrachter durch diesen Raum zu führen. Das gilt besonders bei Landschaften und ähnlichen Motiven.
Meist hilft dann ein Vordergrundobjekt, das den Betrachter ins Motiv hineinführt („Vordergrund macht Bild gesund!“, sagte mein Opa).
Aber nicht immer ist ein passender Vordergrund vorhanden, bei manchen Motiven, gerade bei Fernsichten von erhöhten Standpunkten oder beim Blick aufs Meer, bietet sich da einfach nichts an.
Als Lösung in der Not funktioniert es dann manchmal, auf ein sehr breites Panoramaformat zurückgreifen. Das kann das Fehlen des Vordergrunds ausgleichen.
Vermutlich liegt es daran, dass der Betrachter durch das breite Format gezwungen wird, die Motivdetails in der Tiefe des Bildes abzutasten.  Dazu muss das Bild aber im Verhältnis größer wiedergegeben werden und es sollte deshalb eine große Detailauflösung aufweisen. Dann kann der Betrachter in Ruhe diese Details im Hintergrund abtasten.
Natürlich könnte man das Bild beschneiden, aber dann verliert man wertvolle Bildpixel und manchmal reicht die Auflösung dann nicht für ein wirklich großes Bild.

Panorama -Aufnahmetechnik

Die nötige höhere Auflösung kann man mit einem einfachen Trick erreichen, indem man das Motiv quer (oder hoch) mit mehreren Bildern abtastet. Bei einem Querpanorama nimmt man die Kamera am besten ins Hochformat (und vice versa) , so hat man auch ausreichend Bildhöhe (um z.b: interessante Wolkenstrukturen oder Bodendetails zu integrieren.)

Es ist wichtig, dass Du beim Fotografieren der Einzelbilder darauf achtest, das die Aufnahmen sich ausreichend überlappen. Und der Horizont sollte bei allen Fotos ungefähr in gleicher Position im Verhältnis zur Bildhöhe sein, sonst kann es zu Problemen mit „welligen“ Horizonten kommen.

Ein "krummes" Panorama

Ein „krummes“ Panorama

Ein gerade gerechnetes Panorama

Aus dem krummen Bild mit Software begradigtes gerechnetes Panorama. Um den Horizont zu begradigen, muss das Panorama verformt werden, so dass ein welliger Ausschnitt entsteht.

Das verbleibende Panorama

Die verbleibende Fläche des Panoramas ist nach dem Beschnitt des welligen Ausschnitts deutlich kleiner, speziell in der Höhe fehlt sehr viel vom Bild.

Viele Kameras (und Smartphones)  beherrschen automatische Panoramaaufnahmen und blenden dazu zum Teil sogar das vorherige Bild für einen perfekten Anschluss ein, um solche Fehler zu vermeiden.
Doch das funktioniert oft nur mit JPEGs und nicht in Verbindung mit Raw-Aufnahmen. Aber gerade in der Panoramafotografie ist die Verwendung dieser Raw-Dateien wichtig, da man es fast immer mit „Kompromiss-Belichtungen“ zu tun hat. Da ist es wichtig, noch etwas Spielraum in den Dateien zu haben, um die Ausarbeitung anpassen zu können.  (Siehe auch „Warum soll ich in Raw fotografieren„)

Unter Kontrolle schwenken…

Mit einem einfachen Trick kannst Du aber auch ohne solche kamerainternen Panoramahilfen wellige Horizonte vermeiden und gleichzeitig sicherstellen, das die Bilder sich ausreichend überlappen. Nimm dazu einfach die Autoafokusmessfelder oder – messpukte zuhilfe. Oder die Gitterlinien im Sucher.
Du platzierst dann ein Objekt, das bei einem Schwenk nach rechts vorher auf dem rechten Autofokusmessfeld war beim zweiten Bild auf dem linken AF-Feld. Auf die Art passen die Bilder besser zusammen.

Illustration: Bilder für Panorama ausrichten

So kannst Du mit den Autofokusmessfeldern Bilder für Panorama ausrichten

… und belichten

Natürlich sollte die Belichtung zwischen den Bildern nicht geändert werden, am einfachsten geht das mit manueller Belichtung. Du solltest, damit die Software es hinterher einfach hat, auch nur eine Brennweite verwenden, also nicht während der Aufnahmen zoomen. Und den Autofokus solltest Du nach dem ersten fokussieren auf die Landschaft am besten ausschalten.
Wenn Du weißt, wie es geht, kannst Du auch die hyperfokale Distanz  verwenden. Aber nicht verrückt machen lassen, wenn Du es nicht weißt, es geht auch ohne.)

Panorama stitchen

Die Panoramen füge ich mit spezieller (und kostenpflichtiger) Software zusammen, ich verwende dazu „PTgui“. Als kostenlose Alternative könntest Du „Hugin“ verwenden.

Auch Lightroom (und natürlich Photoshop)(*) kann in den neuen Versionen Panoramen zusammensetzen, aber bei Lightroom gibt es eine keine Möglichkeit, auf die Lage der Einzelbilder und damit auf die Qualität des Ergebnisses Einfluss zu nehmen.
Doch keine Sorge, oft klappt es verblüffend gut.



Eine Interessante und kostenlose Alternative ist das Programm ICE von Microsoft. Es kann ein- und mehrreihige Panoramen zusammenfügen und man kann als Ausgangsmaterial auch einen Panoramaschwenk in einem Video nutzen.

Es ist nicht wirklich kompliziert, mit ICE ein Panorama zu bauen, aber ich habe zur Sicherheit einige kleine Erklärvideos dazu gemacht, vielleicht helfen die Dir ja dabei.

Mit ICE kann man sogar aus Videoschwenks Panoramen erstellen, hier geht es zum Erklärvideo.

Üben

Du solltest diese Aufnahmetechnik unbedingt vor der Reise mal ausprobieren, eine einfache Landschaft mit ein paar Details reicht dafür schon aus. dann hast Du im Urlaub das sichere Gefühl, dass Du es kannst.

Dieser Beitrag hier hat viel mit dem Thema Bildgestaltung zu tun. Und genau dazu biete ich nach langer Pause seit Mai 2016 wieder Workshops an. Infos und Anmeldung


(*) Dies ist ein sogenannter Affiliate Link. Wenn Du hierüber etwas kaufst, erhalte ich eine paar Prozente, ohne dass Du deshalb mehr bezahlen musst. Klassisches Win-Win also.
Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)

/ 03. Aug 2016

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