Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 9 – Panorama

Illustration zu: Ein Beschnitt des Bildes zum Panorama kann bei fehlendem Vordergrund helfen

Wenn kein interessanter Vordergrund vorhanden ist hilft oft eine Beschränkung (oder Erweiterung ;-) ) aufs Panoramaformat.

Es ist gerade in einem zweidimensionalen Foto manchmal sehr schwierig, die beeindruckende Tiefe eines Motivs zu zeigen.
Um das zu erreichen, ist es wichtig, den Betrachter durch diesen Raum, durch die Tiefe im Bild zu führen.
Das gilt besonders bei Landschaften und ähnlichen Motiven, also typischen Urlaubsfotos.

Dabei kann ein schönes und/oder interessantes Vordergrundobjekt helfen. Es führt den Betrachter dann in die Tiefe des Motivs hinein. Oder, wie mein Opa schon sagte:
Vordergrund macht Bild gesund!“.

Aber nicht immer ist ein passender Vordergrund vorhanden. Bei manchen Motiven, gerade bei Fernsichten von erhöhten Standpunkten oder beim Blick aufs Meer, bietet sich da einfach nichts an. Fotografen auf Kreuzfahrt werden das kennen, da ist vorne oft erstmal nur Wasser. Und schlichtes Wasser, aber Sand und Gras  gelten nicht so richtig als Vordergrund.

Und dann?
Als Lösung in der Not funktioniert es dann manchmal, für die Wiedergabe auf ein sehr breites Bildformat zurückgreifen.
(Ich werde dieses überbreite Bildformat im Folgenden als Panorama bezeichnen, auch wenn damit nicht zwingend ein großer Bildwinkel verbunden ist.)
Das breite Format kann das Fehlen des Vordergrunds oft ausgleichen.

Vermutlich liegt das daran, dass der Betrachter durch das überbreite Format gezwungen wird, die Motivdetails und damit die Tiefe des Bildes nach und nach quasi abzutasten. Damit das richtig gut funktioniert sollte das Bild aber besser etwas größer als im üblichen Format wiedergegeben werden. Im Fotobuch darf es dann schon mal die volle Breite einer Doppelseite sein und an der Wand der etwas größere Platz.

An ein solches Bild wird der Betrachter erfahrungsgemäß näher herangehen als an übliche Bildformate, die er mit einem Blick „lesen“ kann. Das ist ja auch das Ziel, denn die dann sichtbaren Details sollen die Tiefe erfahrbar machen.


Hier ein Link zu einer etwas ausführlicheren Betrachtung des Zusammenhangs von Betrachtungsabstand und Auflösung

Ausstellung und Auflösung (oder: wieviele Megapixel brauche ich tatsächlich?)


Damit aus der Nähe betrachtet und trotz der größeren Ausdehnung die Bildqualität nicht leidet, sollte das Bild eine hohe Detailauflösung aufweisen. Dann kann der Betrachter in Ruhe diese Details im Hintergrund „abscannen“.

Panoramaformat

Natürlich könnte man das Foto normal aufnehmen und einfach später ins Panoramaformat zuschneiden, aber dann verliert man wertvolle Bildpixel. Zwar bieten aktuelle Kameras heute schon sehr viele Megapixel, man kann da schon recht starke Ausschnitte machen.
Doch auch das Objektiv muss die nötige Qualität in Bezug auf die Auflösung kleiner Details  aufweisen. Für solche Ausschnitte sind die meisten „Kit-Objektive“ aber eher nicht gedacht.
Manchmal reicht es dann schon vom Objektiv her nicht für ein wirklich großes Bild.

Aber muss man nun gleich eine neue „Linse“ kaufen?
Nicht unbedingt. Denn glücklicherweise sind digital einige Fototechniken deutlich einfacher geworden als zur analogen Zeit. Statt ein neues Objektiv zu kaufen kann es auch völlig ausreichend sein, eine spezielle Aufnahmeweise und die Bildbearbeitung zu verwenden.

Panorama Aufnahmetechnik

Die für so ein Panorama empfehlenswerte höhere Auflösung kannst Du mit einem einfachen Trick erreichen, indem Du das Motiv quer (oder hoch) mit mehreren Bildern abtastet.
Bei einem Querpanorama nimmt man dazu die Kamera am besten ins Hochformat (und vice versa). So hat man auch ausreichend Bildhöhe (um z.b: interessante Wolkenstrukturen oder Bodendetails zu integrieren) und muss nicht dem umständlichen Weg mehrerer Aufnahmereihen gehen.

Es ist wichtig, dass Du beim Fotografieren der Einzelbilder darauf achtest, das die Aufnahmen sich ausreichend überlappen. Und der Horizont sollte bei allen Fotos ungefähr in gleicher Position im Verhältnis zur Bildhöhe sein, sonst kann es zu Problemen mit „welligen“ Horizonten kommen.

Ein "krummes" Panorama

Ein „krummes“ Panorama

Ein gerade gerechnetes Panorama

Aus dem krummen Bild kann man mit Software ein grades Panorama „rechnen“. Um den Horizont zu begradigen, muss das Bild aber verformt werden. Das erzeugt einen welligen Bildausschnitt. Die schwarzen Partien sind Bildbereiche, die im Ausgangsbild nicht vorhanden waren.

Das verbleibende Panorama

Die verbleibende Fläche des Panoramas ist nach dem Beschnitt des welligen Ausschnitts deutlich kleiner, speziell in der Höhe fehlt jetzt sehr viel vom Bild.

Viele Kameras (und Smartphones) beherrschen automatische Panoramaaufnahmen. Sie blenden dazu zum Teil sogar das vorherige Bild für einen perfekten Anschluss ein, um solche Fehler zu vermeiden.

Doch das funktioniert oft nur mit JPEGs und nicht in Verbindung mit Raw-Aufnahmen. Gerade in der Panoramafotografie ist aber die Möglichkeit der Verwendung dieser Raw-Dateien wichtig, da man es fast immer mit „Kompromiss-Belichtungen“ zu tun hat.
Die Helligkeiten der Einzelbilder sollten ja einigermassen zueinander passen, damit sie ohne sichtbare Übergänge aneinander gefügt werden können.
Durch den größeren Blickwinkel muss man bei der Belichtung sehr häufig sowohl auf tiefe Schatten in dem einen als auch auf helle Partien in dem anderen Bild Rücksicht nehmen.
Da ist es dann wichtig, noch etwas Spielraum in den Dateien zu haben, um die Ausarbeitung anpassen zu können.  (Siehe auch „Warum soll ich in Raw fotografieren„)

Warum soll ich in RAW fotografieren?

Unter Kontrolle schwenken…

Mit einem einfachen Trick kannst Du auch ohne kamerainternen Panoramahilfen wellige Horizonte vermeiden. Gleichzeitig wird mit diesem Verfahren sichergestellt, das die Bilder sich ausreichend überlappen. Nimm dazu einfach die Autofokusmessfelder oder – messpunkte zu Hilfe. Oder die Gitterlinien im Sucher.
Du platzierst dann ein Objekt, das bei einem Schwenk nach rechts vorher auf einem rechten Autofokusmessfeld war, beim zweiten Bild auf einem linken AF-Feld.
Auf diese Art passen die Bilder besser zusammen.
Und der Horizont bleibt, wenn Du ihn an den Punkten/Linien ausrichtest, auch gerade.

Illustration: Bilder für Panorama ausrichten

So kannst Du mit den Autofokusmessfeldern Bilder für Panorama ausrichten

… und belichten

Natürlich sollte die Belichtung zwischen den Bildern nicht geändert werden, am einfachsten geht das mit manueller Belichtung (siehe den folgenden Link).

Belichtungsautomatik? M-Modus? Wie geht das?

Achte darauf, dass Du versuchst, eine Kompromissbelichtung zu finden, die sowohl für die hellsten Partien des hellsten Einzelbildes als auch für die dunkelsten Partien in den anderen Aufnahmen passt.

Brennweite und Autofokus

Du solltest, damit die Software es hinterher einfach hat, auch nur eine Brennweite verwenden, also nicht während der Aufnahmen zoomen. Und den Autofokus solltest Du nach dem ersten Fokussieren auf die Landschaft am besten ausschalten (und vergiss nicht, ihn hinterher wieder einzuschalten).
Wenn Du weißt, wie es geht, kannst Du auch die hyperfokale Distanz  verwenden. (Aber nicht verrückt machen lassen, wenn Du es nicht weißt, es geht auch ohne – einfach auf den Hintergrund fokussieren und die Blende etwas schliessen.  ;-) )

Panorama stitchen (zusammenfügen)

Die Panoramen füge ich mit spezieller (und kostenpflichtiger) Software zusammen, ich verwende dazu „PTgui“. Als kostenlose Alternative könntest Du „Hugin“ verwenden. Das ist aber, wie PTGui, recht aufwändig in der Handhabung.

Auch Lightroom (und natürlich Photoshop)(*) kann in den aktuellen Versionen Panoramen zusammensetzen. Aber bei LR gibt es eine keine Möglichkeit, auf die Lage der Einzelbilder und damit auf die Qualität des Ergebnisses Einfluss zu nehmen.
Doch keine Sorge, trotzdem klappt es fast immer verblüffend gut.


Du willst nicht alleine üben? - Dann komm zu mir!

Vor dem Urlaub solltest Du ein wenig üben, damit Du im Urlaub fit bist mit der Kamera. Alleine macht das aber keinen richtigen Spaß. Und wer hilft, wenn es mal nicht klappt? Für jede Frage wieder ein Youtube-Video suchen? Das muss doch besser gehen!
Und es geht auch besser: Komm in meinen Fotokurs!
Die meisten meiner Grundlagen-Fotokurse in der nächsten Zeit sind zwar schon ausgebucht, aber etwas später sind noch Termine frei. Informationen und Anmeldung findest Du auf der Website zu meinen Fotokursen zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.


Eine Interessante und kostenlose Alternative ist das Programm ICE von Microsoft. Es kann ein- und mehrreihige Panoramen zusammenfügen und man kann als Ausgangsmaterial auch einen Panoramaschwenk in einem Video nutzen.

Es ist nicht wirklich kompliziert, mit ICE ein Panorama zu bauen, aber ich habe zur Sicherheit einige kleine Erklärvideos dazu gemacht, vielleicht helfen die Dir ja.

Mit ICE kann man sogar aus Videoschwenks Panoramen erstellen, hier geht es zum Erklärvideo.

Üben

Damit die Bilder im nächsten Urlaub wirklich besser werden, solltest Du nicht nur lesen, sondern vor allem üben, üben, üben. Nur dann sind Dir die nötigen Handgriffe auch in Streßsituationen klar. Und für den Gestaltungsmuskel ist das Training ebenfalls wichtig.
Denk daran: wenn Du erstmal in der Situation bist, ist es zum Üben zu spät!
Übe also besser schon zu Hause in Ruhe.

Deine Aufgabe: Suche Dir eine weite Landschaft ohne besondere Vordergunddetails. Ein Blick über ein Tal oder eine Weide oder …  mit einer einfachen Landschaft mit einigen Details im Hintergrund reicht dafür schon aus.

Das geht aber auch auch in der Stadt, wenn Du über einen Platz mit etwas entfernter stehenden großen Gebäuden blickst.
Aber Vorsicht, es sollte dort (speziell direkt vor der Kamera) nicht zu viel Bewegung sein. Passanten oder Fahrzeuge, die zwischen den überlappenden Bildern ihre Position verändern, können die Software verwirren. Manchmal hilft es dann, an Kreuzungen auf die Rotphasen der Ampeln zu warten.

Denk daran Weißabgleich, Fokussierung, Brennweite und Belichtung zwischen den Bildern nicht zu verändern. Am bestens also alles manuell einmal fest einstellen. Und nutze RAWs, damit Du hinterher noch etwas Spielraum in der Ausarbeitung hast.

Probiere zu Hause auch die Ausarbeitung mit der Software in Ruhe. Das gibt Dir später im Falle des Falles die Freiheit, einfach mal in Deinen persönlichen Panoramamodus umzuschalten.
Und Du hast dann im Urlaub das sichere Gefühl, dass Du es kannst.

Hast Du noch Fragen dazu? Oder möchtest Du etwas anmerken? Habe ich etwas falsch beschrieben? Dann nutz doch die Kommentare weiter unten. Ich freue mich, von Dir zu hören [lesen ;-) ]


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Die für Urlaubsfotos relevanten Themen wie Belichtung, Automatiken und Belichtungskorrektur,  aber auch Brennweite, Bildgestaltung und Bildbearbeitung sind ein wichtiger Teil meiner Fotokurse zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.

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Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)


One thought on “Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 9 – Panorama

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