Was hilft gegen Verwackeln?

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Verwackelt! Was kann man dagegen machen?

Da ist man im Urlaub in einer schönen Stadt unterwegs und steht auf einmal in einer Kirche vor einem wunderschönen Altarbild oder tollen Fresken.
Davon muss ein Foto gemacht werden! Aber es ist in der Kirche recht dunkel und deshalb wird die Belichtungszeit zu lang, das Bild könnte verwackelt werden. Ein Stativ hast Du natürlich nicht dabei.
(Und wenn doch, dann ist der Einsatz in der Kirche oder im Museum wohlmöglich verboten.)

Was hilft in einer solchen Situation gegen das Verwackeln?

  • Blende auf?
    Gute Idee, soweit es das Objektiv und die gewünschte Schärfentiefe zulassen. Hier sind Kameras mit großem Sensor im Nachteil.
  • ISO hoch?
    Kannst Du auch machen, soweit es das stärkere Rauschen zulässt. Dabei sind Kameras mit kleinem Sensor im Nachteil.

 

Was hilft gegen Verwackeln?

An allererster Stelle muss ich hier eine richtige Kamerahaltung nenne. Durch die sucherlosen Smartphones haben sich viele das Fotografieren über das Display angewöhnt.
Das kann in einigen Situationen auch durchaus richtig sein. Aber es steigert die Gefahr des Verwackelns.
Besser: Halte die Kamera mit der rechten Hand, stütz den linken Ellbogen am Körper ab, die linke Hand unters Objektiv (Daumen und Zeigefinger zeigen weg von Dir) und Deine Augenbraue soll oberhalb des Sucher andocken. In einer Illustration weiter unten kannst Du das sehen.
Probier es ein paar Mal aus, es sollte in Fleisch und Blut übergehen. Aber falls Du Dich mit dieser Haltung total unwohl fühlst, lasse es. Sonst verkrampfst Du nur, das wäre noch schlimmer.

Natürlich gibt es aber auch noch mehr Möglichkeiten.
Heutzutage steht zusätzlich zu der Anpassungen von Blende und Empfindlichkeit (je nach Kamera und/oder Objektiv) oft noch ein Stabilizer zur Verfügung. Und damit sind mittlerweile ganz beachtliche Verlängerungen der „gefährlichen“ Belichtungszeit möglich.

Ich war „damals“ ja schon glücklich, wenn die Belichtungszeit doppelt oder dreimal so lange werden durfte, heutzutage ist da, gerade bei Spiegellosen mit kleineren Sensoren, noch deutlich mehr möglich.Bie kurzen Brennweiten kann dann manchmal noch im Bereich ganzer Sekunden fotografieren und auf ein unverwackletes Ergebnis hoffen.

Aber irgendwann ist auch mit Stabilizer eine Grenze erreicht.  Und dann?


Ebenfalls zum Thema Verwackeln ist dieser Beitrag in meinem Blog: „Woran erkennt man Unschärfe durch Verwackeln?“


Zack Peng Bumm

Die Kameratechnik kann auch jenseits der Grenze der Stabilisatoren noch weiter helfen. Dank der Fortschritte der Digitalfotografie ist es heutzutage technisch und vor allem auch wirtschaftlich möglich ist, in sehr kurzer Zeit viele Bilder hintereinander zu schiessen.
Und nicht nur die Menge der Bilder sondern auch die höhere Geschwindigkeit der Bilderserien aktueller Kameras können gegen das Verwackeln helfen. (Mittlerweile gibt es ja auch im Amateursegment Kameras, die 10, 20 und mehr Bilder in der Sekunde belichten können.)

Illustration zu: "Serienbild Dauerfeuer Serienaufnahme"

Das Icon für „Dauerfeuer“. also Serienbilder oder Serienaufnahmen in schneller Bildfolge.

In vielen Fällen verzichte ich zwar auf Serienbilder, aber gegen das Verwackeln können sie durchaus helfen.
Wenn Du mit der Serienbildfunktion eine Reihe von Aufnahmen mit ein wenig zu langer Belichtungszeit aus der Hand machst, wird sich die Intensität der Verwacklung in den einzelnen Aufnahmen vermutlich unterscheiden.

Die ersten Aufnahmen werden, weil Du mechanisch den Auslöser betätigen musst, ziemlich sicher stärker verwackelt sein.
Während die folgenden Bilder entstehen, musst Du die Kamera aber „nur noch“ ruhig halten. Auch dieser Bereich der Bilderreihe wird unscharfe Bilder aufweisen. Aber eine der vielen Aufnahmen in diesem Teil der Bilderserie wird weniger intensiv verwackelt sein als die anderen. Und mit etwas Glück wird die Schärfe dieses Fotos ausreichend sein.
Zum Schluß wird die Verwacklung vielleicht wieder stärker werden, weil Du das Ende der Aufnahmereihe einleitest und den Finger vom Auslöser nimmst.

Illustration zu "verw a a a ckel l l l t_"

Verw a a a ckel l l l t

Serienbild gegen Verwackeln, diese Idee ist nicht neu, das konnte schon mein uraltes Sony-Ericsson Handy als „Burst“-Funktion. Und es war dann auch noch in der Lage, das am wenigsten verwackelte, das schärfste Foto, automatisch zu finden und den Rest zu löschen.
Das wurde vermutlich über die Dateigröße erkannt, diese steigt durch viele Details. Und die Details kommen durch schwächeres Verwackeln.
Heutzutage, auch mehr als 12 Jahre später, bieten aktuelle Fotoapparate diese Funktion leider anscheinend immer noch nicht an. (Oder kennst Du eine Kamera , die das schärfste Bild einer Aufnahmeserie erkennen kann? Dann ab damit in die Kommentar am Seitenende.)

Zack Peng Bumm Mk.II

Die Serienbildfunktion ist auch eine große Hilfe für einen weiteren Trick gegen das Verwackeln. Bisher war ja das Ziel, möglichst niedrige ISO-Werte zu verwenden, um das Rauschen zu vermeiden. Dadurch kam es aber zu langen Belichtungszeiten und damit zum Rauschen. Verwackeln und Rauschen sind ja zwei Seiten ein und derselben Medaille mit Namen „zu wenig Licht“.

Und machmal muss man, wenn das Licht selbst für die bisherigen Tricks zu knapp ist, zu höheren ISO-Werten greifen um ein Verwackeln zu vermeiden. Da wäre es dann sehr hilfreich, wenn man das Rauschen nachträglich effektiv unterdrücken könnte. Das würde dann ja indirekt auch gegen das Verwackeln helfen.

Und es gibt tatsächlich eine Lösung. Vor Ort musst Du zur Vorbereitung ebenfalls eine Serienbildaufnahme machen.
Diesmal behält Du aber alle Einzelbilder. Sie werden wegen des höheren ISO-Wertes mehr oder weniger starkes Rauschen aufweisen, aber das kannst Du jetzt nachträglich in der Bildbearbeitung durch eine geschickte Vermischung der Einzelbilder reduzieren.

Die Idee dahinter:
Angenommen Du fotografierst mit einem Weitwinkel — z.B. 24mm an Vollformat, die Verwacklungsgrenze liegt dann nach der Daumenregel bei ca. 1/30 (eigentlich 1/24) Sekunde.
Statt nun bei ISO 100 (also wenig Rauschen) eine Sekunde lang zu belichten, nimmst Du ISO 3200 und eine 1/30 Sekunde, bist also verwacklungsfrei.
Das Bild machst Du (mit Serienbild) aber 30mal, erhältst also in der Summe ebenfalls eine Sekunde Gesamtbelichtungszeit, also die gleiche Lichtmenge.

(Die 30 Bilder nenne ich hier nur, um die grundsätzliche Überlegung dahinter klar zu machen, in der Praxis reichen oft auch schon +-acht. Probier es aus.)

Die volle Sekunde wirst Du verwackeln, jedes der Einzelbilder ist aber durch die kurze Zeit (hoffentlich) unverwackelt — aber leider verrauscht.
Doch das Rauschen ist zu einem großen Teil zufällig.
Deshalb kannst Du nun die Einzelbilder in der Bildbearbeitung kombinieren und das Rauschen quasi „ausmittlen“.

Das geht zum Beispiel mit Photoshop relativ einfach.

Rauschen ausmisten ausmitteln

Du bearbeitest im RAW-Konverter — ich verwende Lightroom Classic (*) — zuerst eines der Bilder grob auf Helligkeit, Farbe und Kontrast hin aus. Falls weitere Ausarbeitungsschritte nötig sind, kannst Du das auch später machen.
Diese Anpassungen für dieses Bild überträgst Du mit „Synchronisieren“ auf die anderen Aufnahmen.

Die Bilder übergibst Du dann an Photoshop. Du kannst die folgenden Schritte aber auch mit dem kostenlosen Gimp oder einigen anderen, ebenenfähigen Bildbearbeitungen machen. Aber wenn Du ein aktuelles LRC hast, dann hast Du ja beim FotoAbo automatisch auch Photoshop als Beifang mit an Bord.

Kombinieren (in Photoshop)

Wähle einfach in Lightroom alle benötigten Bilder aus und verwende per rechtem Mausklick die Befehle „Bearbeiten in ..“ und dann „In Photoshop als Ebenen öffnen“.

Jetzt wird sich PS öffnen und nach und nach die Einzelbilder laden und als Ebenen übereinander anordnen. Ohne Stativ wirst Du die Kamera zwischen den Einzelbildern vermutlich bewegt haben, deshalb müssen die Bilder jetzt erst noch zueinander ausgerichtet werden.

In Photoshop wählst Du dazu im Ebenenfenster alle Ebenen aus und gehst ins Menü „Bearbeiten“. Dort wählst Du „Ebenen automatisch ausrichten …“ und im anschliessenden Dialog „Auto“.

Die Bilder werden in der Folge von PS so weit es geht deckungsgleich ausgerichtet. Wenn Du einigermaßen sorgfältig warst und die Kamera „geradeaus“ gehalten hast, sind hier keine Probleme zu erwarten. Und wenn Du der Reihe nach die Ebenen von sichtbar auf unsichtbar schaltest, wirst Du Ausreißer gut finden können. Lösch die entsprechenden Ebenen einfach.

Danach wählst Du im Ebenenfenster zuerst die oberste Ebene aus und klickst dann mit gedrückter Umschalttaste die unterste Ebenen an. So hast Du alle Ebenen ausgewählt.
Jetzt wähle mit einem rechten Mausklick auf einen der Ebenennamen im Ebenenstapel „In Smartobjekt konvertieren“ aus.

Die Ebenen werden dadurch zu einer einzigen Ebene, die aus dem Smartobjekt besteht, zusammengefasst.
Die Werte der Pixel der so entstandene Ebene (sie sollte noch aktiv sein) kannst Du im Menü Ebene unter „Smartobjekte“ mit mathematischen Methoden verändern lassen. Du wählst zur Rauschreduzierung  den „Stapelmodus“ und dann „Median“ aus.
Fertig!

Illustration zu "Was hilft gegen Rauschen?"

Wo ist der Median Befehl?

Illustration zu "Was hilft gegen verwackeln?"

Klick aufs Bild für eine große Ansicht.

Falls Du Dir Lightroom Classic und Photoshop anschaffen möchtest, kannst Du mich mit einem Klick auf den folgenden Link unterstützen ohne dass Du dafür mehr bezahlen musst: Lightroom Classic und Photoshop bei Amazon bestellen(*)

Kombinieren mit dummer Software ;-) 

Falls Deine Software kein Mathe kann, musst Du selber rechnen. Du lässt die Ebene wie oben beschrieben ausrichten, aber die Verwandlung in das Smartobjekt sparst Du aus. Statt dessen passt Du die Deckkraft der Ebenen an.
Du zählst von unten nach oben die Ebenen und regelst dann die Deckkraft der Ebenen auf 100 geteilt durch ihre laufende Zahl in der Reihenfolge.

ebenen_deckkraft_anpassen_©_Tom_Striewisch-450x400.jpg

Photoshop Ebenendeckkraft anpassen

Die unterste Ebenen ist  Ebene 1, sie erhält eine Deckkraft von 100/1, also 100%.
Die von unten gesehen zweite Ebene erhält 100/2 also 50% Deckkraft.
Dritte Ebene 100/3 -> 33%
Vierte 25%
usw. usf.

Dadurch trägt jede Ebene nur einen kleinen Bruchteil zum Ergebnis bei. Das zufällige Rauschen wird so quasi heraus gemittelt, die zwischen den Bildern gleichen Motivdetails werden aber aufaddiert und bleiben erhalten.
Sollte das Ergebnis unscharf sein, ist vermutlich mindestens eins der Ausgangsbilder nicht deckungsgleich (ausgerichtet.)

Dieses Verfahren der digitalen Berechnung des Bildergebnisses (Computational Photography) ist ziemlich alt, wird aber anscheinend nur selten angewendet, vermutlich weil es etwas aufwendig ist.
Doch das ändert sich gerade. Dank der leistungsfähigen Soft- und Hardware einigermassen aktueller Smartphones wird es dort bereist häufig eingesetzt. Ich bin gespannt, wann unsere Kamera das endlich auch als zusätzliches Feature anbieten werden.
(Einige Sonys bieten so etwas ähnliches als spezielle ISO-Automatik an. Es wäre nett, wenn man das auch ohne Automatik selber steuern könnte.)

Video

Ich habe zu diesen beiden Verfahren der Entrauschung durch Mittelwertberechnung bereits vor einiger Zeit auch ein Video veröffentlicht. Zu finden ist das in einem älteren Beitrag mit dem Titel:
Die Tage werden kürzer, die Isowerte steigen… (Teil 2)

An der Stelle ist hoffentlich etwas Eigenwerbung erlaubt. ;-)
Wenn Du den Umgang mit Lightroom und Photoshop lernen willst, dann komm doch einfach mal in meinen Kurs zum Thema Bildbearbeitung. Ich würde mich freuen, Dich da begrüßen zu können.
Unter dem Link findest Du Infos und Anmeldemöglichkeit zum Grundlagenkurs Bildbearbeitung

Nicht so digital…

Das war jetzt viel Digitalkrams. Aber es gibt auch noch einige recht gute „analoge“ Hilfsmittel , die ich nicht einfach übergehen möchte.
Es gab ja schon früher findige Fotografen. Zu ihrer Zeit gab es aber in der Regel nur Film mit Empfindlichkeiten von 400 ISO (Damals: 400 ASA oder 27DIN).
Von 3200 oder gar 6400, 12800 und mehr konnten sie meist nur träumen.

Trotzdem entstanden Bilder auch bei wenig Licht. Auf einige Tricks wie die Steigerung der Sensibilisierung des Filmmaterials durch diffuses Vorbelichten und andere, nicht immer gesundheitsförderliche Verfahren will ich jetzt nicht weiter eingehen.
Aber es gab auch damals schon einfache Hilfsmittel, Dir dir heute noch bei fehlendem Stativ helfen können.

Beanbag

Recht bekannt ist der Beanbag. Ein mit den namensgebenden Bohnen, Reis, Sand, Styroporkügelchen etc. gefüllter Beutel wird auf eine Mauer oder in eine Astgabel oder … gelegt. Darauf kommt die Kamera, die Du auf dem Beutel mit ein wenig Drücken und Rücken auch recht genau ausrichten kannst. 

Damit sind richtig lange Belichtungszeiten möglich. Aber leider findet man nicht immer eine passende Ablagefläche in Wunschhöhe.

Vorsicht: Du solltest trotz der Unterstützung durch die Bohnen auf jeden Fall versuchen, erschütterungsfrei auszulösen, z.B.  mit dem Fernauslöser, dem per App verbundenen Smartphone oder dem Selbstauslöser.

Flexibelstabil

Ein echtes Immer-dabei-Stativ mit minimalem Packmaß und Gewicht wäre natürlich toll. Und das gibt es tatsächlich, es heißt Schnurstativ.
Damit kannst Du das Wackeln zwar nicht zu hundert Prozent verhindern, aber deutlich einschränken. Verschiedene Ausführungen haben sich im Laufe der Zeit entwickelt. (Ich hoffe, ich muss nicht extra darauf hinweisen, dass eine elastische Schnur eher suboptimal ist!)

Die Basisvariante ist ein simples Stück Bindfaden, das von der Kamera bis zum Boden reicht. Entweder legt man eine Schlaufe der Schnur um das Objektiv (in der Nähe des Kameragehäuses) oder man befestigt sie mit passender Schraube oder Stativadapter am Kameragehäuse.
Mit einem Fuß trittst Du dann auf das andere Ende der Schnur und spannst diese, indem Du die Kamera nach oben drückst. Durch die gespannte Schnur kommt deutlich mehr Stabilität in die Kamerahaltung, aber für richtig lange Belichtungszeiten ist das eher nicht geeignet. (Übertreib es nicht mit dem Druck, sonst fängst Du dadurch an, stärker zu wackeln.)

Eine gute Alternative ist ein längeres Stück Bindfaden, das zu einer großen Schlaufe geknotet ist. Das legst Du einmal um das Objektiv (in Bajonettnähe) und lässt die Schlaufe zu Boden hängen. Dann trittst Du mit leicht gespreizten Beinen mit beiden Füßen in die Schlaufe, so daß sich ein Dreieck zwischen den Füßen und der Kamera bildet. Die passende Höhe kannst Du durch die Position der Füße noch etwas variieren.

Mit dieser XXL-Version des Schnurstativs erreichst Du noch etwas mehr Stabilität.

Illustration zu "Was hilft gegen Rauschen?"

Ich bevorzuge die hier abgebildete Version mit großer Schlaufe. Einmal mit Knoten auf die Körpergröße des Fotografen angepasst, reichet es, eine Schlinge ums Objektiv zu legen. Und die richtige Kamerahaltung (siehe Textanfang) hilft zusätzlich gegen das Verwackeln.

Einbeinstativ

Aus Wander- oder Spazierstöcken und Stockschirmen lassen sich zu Not Einbeinstative improvisieren, bei den Wanderstöcken gibt es sogar Exemplare, die extra ein Stativgewinde aufweisen.
Und mit etwas Geschick und einer Schnur macht man aus drei Wanderstöcken sogar ein Dreibeinstativ, an dem man die Kamera (mit einer weiteren Schnur?) befestigen  kann.

Mit Wanderstöcken wirst Du aber wohl nicht ins Museum kommen. Da bleibt dann nur das Schnurstativ. Die besonders dreisten können sich aber auch vorbereiten mit der MacGyver-Version: nimm eine Krücke und kleb eine Stativschraube daran fest (Schrauben bekommst Du bei Ebay) Nun muss Dir nur noch jemand auf den Fuß treten, damit Du glaubhaft ins Museum humpeln kannst. ;-)

Oder Du machst gleich die Mr. Q Fassung: am von Oma ausgeliehen Rollator befestigst Du mit Kabelbinder unauffällig ein Einbeinstativ, dass Du dann drinnen ausfahren kannst. Damit sind dann sogar Kamerafahrten fürs Museumsvideo möglich.
Aber Vorsicht, für mehr Glaubwürdigkeit solltest Du den Rollator nicht erst an der Museumskasse in Betrieb nehmen.

Zugegeben, die letzten beiden Tipps sind nicht allzu ernst zu nehmen, aber sie zeigen, dass Du im Kampf gegen Verwacklung erfindungsreich sein solltest.

Warnung

Alle diese Hilfsmittel wirken nur gegen Verwackeln, nicht aber gegen Bewegungsunschärfe. Da hilft noch nicht einmal ein richtiges Stativ, sondern nur mehr Licht. Zum Beispiel per Blitz. 

Aber das ist ein recht umfangreiches Thema, dass auch viel Erfahrung erfordert. Einige grundlegenden Hinweise zu den beim Blitzen zu erwartenden „Herausforderungen“ und den möglichen Lösungen habe ich hier (https://www.tom-striewisch.de/wie-funktioniert-das-mit-dem-blitzen.htm) veröffentlicht. Und wenn Du es gerne Live lernen würdest: zum Thema Aufsteckblitz gebe ich meist zweimal im Jahr einen Abendkurs mit ein wenig Theorie und viel Ausprobieren. (https://www.fotoschule-ruhr.de/aufsteckblitz.php)

ICM und Mitzieher

An diesem Punkt des Textes eine kleine Entwarnung. Da ich bisher nur beschrieben habe, was gegen das Verwackeln hilft, sollte ich jetzt auch darauf hinweisen, dass Verwackeln (wie jeder(?) „Fehler“) auch ein bewusstes Mittel des Bildgestaltung sein kann.

1/15 Sekunde Belichtungszeit, Kamera „mitgezogen“

Bei bewegten Motiven kann man deren Geschwindigkeit durch einen Mitzieher darstellen. Die Kamera wird dazu synchron zum bewegten Motvivdetail (z.B. ein Fahrrad) bewegt, so das dessen Abbild immer auf der gleichen Stelle des Sensors (des Films) landet. Im Ergebnis ist das Fahrrad mehr oder weniger scharf abgebildet, der Hintergrund dagegen ist durch das bewusste Verwackeln unscharf.

Noch etwas weiter geht das bewusste Verreißen der Kamera ohne eine Bewegung im Bild zu folgen. Man spricht dann von ICM (Intentional Camera Movement — absichtliche Kamerabewegung)
Damit können stimmungsvolle Bilder mit malerischer Unschärfe entstehen. Das Ergebnis kann aber auch einfach nur langweilig unscharf werden. ;-)

Letzte Anmerkung

Ich habe das oben schon erwähnt, möchte hier aber nochmals darauf hinweisen, dass man lange Belichtungszeiten selbstverständlich auch durch hohe ISO-Zahlen vermeiden kann.
Natürlich kommt es dann zu einer mehr oder weniger starken Zunahme des Rauschens. Einige Möglichkeiten, das Rauschen zu unterdrücken, habe ich weiter oben bereits beschrieben. 

Aber wenn Du keine andere Option hast, dann mach das Bild halt mit IS0 „XXXL“.  Und drucke es anschließend aus. Du wirst sehen, in den allermeisten Fällen ist das mit dem Rauschen im fertigen Bild gar nicht so schlimm.
In der 100% Ansicht am Monitor  (die würde ich am liebsten verbieten, weil sie so viele Leute ganz unnötig frustriert) sieht es meist deutlich schlimmer aus als später auf dem fertigen Foto.

Wenn Du dann auch noch etwas Gespür für Bildgestaltung hast, wird der Betrachter von Inhalt und Gestaltung gefesselt und die „Fehler“ einfach übersehen. „Gestaltung schlägt Technik!

(Ich zitier mich mal selber: „Wenn jemand die Muße hat, in meinen Bildern Rauschen zu sehen, habe ich bei der Bildgestaltung etwas falsch gemacht.“.
Und ja, das ist verkürzt: es gibt auch sehr spezielle Bilder, die gar nicht genug Details aufweisen können. Da wäre Rauschen tatsächlich ein gestalterisches Manko.)

Und weil es sich jetzt gerade so schön anbietet: Du kannst gerne an meinem Grundlagenkurs zur Bildgestaltung teilnehmen. https://www.fotoschule-ruhr.de/Bildgestaltungsworkshop_1.php


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