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Winter – Fotografieren bei (zu-) wenig Licht

Illustration zu "An Weihnachten fotografieren"

An Weihnachten fotografieren


(Akt. 07.12.2020) Der eine oder andere wird zu dieser dunklen Jahreszeit bei den anstehenden Familienfeiern fotografieren (dürfen? müssen? ).
Und da es zu dann meist ziemlich dunkel ist, muss ein Blitz her.
Wirklich?
Nein, nicht unbedingt!

Versuche es doch ruhig einmal mit höherer Empfindlichkeit. Einigermassen aktuelle Kameras machen auch bei ISO-Werten von 1600, 3200 oder gar 6400 (und mehr) noch ganz annehmbare Bilder.
In der 100% Ansicht sieht man dann zwar tatsächlich mehr oder weniger starkes Rauschen, aber da man die Bilder meistens nicht aus dieser viel zu kurzen Distanz (siehe folgenden Link)  ansieht, führt dieser Eindruck oft in die Irre.
Im späteren Bild im Fotobuch oder bei Oma an der Wand ist das dann meist überhaupt nicht schlimm.

Und wenn das Rauschen doch mal störend stark ist, dann gibt es mittlerweile (Ende 2020) einige Softwarelösungen (unter anderem von DXO und Topaz), die mittels KI erstaunlich gut entrauschen — noch lange nicht perfekt, aber schon sehr gut.

(Was heißt: zu kurze Distanz? Hier ein Beitrag zum Thema Betrachtungsabstand und die Auswirkugen)

Blitzen ist manchmal schlimmer

Der Verlust der (Licht-)Stimmung im Bild durch „unsachgemässes“ Blitzen ist da meist viel schlimmer als die Beeinträchtigung der Bildqualität durchs Rauschen.
Mach doch einfach mal ein paar Testbilder mit unterschiedlich hohen Empfindlichkeiten und drucke diese in „üblicher“ Größe aus. Du wirst sehen, das Rauschen ist hinterher meist gar nicht so schlimm, wie man befürchtet.

Stabilizer verwenden!

Illustration zum Stabilizer

Der Stabilizer sitzt bei Canon im Objektiv

Wenn Du diese Testbilder aufnimmst, kannst Du auch gleich mal ausprobieren, wie der „Stabilizer“ an Deiner Kamera und/oder Deinem Objektiv funktioniert (sofern vorhanden) und wie lange Du (mit oder ohne Stabi) noch aus der Hand fotografieren kannst ohne im Bild sichtbar zu verwackeln.

Probiere das mal für die unterschiedlichen Brennweiten aus. Wähle dazu in der Zeitvorwahlautomatik (TV, T oder S) oder in der manuellen Belichtungseinstellung längere Belichtungszeiten vor und fotografiere dann damit. „Gemäßigte“ Weitwinkel erlauben dann durchaus 1/15tel oder länger, erst recht mit Stabilizer.

Das gilt natürlich nicht für wilde Parties, denn da würden durch die tanzenden Menschen längere Belichtungszeiten zu starken Bewegungsunschärfen führen. (Der Effekt kann natürlich auch gewünscht sein)
Diese Wischer kann der „Stabi“ nicht verhindern. Aber bei einer ruhigen Familienfeier mit  Kindern, die konzentriert mit den Geschenken spielen, sieht das mit den langen Zeiten schon wieder ganz anders aus.

Lichtstarke Objektive, die große Blendenöffnungen erlauben, können bei wenig Licht natürlich sehr hilfreich sein, sie ermöglichen kürzere Belichtungszeiten und niedrigere ISO-Werte. Aber woher nehmen?
Mein Tipp: Schenken lassen! Ist ja bald Weihnachten ;-)

Sie sind aber keine Universallösung, denn die großen Öffnungen führen zu – eventuell unerwünscht – kleinen Schärfentiefebereichen.
Natürlich freuen sich einige sicherlich über unscharfe Hintergründe und rufen laut „Hurra, Bokeh!“.
Aber wenn man  die Motivdetails nicht durch kleine Schärfentiefe aus Ihrer Umgebung herauslösen will, weil dadurch dann vielleicht die Geschichte und Stimmung im Bild verlorengeht, ist die große Blendenöffnung keine rechte Hilfe.
(Objektfotograf vs. Geschichtenerzähler).

Die Schärfentiefe kannst Du Dir übrigens hier ausrechnen lassen. (Aber ganz ehrlich: was helfen Dir die Zahlen wirklich? Wie klein bei Deiner Kombination die Schärfentiefe wird (und werden darf), das wirst Du ausprobieren müssen.
Und das machst Du besser vor dem „Ernstfall“!

Stativ

Natürlich kann man bei wenig Licht ein Stativ einsetzen, aber auf der anderen Seite kann das bei Bewegung und Aktion auch ziemlich stören. Und wenn jemand darüber fällt, ist evtl. nicht nur die Kamera hin, sondern er hat sich auch noch verletzt.
Ich werde hier an dieser Stelle deshalb nicht weiter darauf eingehen.

Weißabgleich

Ein anderes Problem ist die künstliche Beleuchtung, an der heutzutage nicht nur Glühlampen und Kerzen, sondern auch alle möglichen anderen Lichtquellen beteiligt sind.
Da wird dann das Thema Weißabgleich interessant.
Den Weißabgleich solltest Du wegen der vielen verschiedenen Lichtquellen ruhig auf Automatik stellen. Wenn Du mal länger in der gleichen Lichtsituation bleibt, könntest Du natürlich auch einen manuellen Weißabgleich vor Ort machen.

Aber bewerte das nicht über! Manche Leute machen einen ordentlichen „Bohei“ um den vermeintlich richtigen Weißabgleich und vergessen dabei, dass Bilder oft auch (Licht-)Stimmung vermitteln sollen. (Siehe auch: “Richtiger” Weißabgleich – ein Ammenmärchen

Auf keinen Fall solltest Du aber vergessen, zwischendurch immer mal wieder ein Testmotiv zu fotografieren, zum Beispiel weißes Kopierpapier aus dem Drucker oder vielleicht sogar eine echte Graukarte ( die gibt es  ja wohlmöglich als Weihnachtsgeschenk? ;-) ).
Dann hast Du später in Lightroom (oder ….) eine Referenz für die Weißabgleichspipette. Und keine Sorge vor der Software, nachträglicher Weißabgleich geht einfacher als man denkt. ,-)
Aber auf jeden Fall bitte mit „RAW“ fotografieren…

zum Fotokurs

Fotokurse mit Tom! Striewisch

RAW

Der Dialog zur Wahl der Komprimierung, Dateigröße und Dateiart (Raw und/oder JPEG) an einer Canon DSLR

Tu Dir einen Gefallen und fotografiere auf jeden Fall mit RAW (von mir aus auch mit zusätzlich parallel erzeugtem JPEG).
Kostet zwar Speicherplatz, aber zur Not kauf Dir vorher noch eine größere Speicherkarte, die sind mittlerweile echt preiswert. Oder lass Dir eine zu Weihnachten schenken. ;-)

Es wäre jedenfalls blöd, eine teure Kamera zu kaufen und dann wegen 30,00 Euro für die Speicherkarte an der möglichen Bildqualität zu sparen.

Mit dem RAW kannst Du nicht nur den Weißabgleich sondern auch  die Helligkeit und den Kontrast sehr weitreichend an Deine(!) Vorstellung anpassen.

Nicht immer ergibt die perfekt Belichtung auch ein perfektes Bild. Im Gegenteil, manchmal benötigt gerade ein perfekt belichtetes Bild noch etwas „Hilfe“. Siehe auch hier in meinem Blog:
Wer richtig belichtet, der braucht keine Bearbeitung! Stimmt das wirklich?

Wie schon geschrieben hast Du auch für den Weißabgleich mit RAW bessere Optionen.
Nimm das aber mit dem Weißabgleich nicht zu wissenschaftlich, es geht nicht so sehr um die messtechnisch richtige Einstellung, sondern viel mehr um die Stimmung. (Nochmals der Hinweis: um den vermeintlich richtigen Weißabgleich wird oft viel zu viel Bohei gemacht, siehe auch hier im Blog:
„Richtiger“ Weißabgleich – ein Ammenmärchen)

Winterliche , gar weihnachtliche Innenaufnahmen dürfen gerne etwas mehr Wärme haben, also kannst Du den Weißabgleich ein wenig in Richtung warmer Gelb-Orange-Töne verschieben.
Der winterliche Schnee darf dagegen auch etwas bläulicher (kälter) wirken. Sollte aber je nach Motiv hell genug sein.
(Zum Thema Schneefotos gibt es hier in meinem Blog einen eigenen Text: „Deine Schneefotos werden zu dunkel?„)

Blitzen

Wenn Du aber tatsächlich blitzen musst (z.B. wegen schneller Bewegungen der Menschen um Dich herum oder weil es einen Blitz vom Christkind gab), dann übe das vorher. Und zwar am besten (für Dein „Opfer“) ohne Menschen. Beim Üben ständig angeblitzt zu werden kann ganz schön nervig sein.

Für meine kompakten Abendkurse zum Thema  „Aufsteckblitz“ habe ich deshalb extra ein „blitzresistentes“ Modell, eine Schaufensterpuppe. Diese Figuren sind zwar gar nicht so teuer, aber für ein paar Übungsbilder ist das evtl. doch etwas übertrieben.

Mach Dir doch einfach selber ein „Testmodel“. Mit einem Besen, den Du mit der Bürste nach oben an einem Stuhl festbindest. Über die „Schultern“ (die Bürste) legst Du einen Mantel und krönst das Ganze dann mit einem Eimer als Kopfersatz. Voila, ein nahezu menschliches Blitztestmodel. ;-)
Und nun versuche mal ein paar Einstellungen beim Blitzen auszuprobieren. Speziell z.B. die Leistung automatisch oder manuell zu reduzieren.

(Es gibt in diesem Blog noch zwei Texte zum Thema Blitzen von mir, die Dir beim Üben und Ausprobieren weiterhelfen können.)

Blitztipp 1: indirekt

Das erste und zugleich wichtigste (für den Blitzeinsteiger): Wenn immer möglich, blitze indirekt!
Mit den fest eingebauten Blitzten geht das meist nicht und selbst wenn es geht, ist der kleine Blitz oft zu schwach.
Viel besser geht indirektes Blitzen mit einem Aufsteckblitz.
[Der muss nicht unbedingt teuer vom Originalhersteller sein, ich habe ganz gute Erfahrungen mit Yongnuo-Blitzen(*) (für Canon, Nikon und Sony) und Nissin(*) (für Olympus) gemacht.]

Die meisten dieser Aufsteckblitze kann man heutzutage drehen und neigen. So kannst Du den Blitz auf eine weiße (besser: farblich neutrale, das ist das wichtige) Zimmerdecke oder -wand richten. Das Licht kommt dann so indirekt quasi aus größerer Entfernung, natürlicher wirkender Richtung (von oberhalb) und mit einer größeren „Leuchtfläche“.

Auf diese Art verhindert oder zumindest mildert Ihr dann gleich drei typische Probleme, die beim Blitzen auftreten.
Die harten Schlagschatten, die roten Augen und den unschönen Helligkeitsabfall in die Tiefe des Bildes, der vorne für überstrahlte Geister und im Bildhintergrund für schwarze Löcher sorgt.
Aber wichtig: vorher unbedingt ausprobieren!

Blitztipp 2: Synchronzeit

Stell die Kamera beim Blitzen ruhig mal auf eine längere Belichtungszeit.
Das geht bei vielen Kameras nur in der manuellen Belichtungseinstellung oder in „AV“.
Der Blitz wird dadurch fast gar nicht beeinflusst, aber das vorhandene Licht kann sich besser auswirken.

Natürlich steigt so die Verwacklungsgefahr.
Aber der kurz leuchtende Blitz friert die Objekte/Menschen im Vordergrund ein und der durch die weiter geöffnete Blende eh etwas unschärfere Hintergrund kann ruhig ein wenig verwackelt sein. Das sieht trotzdem oft besser aus, als wenn er in Schwarz versäuft.
Und wenn im Hintergrund (am besten viele kleine) Lichtquellen sind, können diese dem Bild nochmal einen besonderen Effekt verleihen.

zum Fotokurs

AKTUELL


Überraschend ist ein Platz wieder frei geworden im bereits seit langem ausgebuchten Grundkurs Fotografie
(Zeche Zollverein)

am Wochenende
14.08.21/15.08.21
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Das hier detaillierter zu erklären, würde den Rahmen dieser Email sprengen. Du kannst die Grundlagen zum Blitzen aber gerne auch in meinem kostenlosen „Fotolehrgang im Internet“ im Kapitel „Zubehör“ nachlesen.
Oder Du kommst (schamlose Eigenwerbung) zu meinem Abendkurs zum Thema „Kompaktblitz“. Da geht es während der ersten Stunde um die Grundlagen beim Blitzen und danach werden wir (besser: Ihr, ich helfe Euch dann) zwei Stunden lang die verschiedenen Einstellungen und Möglichkeiten ausprobieren.

Infos unter http://www.fotoschule-ruhr.de/kompaktblitz.php , vielleicht lasst Du ihn Dir ja auch noch zu Weihnachten schenken. ;-)

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Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)

201712151629

geschrieben/aktualisiert: / 01. Jan 2021

3 thoughts on “Winter – Fotografieren bei (zu-) wenig Licht

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