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Zwei Fotoausstellungen auf der Zeche Zollverein

Mittlerweile kann man ja wieder „einfach so“ in eine Ausstellung gehen — verblüffend, wie so ein „einfach so“ doch zu etwas Besonderem werden kann. Ich habe die Gelegenheit jetzt genutzt und war auf Zeche Zollverein, um zwei Fotoausstellungen zu besuchen.

Im „Rundeindicker“ der Kohlenwäsche hängen Panoramabilder aus den 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts, die Diether Münzberg im Auftrag der Ruhrkohle AG im Ruhrgebiet aufgenommen hat.
Und im großen Ausstellungsbereich der Kohlenwäsche auf der 24m Ebene werden Fotografien von Ergun Çağatay gezeigt. Sie dokumentieren das Leben türkischer Gastarbeiter in Deutschland in den frühen 90igern.

Panoramabilder aus dem Ruhrgebiet

Die Panoramabilder von Diether Münzberg entstanden für ein Kalender-Projekt der Ruhrkohle AG in Zusammenarbeit mit der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang.

Diese Fotografien zeigen so etwas wie den stadtplanerischen Zukunftsentwurf für das Ruhrgebiet, der heutzutage (sicherlich nicht nur für mich) schon wieder nostalgisch wirkt.
Die Panoramaaufnahmen zeigen das Ruhrgebiet bereits im Umbruch, das Zechensterben ist schon länger im Gange.
Folglich ist auf den Bildern nur recht wenig „klassische“ Industrie direkt zu sehen, es überwiegen Verwaltungsgebäude, Warenhäuser und Verkehrsinfrastruktur mit ÖPNV-Haltestellen und Waschbeton-Außentreppen im typischen Stilmix der 80er Jahre.

Einige Bilder scheinen zumindest auf den ersten Blick menschenleer zu sein, wodurch die Stimmung in den Aufnahmen zusätzlich verstärkt wird.
Zusätzlich kann das aber auch der Aufnahmetechnik geschuldet sein, denn bei diesen Panoramen handelt es sich um „analoge Bilder“, also Aufnahmen auf Film. Dieter Münzberger verwendete damals eine Alpa Rotocamera 6070, die den aufzunehmenden Bereich mit einer Drehung scannt (wohl bis zu 360Grad).

Es sind also keine aus Einzelbildern „gestitchten“ Aufnahmen, wie sie heute für die Panoramafotografie (auch von mir) häufig eingesetzt werden.
Der Aufnahmebereich wird bei dieser Technik vielmehr kontinuierlich quasi Streifen für Streifen durch eine Drehung der Kamera erfasst. Bei bewegten Motivdetails kann das zu (meist unerwünschten) Stauchungen und Zerrungen führen. Ob Stauchung oder Zerrung ist davon abhängig, ob die Motivbewegung mit oder gegen die Drehrichtung der Kamera erfolgt.
Das liess sich auf Film nicht verhindern, deshalb wurden solche Bilder oft ohne bewegte Motivdetails aufgenommen, waren also auch menschenleer.

Illustration zur Ausstellung Dieter Münzberger im Rundeindicker auf Zeche Zollverein

Leider ist der Platz für Ausstellungen im Rundeindicker der Kohlenwäsche recht begrenzt, so dass nur einige der Panoramafotos in voller Größe gezeigt werden können. Aber es liegen Bildbände mit vielen weiteren Ruhrgebitespanoramen von Münzberger aus, die einen tieferen Einblick erlauben.

Das im sehr günstigen Preis der Ausstellung auch ein Besuch des Panorma(!)daches der Kohlenwäsche enthalten ist, rundet(!) den Besuch passend ab.

Und wem das alles in allem doch noch zu wenig Fotografie und zu wenig Ruhrgebiet war, der kann im gleichen Haus auf der 24m Ebene die Ausstellung „Wir sind von hier“ mit Fotos (unter anderem aus dem Ruhrgebiet) von Ergun Çağatay sehen.

Wir sind von hier. Türkisch-deutsches Leben 1990

Der türkische Pressefotograf Ergun Çağatay reiste Anfang der 1990er Jahre im Auftrag der französischen Agentur Gamma insgesamt mehrere Wochen durch Deutschland. Sein Auftrag war, das Leben der ersten und zweiten Generation der in erster Linie türkischen Zuwanderer („Gastarbeiter“) festzuhalten.

„Unter Tage waren alle gleich“, dieser Satz, ursprünglich natürlich auf den Bergbau zurückgehend, zeigt ein (nur sehr kleines) Problem der Dokumentation. An den Industriearbeitsplätzen sind erst eben einmal nur „Arbeiter“ zu sehen, erst in zweiter Line wird die Herkunft klar (und im Rahmen des Auftrags bedeutsam).
Die Arbeitsstätte Industrie raubt den Menschen die Individualität, Herkunft und Persönlichkeit werden durch die Funktion in der Industrie anscheinend unbedeutend. Erst der in einer Ecke neben dem Förderband nach Mekka ausgerichtete Gebetsteppich liefert dann einen Hinweis auf den Menschen.

Illustration zur usstellung Wir sind von hier

Anders sieht es bei den Portraits derjenigen „Gastarbeiter“ aus, die sich zum Beispiel mit einem Lebensmittelgeschäft oder einem Kebapimbiss selbständig gemacht haben. Auf den Bildern, die diese Menschen zeigen, ist die Herkunft (gerade auch durch das von ihnen gestaltete Umfeld) deutlich klarer zu erkennen.

Am sichtbarsten wir das aber auf den Bildern im privaten Umfeld der Wohnung oder in der Gruppe der Freunde, wie bei der „36Boys“. Hier ist die Herkunft deutlich zu sehen. „Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen!“ (wohl 1965 von Max Fritsch formuliert).

Die großformatigen Bilder werden ergänzt durch insgesamt sechs Interview-Videos. Hier würde ich mir wünschen, dass diese für spätere Betrachtung online erreichbar wären. In einer Ausstellung fällt es mir oft schwer solchen Filmen mit der nötigen Aufmerksamkeit zu folgen. Das würde ich dann lieber in Ruhe zuhause machen.
Man muss nur sorgfältig genug suchen, die Videos sind auf der Website zur Austellung zu finden, klasse!

Nicht vergessen:
Das Optimierungspotential in der Fotografie liegt oft einige Zentimeter hinter dem Sucher!

Ich biete Bildbesprechungen nicht nur im Rahmen meiner regelmäßig stattfindenden zweitägigen Gestaltungskurse an, sondern auch als preiswerte individuelle Online-Treffen. Ich würde mich freuen, Dir in dem Rahmen Tipps und Hinweis zur Gestaltung Deiner Bilder geben zu können.
Informationen und Anmeldung

Fazit

Besuchsempfehlung!
Wer sich für Panoramafotografie oder (und) Bildjournalismus, wer sich für das Ruhrgebiet und seine Menschen interessiert, sollte sich die Ausstellungen ansehen, es lohnt sich.
Und beide Ausstellungsräume wären sogar ohne Bilder einen Besuch wert.

(Die Kamera nicht vergessen, bei guter Sicht kann man vom Dach der Kohlenwäsche viele wichtige Bereiche des alten und neuen Ruhrgebiets sehen/fotografieren.)

Weitere Infos, Anfahrt, Kosten

Zur Ausstellungen „180 Grad Ruhrgebiet“

Zur Ausstellung „Wir sind von hier“

Meine anderen Berichte über Fotoaustellungen

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geschrieben/aktualisiert: / 08. Aug 2021

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