Albert Renger-Patzsch auf Zollverein

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Ausstellung Albert Renger-Patzsch im Ruhrmuseum in der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein

Gestern war ich im Ruhrmuseum auf Zeche Zollverein in der Ausstellung „Albert Renger-Patzsch. Die Ruhrgebietsfotografien“
Kurz und knapp für diejenigen, die nicht weiter lesen wollen: Ausdrückliche Besuchsempfehlung! (Begründung folgt weiter unten)

Es handelt sich in erster Linie um Schwarzweißaufnahmen, die Albert Renger-Patzsch in den anderthalb Jahrzehnten anfertigte, in denen er in Essen lebte (ab 1929).

Gemeinsamer Ausstellungsbesuch am 29.01.19?

Ich plane am 29.01.19 (gegen 11:00Uhr), noch einmal die Ausstellung zu besuchen — wenn sich noch ein paar interessierte Mitstreiter finden.
Du hast Lust mitzukommen?
Dann melde Dich bei mir per Email (mail [at] tom-striewisch [dot] de) oder per Kommentar hier unten auf der Seite.
Die genauen Daten zum Termin kommen dann per Mail.
Und nein, Du musst keinen Kurs bei mir besucht haben, um mitkommen zu können.
Und ja, bis auf den Eintritt, den Du selber zahlen musst, ist das natürlich kostenlos.

 

Es handelt sich zum einen um Auftragsarbeiten und zum anderen um ein sehr umfangreiches freies Projekt zum Ruhrgebiet. Das sind vor allem Landschaftsfotografien und Stadtansichten, schnörkellose Bilder ohne romantisierende Elemente. Kühl-objektiv, ganz im Stil der „Neuen Sachlichkeit“.
Nicht umsonst gilt Albert Renger-Patzsch ja als einer der wichtigsten Vertreter dieser Stilrichtung.

Was mich persönlich bereits nach wenigen Minuten in der Ausstellung gefangen nahm, ist die Klarheit, mit der er seine Bilder gestaltet hat.
Viele der ausgestellten Fotografien könnten als Lehrbuchbeispiele für die Verwendung (nicht nur fotografischer) Gestaltungsmittel gelten.
Das ist einer der Gründe, weshalb ich nächste Woche noch einmal (u.a. mit interessierten Bloglesern — mit Dir?) in die Ausstellung gehen möchte.

Es ist wirklich beeindruckend, wie klar und deutlich sich in den Fotografien von Renger-Patzsch grundlegende gestalterische Überlegungen  finden lassen. Das ist mir in dieser Intensität bisher nur in wenigen Ausstellungen begegnet.

Gestaltung

Als „Fotolehrer“ gebe ich seit vielen Jahren neben den eher technisch ausgerichteten Kursen auch reine Grundlagenkurse zur“Bildgestaltung“ und gerade deshalb habe ich mich über die ausgestellten Bilder sehr gefreut.  Besonders die Klarheit und Deutlichkeit der Gestaltung macht die Ausstellung für Fotoeinsteiger interessant.
Man kann zu fast jedem Bild eine recht eindeutige Gestaltungsidee abrufen und ohne große Mühe die Gestaltungsmittel entdecken

Wer das selber überprüfen will, der achte in der Ausstellung mal besonders auf folgende Punkte:

  • Punkte und daraus entstehende Linien
  • begrenzende Linien und daraus entstehende Flächen
  • Flächen und ihre Auswirkung auf die Bildaufteilung
  • Figur und Grund
  • führende Linien, Kurven und Diagonale
  • Tiefenstaffelung
  • Lichtqualität
  • Lichtrichtung

Die Ausstellung empfiehlt sich also nicht nur wegen der Bedeutung des Fotografen als einem der bedeutendsten Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“. Und natürlich ist der für Ruhrgebietsinteressierte spannende lokale Bezug ein weiterer Grund für einen Besuch.
Aber, um den Bogen zur Gestaltung zu schliessen, es macht auch Freude, solche einfach und klar gestalteten Bilder zu sehen. Gerade für Einsteiger in die fotografische Gestaltung kann es sehr spannend sein, die Bilder eines Könners genauer zu betrachten.

Illustration zu fehlenden Bildern

Die Ausstellung ist vorbei, deshalb musste ich die Bilder hier leider entfernen.

Illustration zu fehlenden Bildern

Die Ausstellung ist vorbei, deshalb musste ich die Bilder hier leider entfernen.

Die Dukatechnik

Die Ausarbeitung tritt ein wenig hinter die Gestaltung zurück, wer also „Fine-Art“ Vergrößerungen erwartet, wird von dieser Seite her bei dem zentralen Ausstellungsteil evtl. enttäuscht sein. Es dominieren, ganz im Sinne der vermittelten Stimmung,  eher kontrastreiche und „raue“ Vergrößerungen.
Bei den Auftragsarbeiten sieht das aber auch anders aus.


„Die Fotografie (…) ist ein grafisches Verfahren >eigener Art<, weder Kunst noch Handwerk (..) und auf Grund ihrer mechanischen Struktur scheint sie mir besser geeignet, einem Gegenstande gerecht zu werden, als eine künstlerische Individualität auszudrücken.“
Albert Renger-Patzsch (1956)


Weg durch die Ausstellung

Die Hängung in der Kohlenwäsche nutzt geschickt die vorhandenen Räume. Das umfangreiche Projekt der „Ruhrgebietslandschaften“ hängt im großen zentralen Raum der 12m Ebene der Kohlenwäsche. Es handelt sich dabei um eine der wenigen „freien“ Arbeiten des Fotografen.
Die hier gezeigten Bilder (überwiegend Vergrößerungen die Renger-Patzsch selber anfertigte) entsprechen in weiten Teilen der schon in der „Pinakothek der Moderne“ in München gezeigten Ausstellung.
Sie werden um ca. 200 Bilder ergänzt, die er bis in die 60er Jahre überwiegend im Ruhrgebiet fotografierte— darunter viele Auftragsarbeiten aus den Bereichen Architektur- und Sachfotografie.
Diese Bilder hängen thematisch sortiert in den rund um den zentralen Ausstellungsbereich angeordneten Seitenräumen (ehemaligen Kohlebunkern).
Ich würde raten erst den zentralen Raum zu besichtigen. Um dann, in einer zweiten Runde, die Seitenräume nach und nach zu besuchen.

Nochmal

Weil die Ausstellung aus meiner Sicht gerade auch unter dem Aspekt Gestaltung in der Fotografie interessant ist, plane ich (wenn nichts dazwischen kommt) am nächsten Dienstag (29.01.19) am Vormittag noch einmal mit einigen Kursteilnehmern in die Ausstellung zu gehen. Mal sehen, wer da überhaupt kann. (Leider endet die Ausstellung am 03.02.19, ein anderer Termin passt bei mir zur Zeit nicht.)
Wenn Du mich auch begleiten willst, melde Dich einfach per Email bei mir. Oder hinterlasse unten einen Kommentar.

Illustration zu fehlenden Bildern

Die Ausstellung ist vorbei, deshalb musste ich die Bilder hier leider entfernen.

Fakten

Ruhr Museum
Zeche Zollverein
Areal A (Schacht XII)
Kohlenwäsche
Gelsenkirchener Strasse 181
45309 Essen

Öffnungszeiten
Mo. bis So. 10:00 bis 18:00
Bis 03.02.19

Eintritt
7,00€ (erm. 4,00€)

Anfahrtadresse (Navi)
Fritz-Schupp-Allee 45141 Essen

ÖPNV
Straßenbahn Linie 107 (unter anderem ab HBF)
Haltestelle „Zollverein“  http://www.tom-striewisch.de/albert-renger-patzsch-auf-zollverein.htm

Katalog
Im Rahmen der Ausstellung erhält man den überzeugenden Katalog zur Ausstellung 10,00€ preiswerter. Er ist aber auch den vollen Preis von 39,80€ wert.


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Belichtung, Autofokus und Weißabgleich sind wichtig. Aber noch viel wichtiger ist ein interessantes Bild, das mit guter Gestaltung den Betrachter fesselt. Und genau darum geht es in meinem Fotokurs zu den Grundlagen der Bildgestaltung, den ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.

Du kannst diesen Blog teilen und abonnieren!

Mein Artikel hat Dir geholfen? Du willst ihn mit anderen teilen?
Prima!
Ich freue mich wirklich sehr, wenn Du meinen Artikel bei Facebook oder Twitter und Co. teilst. Vielleicht hilfst Du damit ja einem anderem Fotointeressierten, auch diesen Text zu finden.

Nichts verpassen!

Damit Du keine neuen Beiträge verpasst, kannst Du meinen Blog (natürlich gratis) abonnieren.
Über diesen Link kommst Du zum Aboformular "Auf dem Laufenden bleiben" . (Am Rechner oben rechts, am "mobilen Gerät" weiter unten.) Wenn Du dort Deine Email hinterlässt, erhältst Du jedes Mal eine Nachricht, wenn ich hier etwas Neues veröffentliche.

Meine anderen Berichte über Fotoaustellungen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.