Dokumentation über Willy Ronis

Illustration zu "Fernseher"

Bei solchen alten Röhrenmöhrchen waren die Animation von Standbildern und das Einzoomen ja evtl. noch sinnvoll. Aber die dürften mittlerweile Seltenheitswert haben.

Ich hatte völlig verpeilt, dass am Wochenende die Dokumentation über den französischen Fotografen Willy Ronis auf arte lief. Aber, dem Internet sei Dank, man kann so etwas mittlerweile ja oft auch noch einige Tage später sehen. (Link zum Film am Ende)

Willy Ronis hat im 20. Jahrhundert überwiegend in seiner Wahlheimat Paris gelebt und gearbeitet. Die Dokumentation über diesen Fotografen orientiert sich an seiner spannenden Lebensgeschichte. Als Dokumentarfotograf hat er das letzte Jahrhundert in Frankreich fotografisch begleitet und war dabei (als ein sein ganzes Leben lang überzeugter „Linker“) immer auf der Seite der kleinen Leute. 
Soweit so gut. (Wer mehr wissen will: Doku ansehen! Lohnt sich.)

Aber mir ist an dem Filmbeitrag eine Sache sehr negativ aufgefallen.
Es gibt im Bereich der Dokumentationen schon seit geraumer Zeit eine Tendenz, stehende Bilder, also auch Fotografien, filmgemäß aufzupeppen indem man sie nachträglich „belebt“.

Das ging schon vor vielen Jahren mit dem „Ken-Burns“-Effekt los, bei dem die Film- oder Fernsehkamera eine Art Kamerafahrt oder -schwenk über wechselnde Ausschnitte einer Fotografie macht und so versucht, das Standbild zu animieren.

Aus technischen Gründen war das früher wohl auch gerade beim Fernsehen nötig. Die vermeintliche Bewegung versteckt Unschärfen und andere Fehler. Und inder kleinen Auflösung klassischen Fernsehens gingen auch große Details der Bilder verloren.
Mit HD-TV sollte das aber vorbei sein.

Animationen MKII

Mittlerweile wird das aber sogar oft noch viel weiter getrieben. Die Bilder werden dazu quasi in verschiedene (Entfernungs-) Ebenen zerlegt und die Details in unterschiedlichen Entfernungen werden unterschiedlich schnell und stark animiert, während die Kamera über das Foto wandert. Dabei werden Details im Vordergrund (parallaxenrichtig) schneller bewegt als Details im Hintergrund.
Damit soll nicht nur Bewegung, sondern auch noch eine räumliche Tiefe suggeriert werden. Das Foto scheint plastisch zu werden.

Eine solche Art der „Aufpeppung“ des Materials mag bei anonymen zeitgenössischen Fotografien, die in einer Filmdokumentation in Ermangelung passenden Filmmaterials gezeigt werden, ja noch noch angehen. Einige Zuschauer scheinen heutzutage mit ruhigem, auch mal längere Zeit stehenden Bildern selbst in Dokumentationen überfordert zu sein und schalten sonst wohlmöglich ab.

Falscher Pepp

Aber wenn in einer Dokumentation über einen Fotografen dessen berühmteste Bilder auf diese Art zerlegt und dann pseudo-animiert werden, ist das aus meiner Sicht eine Frechheit. Schon ein einfacher Ken Burns Effekt ist da, je nach Gestaltung des Bildes, völlig fehl am Platz.

Und die Pseudodreidimensionalität durch diese „Parallaxenbewegung“ ist eigentlich immer viel zu viel. Es geht ja in der Dokumenattaion um einen Fotografen und gerade auch um seine Fotografien, die als stehendes Bild eine ganz andere Kraft entwickeln als ein Filmschnipsel. Ronis ist ja Fotograf und eben kein Filmer.

So etwas ist mir auch in anderen Beiträgen über Fotografen unangenehm aufgefallen, aber das war jetzt eindeutig einmal zu viel. Also: bitte, liebe Dokumentaristen, man muss nicht alles machen, nur weil es technisch möglich ist.

Ich warte ja nur darauf, dass in einer Dokumentation über Dali die Uhren animiert zerfliessen und die Schubladen auf und zu gehen. (Wobei, das hätte Dali wohlmöglich gefallen. ;-) )
Oder in einem anderen Beitrag die Mona Lisa mal freundlich blinzelt.
Bitte nicht!


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