Ausstellung „Schwarz-Weiß ist Farbe genug“

Illustration zu: "Ausstellung Barbara Klemm"

In der Ausstellung

In der Ludwiggalerie im Schloß Oberhausen sind seit knapp zwei Wochen in der Ausstellung „Schwarz-Weiß ist Farbe genug – Fotografien 1967 bis 2019“ Bilder der Fotografin Barbara Klemm zu sehen.
Hier meine ersten Eindrücke.

Zur Ausstellung

Es sind in erster Linie journalistische Arbeiten und Portraits aus einem entscheidenden Zeitraum der deutschen Nachkriegsgeschichte zu sehen. Von der Studentenbewegung, mit der Barbara Klemm ihren Einstieg in die professionelle journalistische Fotografie fand über die Brandt-Ära bis hin zur Wiedervereinigung und ihren Folgen sind hier viele wichtige Ereignisse dokumentiert.

Es ist aber nicht die Bedeutung der Ereignisse, die die Austellung so spannend macht. (Obwohl das alleine schon für den „nicht -Fotografieinteressierten“  durchaus ein schon alleine ein Grund für einen Besuch sein könnte.)
Das Besondere ist der spezielle Blick der Fotografin, die meist nicht das journalistisch übliche vermeintlich Repräsentative einer Begebenheit fotografiert.
Ich zitiere einen Text vonThomas Steinfeld aus der Broschüre zur Ausstellung: „Das Prinzip des knapp verfehlten Augenblicks verbindet sich bei Barbara Klemm mit einer Neigung zum Malerischen, die ihrerseits eine Folge des Ausweichens vor dem symbolischen Akt ist.“

Sie wählt den „sensationslosen Augenblick“, um einen verdichteten Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Und ihre Bilder weisen dabei nicht nur den genre-typischen Nachrichtenwert auf, sondern zeigen zum Teil eine in dem Zusammenhang unerwartete  gestalterische Tiefe.

Leonid Breschnew und Willy Brandt, Bonn, 1973 © Barbara Klemm

Neben der berichtenden Fotografie hat Barbara Klemm auch viele Künstler und kreativ arbeitende Menschen fotografiert. Diesen Bildern ist ein weiterer wichtiger Teil der Ausstellung gewidmet.
Auch diese Portraits von Heinrich Böll, Ernst Jünger, Golo Mann, Richard Serra, Neo Rauch, Joseph Beuys, Ingeborg Bachmann und vielen anderen weisen den typischen „konzentriert beiläufigen“ Blick auf das Geschehen und die Person auf.

Illustration zu " Andy Warhol, Frankfurt, 1981 © Barbara Klemm"

Andy Warhol, Frankfurt, 1981 © Barbara Klemm

Zur Fotografin

Barbara Klemm (Jahrgang 1939, ich wollte es, nachdem ich sie live erlebte, nicht glauben), ist als ausgebildete Fotografin über einen kleinen Umweg im Fotolabor und in der Klischeeherstellung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur freien und später (von 1970 bis 2005) festen Fotografin dieser Zeitung geworden.

Im Rahmen dieser Tätigkeit, aber auch mit freien Arbeiten hat sie politische und gesellschaftliche Ereignisse der noch recht jungen Bundesrepublik (Studentenbewegung, Willy Brandt-Ära), aber auch den Wandel der Wiedervereinigung (speziell auch in der DDR) dokumentiert.

Aufgewachsen in einem Künstlerhaushalt zeigen ihre Bilder eine deutlich sichtbaren Blick für die Bildkomposition, verbunden mit einem für die Reportagefotografie unverzichtbaren Interesse am abgebildeten Geschehen, egal ob es um Proteste, internationale politische Treffen, die Kunstszene oder das Leben der „Menschen auf der Straße“ geht.

Nicht umsonst erhielt sie neben vielen anderen Auszeichnungen wie dem „Dr.-Erich-Salomon-Preis“ im Jahr 2021 ganz in der Nähe von Oberhausen den „Internationalen Folkwang-Preis“.


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Belichtung, Autofokus und Weißabgleich sind wichtig. Aber noch viel wichtiger ist ein interessantes Bild, das mit guter Gestaltung den Betrachter fesselt. Und genau darum geht es in meinem Fotokurs zu den Grundlagen der Bildgestaltung, den ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.

Glück gehabt

Ich hatte das Glück, in die Pressekonferenz zur Ausstellung „hineinzurutschen“. Die Fotografin war selber anwesend und hat nach einem kurzen Statement der Organisatoren und einem Frage-Antwort-Teil persönlich durch die Ausstellung geführt.
Es war wirklich beeindruckend, wie sie zu fast jedem Bild eine kurze Erläuterung gab. Es gab so persönliche Informationen aus erster Hand zu den Hintergründen und Entstehungsgeschichten der Aufnahmen.
Sei es zum schon früh nach oben strebenden Joschka Fischer, zu ihrem Bild des „Bruderkusses“ oder wie sie es schaffte, in den Pressepool des Treffens Brandt-Breschnew zu kommen, um eine der Ikonen der deutschen Pressefotografie (s.o.) aufzunehmen.

Illustration: Leonid Breschnew und Erich Honecker beim 30. Jahrestag der DDR, Ost-Berlin, 1979 © Barbara Klemm

Leonid Breschnew und Erich Honecker beim 30. Jahrestag der DDR, Ost-Berlin, 1979 © Barbara Klemm

Auch das alltägliche der analogen Reportagefotografie (sie fotografiert bis heute auf Film, die Leica hing bei ihrer Führung durch die Ausstellung über ihrer Schulter) schilderte sie — so zum Beispiel die verpassten Momente, weil der Film gewechselt werden musste.
Oder, für heutige Fotografen nahezu unvorstellbar, wie sie nach einer Rede Kohls zum Dresdner Bahnhof eilte, um einen Passagier des Zuges nach Frankfurt zu finden, der für einen kleinen Obolus ihre belichteten Filme mitnehmen und zur Redaktion bringen würde (und es hat tatsächlich funktioniert).
Das Bild, dass drei Berliner Bürgermeister (Walter Momper, Dietrich Stobbe und Willy Brand) zeigt, die sich in einer Menschenmenge der Mauer nähern, konnte so nur entstehen, weil sie die Leiter von der Mauer herab nicht schnell genug erreichen konnte.

Um so etwas aus erster Hand zu erfahren, muss man natürlich Glück haben. Aber auch ohne die Erläuterungen der Fotografin lohnt sich ein Besuch der Ausstellung —sowohl für  fotografisch-gestalterisch Interessierte als auch für diejenigen, die eine kleine Zeitreise in die letzten Jahrzehnte unternehmen wollen.

Mein Fazit:
Hingehen und ansehen!

Wo?
Ludwiggalerie Schloß Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46 ∙ 46049 Oberhausen
https://www.ludwiggalerie.de/

ÖFFNUNGSZEITEN
Di bis So 11–18 Uhr, Mo geschlossen, feiertags geöffnet Oster- und Pfingstmontag geöffnet;
Die Ausstellung endet am 07.05.23

EINTRITT
8,00 €, ermäßigt 4,00 €, Familien 12,00 € Kombiticket mit dem Gasometer Oberhausen 15,00 €

FÜHRUNGEN
45,00 € plus 4,00 € erm. Eintritt/Person Schulführungen: 20,00 € plus 1,00 € je Schüler*in

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN
jeden Sonntag 11.30 Uhr kostenlos in Verbindung mit dem Museumseintritt

Kuratorinenenführungen:
mit der Direktorin Dr. Christine Vogt
Sonntag, 05.02.2023, 15 Uhr
Sonntag, 26.02.2023, 14 Uhr
Sonntag, 16.04.2023, 15 Uhr
Sonntag, 07.05.2023, 15 Uhr

ANFAHRT
mit dem Niederflurbus: ab Hbf Oberhausen Linie 956 Richtung Oberhausen Goerdelerstr. und Linie 966 Richtung OB Sterkrade Bf, Ausstieg Schloss Oberhausen;
mit dem Auto: A 42, Ausfahrt Oberhausen Zentrum, nach 200 m rechts oder A 40, Ausfahrt Mülheim Styrum, B 223 bis Schloss Oberhausen; Nähe Westfield Centro und Gasometer

ALLE INFOS UND BUCHUNGEN UNTER
0208 41249 28 | ludwiggalerie [at] oberhausen [dot] de

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Illustration Kaffeetasse

geschrieben/aktualisiert: / 09. Mai 2023

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