Wie kann man ein Feuerwerk fotografieren?

Dorffeuerwerk

Dorffeuerwerk

Fotografieren heißt (aus dem griechischen übersetzt) in etwa „mit Licht malen“. Und mit einem guten Feuerwerk werden mit Licht bunte Muster und Linien und Formen an den Nachthimmel gemalt. Was liegt also näher, als beides miteinander zu verbinden und ein Feuerwerk zu fotografieren. Da sich dabei die Beleuchtung aber ständig ändert, die Lichtquelle selbst das Motiv ist und das ganze auch noch nur kurz und im Dunklen stattfindet, ist es zu Anfang nicht so einfach. Wenn Du das zum ersten Mal machst, fragst Du Dich sicher: „Wie kann ich ein Feuerwerk fotografieren?“ Um Dir für Deine ersten Bilder etwas Hilfe zu geben, habe ich hier ein paar Tipps und Gedanken zum Thema Feuerwerksfotografie zusammengefasst. Es gibt jedes Jahr zu Silvester ein mehr oder weniger umkoordiniert ablaufendes Feuerwerk, da schießt jeder in der Luft, was er hat. Das mag zwar Spaß machen, ist aber schwieriger zu fotografieren, da alles wild durcheinander fliegt. Einfacher ist, ein klassisches Höhenfeuerwerk abzulichten. Dort folgen die einzelnen Raketen und Lichteffekte einer Choreografie, mit etwas Gefühl kann man den Rhythmus aufnehmen und sich darauf einstellen. Beim Silvesterfeuerwerk ist das viel schwieriger, da fliegen, zumindest in Wohnsiedlungen, ständig irgendwelche Effekte durch die Luft, die Ergebnisse lassen sich deshalb schlechter steuern und Du wirst ein bisschen auch auf das eigene Glück vertrauen müssen. Um dem Glück eine Chance zu geben, solltest Du vielleicht besser viele Bilder machen.


Feuerwerk Fototipps

Durch das eher chaotische des Silvesterfeuerwerks wirst Du einige der folgenden Tipps evtl. nur eingeschränkt nutzen können, aber evtl. hast Du im Sommer ja das Glück, ein richtiges Feuerwerk fotografieren zu können.

Standort

(Gestalterisch ist die Wahl des Aufnahmestandortes sehr wichtig, deshalb habe ich dazu etwas mehr zu sagen als zur eher einfachen technischen Seite.) Feuerwerk findet zwar im Dunkeln statt, aber oft kommt das Umfeld mit ins Bild, zumindest als Silhouette, evtl. aber auch richtig sichtbar. Deshalb ist es sinnvoll, dass Du Dir um den Standort schon frühzeitig Gedanken machst, damit das Umfeld und speziell der Vordergrund nicht dem Zufall überlassen wird. Du kannst so spiegelnde Flächen wie Wasser, Glasfassaden, feuchten Boden, Aurokarosserien etc. ins Bild einbeziehen. Ein „Freihand“ fotografiertes Feuerwerk kann interessant sein, meist gelingen stabil abgestützt  die besseren Bilder (erst recht, wenn Du das dunkle Umfeld mit einbezieht), Du wirst (die Kamera) also wohl auf ein Stativ setzen. Das ist in einer Menschenmenge aber eher hinderlich oder gänzlich unbenutzbar, das solltest Du bei der Standortwahl beachten. Der Rauch der Raketen wird nach und nach ein heller Schleier werden, der meist hässlich wirkt. Stell Dich besser so, dass der Wind den Rauch von Dir weg treibt. Wegen des Rauches sind auch oft die ersten Bilder des Feuerwerks die besten, das gilt gerade für Silvester, wo überall Rauch durchs Bild zieht. In vielen Städten ist es erlaubt, schon etwas vor Mitternacht zu feuern. Vielleicht opferst Du ein paar Raketen, um eine nicht verrauchtes Feuerwerksfoto zu bekommen. Zur Wahl des Standortes gehört auch die Eigensicherung, geh nicht zu nahe an Abschußplätze und sei vor allem mit Bodenbatterien vorsichtig.


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Vorbereitung

Denk nicht nur ans Stativ, sondern auch an den Fernauslöser (Draht oder Funk), und an Reserveakkus. Du wirst häufiger das Display brauchen und gerade im Winter geben die Akkus durch die Kälte noch schneller auf. Im Winter brauchst Du je nach Temperatur auch Handschuhe, mit denen Du die Kamera bedienen kannst und spätestens wenn Du zum Abschluss alles wieder einpacken musst, wirst Du froh darüber sein, eine kleine Taschenlampe mitgenommen zu haben.

Aufnahme

Du solltest Dich mit den grundlegende Einstellungen Deiner Kamera und dem Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit (ISO) auskennst. (Wenn Du das lernen willst,  dann lies meinen „Fotolehrgang im Internet„.) Du solltest auf RAW belichten, um bei der späteren Ausarbeitung der Bilder das beste Material zur Verfügung zu haben. Als Brennweite empfiehlt sich meistens ein Weitwinkel (ein leichtes Tele kann je nach Motiv aber auch sinnvoll sein) evtl. lohnt es sich auch, mit einem nach oben gerichteten Fisheye zu experimentieren. Die Entfernung sollst Du, falls möglich, von Hand einstellen, der Autofokus kommt mit dem Motiv meist nicht gut klar. Vorsicht, bei vielen modernen Objektiven kann man über unendlich hinaus drehen, probiere das lieber bei Tageslicht vorher aus und markiere/notiere die richtige Einstellung für das vermutlich unendlich weite entfernte Feuerwerk. Übrigens kann ein unscharfes Feuerwerksbild durchaus auch seinen Reiz haben. Probier es aus. Je nach Grundhelligkeit wirst Du mit  Blende 5.6 bis 8 (evtl. gar 11) und ISO 100 einen guten Startwert haben. Die Belichtungszeit wird nicht fest eingestellt, sondern Du steuerst Sie mit dem Fernauslöser von Hand im Modus B oder T. (Bei B bleibt der Verschluß solange offen, wie Du den den Auslöser gedrückt hälst, bei T dagegen öffnet sich der Verschluss beim ersten Druck und schliesst sich beim zweiten Druck.) Falls Du keine Einstellung für B oder T hast, kannst Du auch zum Beispiel auf 30 Sekunden stellen und  das Objektiv mit der Hand (früher nahmen Fotografen dafür Ihren Hut) abdecken. Wenn Deine Kamera das entstehende Bild während der Belichtung anzeigt, kannst Du dem Bild beim Werden zusehen und siehst, wann ausreichend viele Raketenspuren im Bild sind. Das können zur Zeit aber nur einige Modelle wie meine Olympus OM-D E-M1(*). Bei anderen Kameras musst Du Dich auf deine Erfahrung, Vorstellung und Glück verlassen. Geht aber auch. (Ergänzung 2016: Sehr praktisch ist die Funktion Light Composite, die einige der aktuellen Systemkameras von Olympus und Sony zur Verfügung haben. Dabei werden nach einer Grundbelichtung für die Umgebung nur die zusätzlichen Lichtspuren der Raketen aufgezeichnet. Mehr Infos hier.)

Bearbeitung

Hör lieber zu früh auf und mach mehrere Bilder, mit der Ebenentechnik der Bildbearbeitung kannst Du dann die einzelnen Raketenspuren einzelner Bilder aufaddieren. Diese Montage geht am einfachsten, wenn die Bilder überwiegend schwarz ist. Du musst dann für die einzelnen Ebenen in der Bildbearbeitung nur den Modus „aufhellen“ wählen. (Evtl. in allen Bildern vorhandene helle Vordergrunddetails und unerwünschte Spuren kannst Du noch per Ebenenmasken ausblenden.) Viel Spaß (und einen guten Rutsch, falls Du das zum Jahreswechsel liest).


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/ 09. Mai 2016