Makrofotografie extrem

Fokusstacking

Focusstacking

Beim gestrigen Stammtisch der Fotoschule-Ruhr kam das Gespräch auch auf Insektenfotografie. Ich habe in dem Zusammenhang von einem Film erzählt, der die extrem aufwendige Arbeitsweise des englischen Fotografen Levon Biss dokumentiert.
Er ist eigentlich Porträtfotograf, der sich auf Sportler spezialisiert hat. Zum Thema Insekten kam er, weil er ein fotografische Aufgabe zwischen den Aufträgen suchte, die er jederzeit für den Job unterbrechen konnte und die wenig Platz erforderte.
Er entwickelte eine sehr spezielle Mischung aus Aufnahme- und Ausarbeitungstechnik, die weit über das eher simple Focusstacking(1) hinausgeht, da er nicht nur den Aufnahmeabstand und die Fokussierung anpasst, sondern zusätzlich einzelne Details der Insekten auch speziell ausleuchtet.

Die Ergebnisse, die er damit erzielt, sind unglaublich detailreich und haben eine sehr klare Ästhetik.
Hier der Film:

(1)

Focusstacking

Gerade im extremen Nahbereich, aber auch bei besonderen Bildvorstellungen in der Landschaftsfotografie wünscht man sich eine größere Schärfentiefe als physikalisch möglich.

Abblenden
Natürlich kann man irgendwie immer noch etwas weiter abblenden, bezahlt das aber in der Regel mit einem allgemeinen Schärferückgang, der Beugungsunschärfe (siehe auch: Warum ich die Schärfentiefe anders berechne als Fuji, Olympus und Co.)

Tilt
Man könnte auch auf die alten „Tricks“ der Großformatfotografie zurückgreifen und die Schärfentiefe per „Tilt“ als Schärfekeil in den Raum legen. Das geht mit speziellen Objektiven auf mit DSLRs etc.
Aber auch da sind irgendwann, und speziell in der Makrofotografie recht schnell, die Grenzen des sinnvoll Machbaren erreicht.

Stacking
In so einem Fall kann man versuchen (zumindest bei wenig oder gar nicht bewegten Motiven) das Focusstacking einsetzen.
Dazu tastet man das Motiv nach und nach in vielen Einzelbilder mit je unterschiedlicher Fokussierung ab. Am einfachsten geht das, wenn dazu bei gleicher Fokussierung in kleinen Schritten der Aufnahmeabstand verändert wird, so dass von ganz vorne bis nach ganz hinten das Motiv mit der Schärfeebene der Einzelbilder abgefahren wird. (Dafür gibt es spezielle , auch automatisierte Aufnahmeschlitten.)
Es entstehen so  verschiedene Bilder des gleichen Motivs, die quasi immer nur eine Schärfeschicht repräsentieren. Ein immer weiter nach hinten (oder vorne) wandernder Bereich des Motivs ist jeweils scharf (und damit kontrastreich), der Rest ist mehr oder weniger unscharf (und damit kontrastarm)
Entweder kombiniert man nun diese Bilder von Hand per Ebenentechnik in der Bildbearbeitung oder man überlässt das der Software, die (oft erfolgreich) aus jedem Bild nur die Bereiche hohen Kontrastes (und damit hoher Schärfe) nutzt.
Das geht mit mathematischen Funktionen z.B in Photoshop und Gimp oder mit Spezialsoftware wie Combine Z.
Downloadseite: http://www.hadleyweb.pwp.blueyonder.co.uk
(Manchmal sehr langsam,lässt sich auch auf anderen Seiten laden ->google)

Manche Kameras bieten das mittlerweile als mehr oder weniger automatischen Prozess in der Kamera an.

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.