Wie man die Nik-Collection (immer noch) kostenlos erhält

Lesezeit: ca. 7 Minuten
Illustration zu "Silver Effex Pro 2 aus der Nik Collection "

Silver Effex Pro 2 aus der Nik Collection

(Video ergänzt am Ende) Angeregt durch einen Zeitungsbericht wollte ich einige Programme der Nik Collection nach längerer Zeit mal wieder ausprobieren.
Das klappte aber leider nicht, denn es war (wegen Betriebssystemwechsel?) eine neue Aktivierung nötig. Und den nötigen Lizenzschlüssel habe ich nicht mehr gefunden. Blöd!

Die Lizenz erneut zu bezahlen, das wollte ich natürlich vermeiden. Und es gab zum Glück ja auch eine Alternative.
Die Software wurde vor ein paar Jahren von Google erst „verramscht“ und dann sogar verschenkt. Diese kostenlose Version müsste ich doch jetzt nur aus dem Netz laden und installieren, der Funktionsumfang war ja so wie bei meiner gekauften Version.
Nur leider waren die nötigen Dateien nicht zu finden. Google hatte sie aus dem Netz genommen.
Aber ich hatte Glück…Doch schauen wir uns zuerst die Software und ihre etwas unruhige Geschichte an. 

Nik Collection, was ist das überhaupt?

Die Nik Collection ist eine früher recht kostspielige (und für damalige Verhältnisse sehr innovative und leistungsstarke) Sammlung spezieller Werkzeuge zur Veredelung digitaler Bilder.

Die ehemals deutsche „Softwareschmiede“ Nik entwickelte wohl ursprünglich Aktionen für Photoshop(*) . Um 2008 kamen dann die einzelnen Teile der Nik Collection auf den Markt, die für einen recht ordentlichen Preis (wenn ich mich recht entsinne deutlich über 500€) verkauft wurden und als Plugin für Photoshop und dann bald auch für  Lightroom(*) funktionierten. 2012 wurde Nik dann von Google übernommen.

Google war aber wohl eher am Imaging Know-How interessiert. Und man wollte wohl anscheinend Bildbearbeitungsfähigkeiten von Android optimieren und dazu speziell Snapseed, das ebenfalls von Nik Software stammt, verwenden. Die ursprünglichen Teile der Nik Collection spielten dann in den Planungen anscheinend keine große Rolle mehr.

Zuerst wurde die Collection deutlich preiswerter, man konnte sie für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises (knapp über 100€) erhalten. Und etwas später gab es  sie dann sogar für einige Zeit als komplett kostenloses Angebot.

Weiterer Entwicklung(!)

Nachdem Google das wohl nie sehr starke Interesse an der Collection verloren hatte, sollte sie einfach nicht mehr weiter entwickelt werden. So etwas kann durch Änderungen an den Betriebssystemen den schleichenden Tod einer solchen Programmgruppe bedeuten.

Mit DXO hat sich zum Glück eine Firma gefunden, die den Prozess aufhält und die Software weiterentwickeln will und auch wieder verkauft. 

Was gehört zur Nik Collection?

Die Nik Collection ist eine Sammlung verschiedener Bildbearbeitungsprogramme. Von einer „klassischen“ Bildbearbeitung wie Viveza (das mit seiner U-Point-Technologie eine ganz eigene Art der Steuerung besaß, die sehr intuitiv und einfach zu bedienen war) über diverse Spezialisten für HDR, Schärfen und Entrauschen (HDR Efex Pro, Sharpener Pro und Dfine), bis zum absoluten Spezialisten für die Schwarzweißumsetzung von Digitalbildern, Silver Efex Pro.
Ergänzt wurde das Paket um Analog Efex Pro. Damit konnte man sehr einfach und variantenreich mit Retrofiltern recht glaubwürdige Bilder im Vintagelook aus digitalen Aufnahmen erzeugen.
Gerade die beiden letztgenannten, Silver Efex Pro und Analog Efex Pro,  sind auch heute, 2019, noch sehr interessant und nur schwer mit anderen Programmen zu ersetzen.

Nachteile

Die Tool sind toll haben aber auch Einschränkungen. Damit ich die später nicht zu erwähnen vergesse, kommen die wichtigsten Nachteile hier direkt zu Anfang.
Die Nik Collection kann nicht mit RAW-Dateien umgehen.
Und die Arbeitsschritte sind  weder nachträglich anzupassen noch non-destruktiv.  Wenn man den weiter unten beschriebenen Trick mit den Smartebenen in Photoshop anwendet, dann kann man das aber umgehen.

Neue Version (und wo ist die kostenlose hin?)

Die erste neue Version der Collection, überarbeitet und ergänzt von DXO ist nun im Handel erhältlich. Und vor einigen Tagen habe ich in einer Computerzeitschrift einen Artikel darüber gelesen.
Kurzfassung: „Wer die alte Version noch nutzen kann, benötigt die neue nicht.“

Ich habe selber die Nik Collection vor vielen Jahren bei Google gekauft und so habe ich sie auch immer noch auf dem Rechner. Verwendet wurde sie aber nicht mehr so oft.
Dass ich sie in der Zwischenzeit nicht benutzt habe liegt nicht an der Qualität der Tools der Collection. Es waren für mich Problemlöser für bestimmte Aufgaben, die ich in anderen Programmen (in erster Linie Lightroom) gar nicht oder nicht so gut bzw. einfach lösen konnte.
Nun ist LR mit der Zeit deutlich leistungsstärker geworden und ich habe dadurch die Tools immer seltener eingesetzt.

Aber durch den Artikel angeregt dachte mir: Probier es doch mal wieder aus. Da gab es ja gerade für Schwarzweißumwandlungen ein paar wirklich gute Möglichkeiten. Dafür interessiere ich mich zur Zeit wieder ein wenig mehr.
Und manchmal helfen ja neue oder ungewohnte Werkzeuge auch dabei, einen neuen Blick auf Vorgehensweisen zu bekommen. 

Wie schon geschrieben, die Reaktivierung der Nik Collection war „dank“ fehlenden Lizenzschlüssels en Schuss in den Ofen. Na gut, kein Problem (so dachte ich zumindest) dann lade ich doch einfach die kostenlose Version aus dem Netz.
Aber Pustekuchen, bei Google ist die kostenlose Version nicht mehr zu finden, die Webseite zeigt ins Leere bzw. zur Kaufversion der Nik Collection bei DX0. Bei Google hat man anscheinend alles gelöscht, nachdem DXO die Software übernommen hat.
Und DXO will natürlich die neue Version verkaufen. Aber dafür wollte ich (zumindest zum jetzigen Zeitpunkt und nur „um mal zu schauen“) kein Geld ausgeben.

Also: Dumm gelaufen. (Lerne: „Lizenzschlüssel immer(!) sichern.„)

Die Lösung

Aktualisiert:
Ich habe nicht intensiv genug gesucht, die hier ursprüngliche aufgeführte Download-Lösung ist zu umständlich. Mittlerweile habe ich von Marco R. einen einfacheren Weg genannt bekommen (Danke!)

Direkt auf der Seite von DXO kann man anscheinend unter https://nikcollection.dxo.com/nik-collection-2012/ die Software (im Tausch gegen die eigene Emailadresse) laden.

Den langen Weg über die Waybackmachine lasse ich jetzt hier trotzdem stehen, der eine oder andere möchte ja vielleicht nicht seine Emailadresse bei DXO hinterlassen. [Außerdem bin ich stolz darauf, meinen Weg gefunden zu haben. ;-) ]
Wenn Dich das nicht interessiert, kannst Du auch direkt weiterspringen zur Überschrift „Installation

 

Bis ich dann auf die Idee mit der WayBackMachine  (archive.org) kam.
Unter https://archive.org findet man die WayBackMachine und kann dort aus einem riesigen Archiv alte Versionen von Internetseiten aufrufen.
Und in dem Archiv gab es tatsächlich noch die alten Google Seiten zur kostenlosen Version der Nik Collection.

Aber der Downloadlink „Herunterladen“ schien tot zu sein. Der Text hatte keine Kennzeichnung als Link, keine Mouse-Over-Reaktion, keine eingeblendete URL. Das darf doch nicht wahr sein, so kurz vorm Ziel. 

Ich habe dann aber einfach trotzdem auf den Text „Herunterladen“ geklickt und tatsächlich, es öffnete sich ein Auswahl-Fenster „Windows“ und „Mac“. Ich konnte die kostenlose Mac-Version laden und installieren. Läuft.

Erst „Herunterladen“ anklicken, dann kannst Du den Download für Dein Betriebssystem starten

Für Windows konnte ich die Installationsdatei ebenfalls laden, ich weiß aber nicht, wie weit sie auf aktuellen Windowsversionen noch läuft. Unter Windows 7 funktionierte es, ob es unter 8 oder 10 geht weiß ich nicht. (Du hast es erfolgreich ausprobiert? Schreib es bitte in die Kommentare.)

Du findest die alte Website von Google mit dem ein wenig versteckten Link zum Download unter https://web.archive.org/web/20170101193113/https://www.google.com/intl/de/nikcollection/

Dort klickst Du „Herunterladen“, wählst Dein Betriebsystem und wartest, bis der Download fertig ist. Das kann dauern, die Exe-Datei hat ca. 450MB, die Apple-Version 630Mb.

Waybackmachine?

Die WayBackMachine von Archive.org ist eine großartige Möglichkeit, um sich alte Versionen von Websites anzuschauen. Du kannst hier wirklich alte Schätzchen finden und es ist erstaunlich zu sehen, wie manch Websites damals anfingen. Manche Einträge gehen dabei bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück.

Wenn Du Lust hast, findest Du dort auch eine sehr alte Version meines kostenlosen „Fotolehrgang im Internet„.
Bei der WayBackMachine gibt es zwar war nicht die älteste Fassung von 1995 (die war damals ja noch zum Teil bei AOL und zum Teil bei Compuserve gehostet). Aber das Gedächtnis reicht  immerhin zurück bis zum Jahr 2003.
Diese Version funktioniert aber leider, wenn überhaupt, nur mit abgeschaltetem Javascript. (Damals musste ich mich gegen Internetpiraten wehren, die den Inhalt der Seiten auf Ihre URLs entführen wollten.)

Mit der „WayBackMachine“ kannst Du Dir auch andere historische“ Websites ansehen. Wenn Du den mit einem roten Kringel markierten Eingabebereich für URLs und Suchbegriffe zur WayBackMachine nicht siehst, musst Du zuerst den markierten Button ganz links auswählen.

Legal?

Die urspüringliche Erklärung von Google zur kostenlosen Version der Nik Collection ist immer noch zu finden.

Ob das legal ist?
Keine Ahnung, ich bin kein Rechtsanwalt.  [ Zum Glück! ? ;-) ]

Aber in der WayBackMachine ist ja neben der Software auch immer noch die ursprüngliche Freigabe von Google zur Nik Collection zu finden.
Und wenn diese Version damals frei war, warum nicht auch heute.

Wenn Dir das für ein legales Gefühl nicht reicht, musst Du halt die Finger davon lassen.

Installation

Nach dem etwas umständlichen Suchen und dem Download ist die Installation dagegen regelrecht simpel.
Aber eins ist wichtig: Du solltest vorher eine evtl. geöffnete Bildbearbeitung (Lightroom, Photoshop, Photoshop-Elements u.a.) schließen, damit die Plug-Ins (nach Abfrage) in den Programmen automatisch zur Verfügung stehen. Dann musst Du die Plug-Ins den Programmen nicht mehr später zuweisen.

Starten

Aufrufen kannst Du die Tools der Collection dann aus den verschiedenen Bildbearbeitungen. Empfehlen würde ich Dir dafür den Weg des Bildes am besten vom RAW als 16-Bit-Tiff oder PSD-Datei von Lightroom(*) nach Photoshop(*) .

Direkt starten ist hingegen eher sinnlos. Da die einzelnen Werkzeuge der Nik Collection als Plug-Ins konzipiert sind, fehlt ihnen eine echte Menüleiste. Man ruft sie halt aus den Wirtsprogrammen wie zum Beispiel Photoshop oder Lightroom heraus auf, indem man einem Bild eine Bearbeitung mit den Tools zuweist.

Illustration zu "Silver Effex Pro 2 aus der Nik Collection "

Silver Effex Pro 2 aus der Nik Collection

Die grobe Gliederung der Oberfläche ist eigentlich bei allen Tools gleich, auf der linken Seite sind in erster Linie Presets zu finden, auf der rechten Seite sind dagegen die Steuerungsmöglichkeiten für einzelne Werte.

Illustration zu: "In Photoshop Silver Efex Po2 besser als Smartebene anwenden"

In Photoshop Silver Efex Po2 besser als Smartebene anwenden

Wenn Du ein Bild aus Lightroom an Photoshop weiter gegeben oder ein Bild direkt in Photoshop geöffnet hast, solltest Du als erstes die Hintergrundebene duplizieren und die neue Ebene in eine Smartebene umwandeln — und erst diese dann bearbeiten.

Auf diese Art  kannst Du später, wenn Deine Bearbeitungswünsche sich evtl. geändert haben, von Lightroom aus das Bild in Photoshop öffnen und dort in der Smartebene die Filterwerte einfach weiter arbeiten.

 

Illustration zu "In Photoshop Silver efex Pro 2 starten"

In Photoshop Silver efex Pro 2 starten

Vorsicht: Wenn Du das Bild aus Lightroom heraus direkt an die Nik Collection übergibst, musst Du dagegen, falls Deine Meinung sich geändert hat, neu mit der Ausarbeitung in der Nik Collection beginnen.
Das gilt auch, wenn Du in Photoshop auf die Smartebene verzichtest  

Illustration zu "Silver Efex Pro 2 aus Lightroom starten"

Silver Efex Pro 2 aus Lightroom starten

 

Verwenden (Tutorials)

Zur Verwendung der Nik Collection gibt es nach so vielen Jahren natürlich einen großen Haufen Tutorials und Videos. Und wie das dann bei so großen Haufen ist, es gibt solche und solche. ;-). [Siehe auch meinen Blogbeitrag zum Thema schlechte Tutorials.]

Da wirst Du Dich selber umschauen müssen. Evtl. passen ja die Beiträge von Michael Frede bei FotoTV(*) zum Thema Nik Collection für Dich. (Bei FotoTV kannst Du Dir, nach kostenloser Registrierung, bis zu fünf Filme kostenlos ansehen. Mehr gibt es dann nur, wenn Du zahlender Abonnent wirst.)

Verwenden (Grundlagen) 

Die Nik Collection hat von Anfang an auf (zumindest zum Teil) sehr guten Vorgaben aufgebaut, die mit den verschiedenen Plug-Ins mitgeliefert wurden. Das macht das Arbeiten erst einmal simpel, aber natürlich kannst Du auch in die Presets eingreifen oder auch eigene, neue Vorgaben gestalten.

Dabei steht Dir unter anderem die U-Point Technik zur Verfügung, die eine Art intelligenter, auf Wunsch lokal begrenzter, Einstellungseben darstellt. (Dem ein oder anderen eventuell auch bekannt von Nikon Capture, das in einer älteren Version auch von Nik Software stammt.)
U-Points erscheinen zu Anfang sehr komplex, aber eigentlich ist das recht einfach.

Bei mir wurden sie aber durch die Einstellungspinsel von Lightroom verdrängt. Beide Werkzeug unterscheiden sich zwar in der Arbeitsweise, sind aber für ähnliche Aufgaben gerüstet. Und da ich in LR die Einstellungspinsel direkt zur Verfügung habe, sind die U-Point Kontrollpunkte für mich nicht mehr so wichtig gewesen.

Und neben den üblichen Reglern u.a. für Helligkeit, Kontrast und Sättigung gibt es einige sehr clevere Lösungen zum Beispiel zum Betonen der Strukturen im Bild.

Probier es aus, es kostet ja nichts. ;-)


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Der Umgang mit der RAW-Entwicklung, speziell Lightroom, aber auch andere Themen wie Ebenen und Ebenenmasken sind ein wichtiger Teil meiner Kurse zu den Grundlagen der Bildbearbeitung, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.


Video

Weil ein paar Nachfragen kamen, habe ich ein Video zu Download, Installation und auch ersten Schritten mit der Nik Collection (Silver Efex Pro2) veröffentlicht.
Viel Spaß!

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Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)


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