Welches Objektiv für Fashionblogger?

Abbildung eines langbrennweitigen Zoomobjektives

Braucht man wirklich so ein großes Objektiv als Fashionblogger?

Am Wochenende erreichte mich die Frage eines Lesers meines „Fotolehrgang im Internet„. Er ist ein angehender Fashionblogger und möchte wissen, wie er mit seiner Canon 750D DSLR starke Unschärfen im Bildhintergrund erreichen kann.
Reicht dafür ein 50mm 1.8(*)?
Oder benötigt man was anderes.
Er hat nicht viel Geld und deshalb habe ich  das ganze mal etwas aufgedröselt und im Fragenbereich des Fotolehrgangs ausführlicher beantwortet.
Einige der Tipps sind aber vielleicht auch allgemein interessant, deshalb fasse ich diese hier zusammen.

Das größte Optimierungspotential befindet sich in der Fotografie in der Regel drei Zentimeter hinter dem Sucher. „Equipment“ dagegen hilft oft nur bei sehr konkreten Problemen.
Und mit etwas Kreativität und ein bisschen Überlegung kommt man gelegentlich zu alternativen und manchmal auch besseren Lösungswegen.
Sehen wir uns im Folgenden mal die Möglichkeiten an.

Meine Tipps, um mit störenden Hintergründen umzugehen:

  • Suche Dir weit entfernte Hintergründe. Wenn der Hintergrund sehr weit entfernt ist, wird er auch bei kürzeren Brennweiten oder kleineren Blendenöffnungen unschärfer wirken. Wenn Du da ein bisschen Kreativ bist, lässt sich einiges tricksen.
  • Gerade der direkte Hintergrund hinter dem Model, zum Beispiel der Weg, auf dem es steht, ist oft noch zu scharf und stört so. Aber Du kannst dagegen etwas machen.
    *Stell das Model höher, auf eine Mauer oder oben auf eine Treppe.
    *Nimm einen tiefen Aufnahmestandort ein (Froschperpsektive.)
    *Lass Dein Model nach oben ins Bild springen.
    Mit diesem Methoden kannst Du den direkten, noch zu scharf wirkenden Hintergrund aus dem Bild ausblenden. Es ist dann nur noch der, im direkten Vergleich stärker unscharf wirkende, weit entfernte Hintergrund im Bild.
  • Arbeite mit Licht, ein anders beleuchteter Hintergrund (Model im Licht und Hintergrund im Schatten – oder umgekehrt) Durch die unterschiedliche Beleuchtung wirkt der Hintergrund weiter entfernt und Du kannst ihn sogar in dunklen Schatten oder oder ausgefressen Hellen verschwinden lassen.
  • Das gilt auch für die Lichtfarben. Ein warm beleuchtetst Model trennt sich toll von einem kühlen Hintergrund. (Straßenlaterne oder kleiner Blitz mit Gelbfolie zur blauen Stunde)
  • Versuch mal was anderes, spanne eine große Plane (oer auch transparente Abdeckfolie aus dem nächsten Baumarkt) hinter dem Model.
  • Arbeite mit Accessoires oder Tieren, dann wird der Hintergrund nebensächlich.
  • Ein guter Hintergrund stört auch dann nicht, wenn er scharf abgebildet ist. Wenn Du unterwegs bist, auch ohne Kamera, such nach solchen Hintergründen in Deinem Umfeld, mach Dir eine Liste (mit den jeweils besten Tageszeiten).
  • Erzähl eine interessante Geschichte, lass Dein Model mit dem Hintergrund agieren. Was könnte kurz vor dem Foto passiert sein? Oder was wird direkt danach passieren.
  • Such Dir Models, die mehr sind als gutaussehende Kleiderständer. Die Ausstrahlung, die Persönlichkeit, kann wichtiger sein als die Freistellung.

Allgemeine Hinweise

Mach Dich generell unabhängig von dem, was andere machen. Heb Dich von den anderen ab, indem Du anders fotografierst als sie, die Fotos auf Deine Art machst und Deinen Weg gehst.

Ich weiß, hört sich blöd an, wenn man eigentlich ein Objektiv kaufen will, aber Beschränkung fördert tatsächlich die Kreativität.

Und nur dadurch wirst Du zu dem Fotografen, der in Dir steckt.

Nimm die Herausforderung an, ansonsten wirst Du nur einer von vielen sein.

Den kompletten Text findest Du hier im Fotolehrgang im Internet


P.S.: An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen:
Der gekonnte kreative Umgang mit der Schärfentiefe ist ein wichtiger Teil meiner Fotokurse zu den Grundlagen der Fotografie. Und der Umgang mit solchen Herausforderungen und dem Thema Geschichten erzählen ist Teil meines Kurses zu den Grundlagen der Bildgestaltung.


(*) Dies ist ein sogenannter Affiliate Link. Wenn Du hierüber etwas kaufst, erhalte ich eine paar Prozente, ohne dass Du deshalb mehr bezahlen musst. Klassisches Win-Win also.
Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)

/ 15. Nov 2016

Ein Gedanke zu „Welches Objektiv für Fashionblogger?

  1. Martin Kleinheinz

    Hallo Herr Striewisch.
    Beim Lesen dieses Artikels merkt man sofort, dass Sie wissen wovon sie Schreiben und ein Fachmann sind.
    Danke für die vielen hilfreichen Informationen auf Ihrer Website.
    Besonders Ihren letzten Tipp in diesem Artikel kann ich zu 100% unterschreiben.
    Ein gutes Modell macht mehr her als ein Objektiv mit extrem offener Blende.
    Viele Grüße!
    Martin Kleinheinz

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.