Winterzeit – Fotografieren bei (zu-) wenig Licht

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Illustration zu "An Weihnachten fotografieren"

An Weihnachten fotografieren

Weihnachtszeit! 
Der eine oder andere wird demnächst bei den anstehenden Familienfeiern fotografieren (dürfen? müssen?).
Und da es zu dieser Jahreszeit meist dunkel ist, muss ein Blitz her.
Wirklich?
Nein, nicht unbedingt!
Versucht es ruhig einmal mit höherer Empfindlichkeit. Einigermassen aktuelle Kameras machen auch bei ISO-Werten von 1600, 3200 oder gar 6400 noch ganz annehmbare Bilder.
In der 100% Ansicht sieht man dann zwar tatsächlich mehr oder weniger starkes Rauschen, aber da man die Bilder meistens nicht aus so kurzer Distanz ansieht, leitet dieser Eindruck oft in die Irre. Im späteren Bild im Fotobuch oder bei Oma an der Wand ist das gar nicht so schlimm.
Der Verlust der Stimmung im Bild durch „unsachgemässes“ Blitzen ist da meist viel schlimmer als die Beeinträchtigung der Bildqualität durchs Rauschen.
Macht einfach mal ein paar Testbilder mit unterschiedlich hohen Empfindlichkeiten und druckt diese in „üblicher“ Größe aus. Ihr werdet sehen, das Rauschen ist hinterher meist gar nicht so schlimm, wie man befürchtet.

Illustration zum Stabilizer

Der Stabilizer sitzt bei Canon im Objektiv

Wenn Ihr die Testbilder aufnehmt, könnt Ihr auch gleich mal ausprobieren, wie der „Stabilizer“ an Eurer Kamera oder Eurem Objektiv funktioniert (sofern vorhanden) und wie lange Ihr (mit oder ohne Stabi) noch aus der Hand fotografieren könnt ohne (sichtbar) zu verwackeln.
Probiert das mal für die unterschiedlichen Brennweiten aus, indem ihr in der Zeitvorwahlautomatik (TV, T oder S) oder in der manuellen Belichtungseinstellung längere Belichtungszeiten vorwählt und dann damit fotografiert. Gemäßigte Weitwinkel erlauben da durchaus 1/15tel oder länger, erst recht mit Stabilizer.
Das gilt natürlich nicht für wilde Parties, da würden durch die tanzenden Menschen längere Belichtungszeiten zu starken Bewegungsunschärfen führen. Die kann der „Stabi“ nicht verhindern. Aber bei einer ruhigen Familienfeier mit konzentriert mit den Geschenken spielenden Kindern sieht das wieder anders aus.  

Lichtstarke Objektive die große Blendenöffnungen erlauben können bei wenig Licht natürlich sehr hilfreich sein, erlauben sie doch kürzere Belichtungszeiten und niedrigere ISO-Werte. Aber woher nehmen?
Mein Tipp: Schenken lassen! ;-)

Sie sind aber keine Universallösung, denn die großen Öffnungen führen zu – eventuell unerwünscht – kleinen Schärfentiefebereichen.
Ihr werdet das ausprobieren müssen.
Und das macht Ihr besser vor dem „Ernstfall“!

Weißabgleich

Ein anderes Problem ist die künstliche Beleuchtung, an der heutzutage nicht nur Glühlampen und Kerzen, sondern auch alle möglichen anderen Lichtquellen beteiligt sind.
Da wird dann das Thema Weißabgleich interessant.
Den Weißabgleich solltet Ihr wegen der vielen verschiedenen Lichtquellen ruhig auf Automatik stellen. Wenn Ihr mal länger in der gleichen Lichtsituation bleibt, könntet Ihr natürlich auch einen manuellen Weißabgleich vor Ort machen. 
Auf keinen Fall solltet Ihr aber vergessen, zwischendurch immer mal wieder ein Testmotiv zu fotografieren, zum Beispiel weißes Kopierpapier aus dem Drucker oder vielleicht sogar eine echte Graukarte ( vielleicht gibt es die ja als Weihnachtsgeschenk? ;-) ).
Dann habt Ihr später in Lightroom (oder ….) eine Referenz für die Weißabgleichspipette. Und keine Sorge vor der Software, nachträglicher Weißabgleich geht einfacher als man denkt. ,-) 

RAW

Tut Euch einen Gefallen und fotografiert auf jeden Fall mit RAW (von mir aus auch mit zusätzlich parallel erzeugtem JPEG).  Kostet zwar Speicherplatz, aber zur Not kauf Dir vorher noch eine größere Speicherkarte, die sind mittlerweile echt preiswert. Oder lass Dir eine zu Weihnachten schenken. ;-)
Es wäre jedenfalls blöd, eine teuer Kamera zu kaufen und dann wegen 30,00 Euro für die Speicherkarte an der möglichen Bildqualität zu sparen.

Nehmt das mit dem Weißabgleich aber nicht zu wissenschaftlich, es geht nicht so sehr um die messtechnisch richtige Einstellung, sondern viel mehr um die Stimmung.
Weihnachtliche Innenaufnahmen dürfen gerne etwas mehr Wärme haben, also einen Weißabgleich leicht in Richtung Gelb-Orange verschoben.
Der winterliche Schnee darf dagegen auch etwas bläulicher (kälter) wirken. (Deine Schneefotos werden zu dunkel?)

Blitzen

Wenn Ihr aber tatsächlich blitzen müsst (z.B. wegen schneller Bewegungen der Menschen um Euch herum oder weil es einen Blitz vom Christkind gab), dann übt das vorher, am besten (für Eure „Opfer“) ohne Menschen.
Für meine kompakten Abendkurse zum Thema  „Aufsteckblitz“ habe ich extra ein blitzresistentes Modell, eine Schaufensterpuppe. Die sind zwar gar nicht so teuer, aber für ein paar Übungsbilder ist das evtl. doch etwas übertrieben. 
Macht Euch einfach selber ein „Testmodel“. Mit einem Besen, den Ihr mit der Bürste nach oben an einem Stuhl festbindet. Über die „Schultern“ (die Bürste) legt Ihr einen Mantel und krönt das Ganze dann mit einem Eimer. Voila, ein nahezu menschliches Blitztestmodel. ;-)
Und nun versucht mal ein paar Einstellungen beim Blitzen auszuprobieren. Speziell z.B. die Leistung automatisch oder manuell zu reduzieren.
(Es gibt in diesem Blog noch zwei Texte zum Thema Blitzen von mir, die Euch weiterhelfen können.)

Blitztipp 1: indirekt

Das erste und zugleich wichtigste (für den Blitzeinsteiger): Wenn immer möglich, blitze indirekt!
Mit den fest eingebauten Blitzten geht das meist nicht und selbst wenn es geht, ist der kleine Blitz oft zu schwach.
Viel besser geht indirektes Blitzen mit einem Aufsteckblitz.
[Der muss nicht unbedingt teuer vom Originalhersteller sein, ich habe ganz gute Erfahrungen mit Yongnuo-Blitzen(*) (für Canon und Nikon) und Nissin(*) (für Olympus) gemacht.]

Die meisten dieser Aufsteckblitze kann man heutzutage drehen und neigen. So könnt Ihr den Blitz auf eine weiße (besser: farblich neutrale, das ist wichtig) Zimmerdecke oder -wand richten.

Auf diese Art bekämpft Ihr dann gleich drei typische Probleme, die beim Blitzen auftreten. Die harten Schlagschatten, die roten Augen und den unschönen Helligkeitsabfall, der vorne für überstrahlte Geister und im Bildhintergrund für schwarze Löcher sorgt.
Aber wichtig: vorher ausprobieren!


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Blitztipp 2: Synchronzeit

Stellt die Kamera beim Blitzen ruhig mal auf eine längere Belichtungszeit.
Das geht bei vielen Kameras nur in der manuellen Belichtungseinstellung oder in „AV“.
Der Blitz wird dadurch fast gar nicht beeinflusst, aber das vorhandene Licht kann sich besser auswirken.
Natürlich steigt so die Verwacklungsgefahr. Aber der kurz leuchtende Blitz friert die Objekte/Menschen im Vordergrund ein und der durch die weiter geöffnete Blende eh etwas unschärfere Hintergrund kann ruhig ein wenig verwackelt sein, das sieht trotzdem oft besser aus, als wenn er in Schwarz versäuft.
Und wenn im Hintergrund (am besten viele kleine) Lichtquellen sind, können diese dem Bild nochmal einen besonderen Effekt verleihen.

Das hier detaillierter zu erklären, würde den Rahmen dieser Email sprengen. Ihr könnt die Grundlagen aber gerne in meinem kostenlosen „Fotolehrgang im Internet“ im Kapitel „Zubehör“ nachlesen.
Oder Ihr kommt zu meinem Abendkurs zum Thema „Kompaktblitz“. Da geht es während der ersten Stunde um die Grundlagen beim Blitzen und danach werden wir (besser: Ihr, ich helfe Euch dann) zwei Stunden lang die verschiedenen Einstellungen und Möglichkeiten ausprobieren.
Der nächste Termin ist aber erst nach Weihnachten am 8. Februar (Donnerstag, Abendkurs).
Infos unter http://www.fotoschule-ruhr.de/kompaktblitz.php ,vielleicht lasst Ihr ihn euch ja noch schenken. ;-)

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Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)

/ 29. Dez 2017

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