Meine Eindrücke von der Photokina 2016

VR Kino auf der Photokina 2016Vor einer Woche endete die Photokina, das ist mittlerweile genügend Abstand für ein kleines Resümee.
Natürlich gab es wie immer viele neue Kameras, viel Zubehör und auch viel Schnickschnack.
Diese Jahr war das Leitthema der Messe VR. Und so waren natürlich sehr viele VR-Kameras (für Standbild und Video, zum Teil auch für 3D) und auch jede Menge VR-Brillen zu sehen.  (Mehr dazu weiter unten.)
Natürlich gab es einen Haufen neuer Kameras zu sehen, Olympus, Canon, Nikon, Leica, Fuji, Sony, … – Du wirst das schon zur Genüge an anderer Stelle gelesen haben.
Diese neuen Geräte interessieren mich an der Photokina aber meist eher weniger. Eigentlich kümmere ich mich darum nur, wenn sie mir bei der Lösung von Aufnahmeproblemen helfen. Da war dieses Jahr nicht so viel spannendes dabei, deshalb wirst Du hier auch nicht viel dazu lesen.
Spannender finde ich da schon die kleinen Aussteller für neues (oder altes) Zubehör. Aber es gibt keine Garantie, die an den vielen kleinen Ständen aus aller Welt, speziell dem fernen Osten, auch wirklich zu finden.
Noch viel mehr interessieren mich die Begegnungen mit anderen Menschen, das ist eigentlich neben den Ausstellungen  die Hauptattraktion auf der Messe für mich. Ich treffe dort befreundete Fotografen (Profis und Amateure), andere Fotolehrer, Leser meiner Bücher, neue Zufallsbekanntschaften, die ich auf der Messe mache, kurz: nette Menschen. Für mich ist das ähnlich wie ein kleines Stadtteilfest, wo einem dann auch Leute begeben, die man manchmal lange nicht gesehen hat und wo man auch den ein oder anderen kennenlernt.
Dieses Jahr hatte ich nicht nur „Freizeit“, sondern,wie fast jedes mal, auch wieder einen beruflichen Einsatz auf der Photokina,  diesmal ein kleiner Auftritt auf der Bühne (und im Photokina-Livestream) von FotoTV.
Auch dabei ging es um das Thema VR, speziell um den Bereich Kugelpanorama und VR-Präsentation.

VR

VR hat sehr viel mit dem Stichwort „Kugelpanorama“ zu tun, einem Thema, das mich seit 1999 interessiert. Meine ersten eigenen Bilder dieser Art habe ich damals unter anderem mit QuicktimeVR(!) präsentiert. So richtig neu ist das Thema also nicht. ;-)
(Siehe auch meinen VR-Rundgang auf der FotoTV -Bühne der Photokina 2014)

VR-Brille a la Googles Cardboard

VR-Brille a la Googles Cardboard

Aber auch wenn (oder weil) es nicht neu ist, wird es anscheinend für immer mehr Hersteller sehr interessant. Auf der Photokina waren dazu viele, auch kleinere Anbieter mit zum Teil pfiffigen, zum Teil eher abstrusen Lösungen für Aufnahme und Wiedergabe zu sehen.. Aber auch die Großen im Photobusiness waren dabei, natürlich präsentierte Ricoh auf ihrem Stand die (nicht mehr ganz) neue Thtea S. Und Zeiss zeigte eine neue, wirklich gute VR-Brille. Selbst bei Nikon war das Thema präsent, es wurde eine VR-Kamera für sphärisches 360°-Video, die KEYMISSION 360, vorgestellt.

Wie wichtig VR in der Zukunft sein wird, muss sich aber sicher erst noch zeigen, ich bin da ein wenig skeptisch. (Ich werde dazu vermutlich noch einen eigenen Blogbeitrag in der nächsten Zeit verfassen.)

Was war (anders)?

Ich habe die Photokina schon oft besucht, das erste Mal muss wohl 1988 gewesen sein. Damals, während meines Fotografiestudiums, noch mit einer reduzierten „Studenten-Karte“. Das sind seitdem eine ganze Menge Messebesuche. ;-)
Früher gab es noch riesige Stände von Agfa und Kodak. Und Rollei verkaufte Profikameras. Eine ganze Halle war voller Vergrößerer und viele verschiedene Kornscharfsteller und Zeitschaltuhren wurden vorgestellt.
Doch natürlich (glücklicherweise!) gab es über die Jahre beständige Veränderung. Und auch 2016 haben sich einige Sachen geändert.
So ist die große Weltkugel an der Treppe zur Passage zwischen Halle 4 und 5  verschwunden. Das war seit einige Messen eine feste Institution für eine kleine Pause für mich. (Hier ein Panorama von damals.)
Die Weltkugel sah nicht nur nett aus, sie animierte auch Herrscharen von Besuchern dazu, sich wie Atlas mit erhobenen Armen aufzubauen und die Erdkugel zu stemmen, das waren eine Menge netter Fotomotive. Sie war dadurch fast so etwas wie der schiefe Turm der Photokina. Irgendwie schade drum.
Und noch ein paar alte Bekannte waren verschwunden, die Greifvögel auf der „Piazza“. Sie waren ein ideales Ziel für Autofokustests und die verschiedenen auf der Messe vorgestellten Spektive.
Diesmal war auf der Piazza ein „Walking Act“ unterwegs, der aber aus meiner Sicht kein vollwertiger Ersatz war.



Bei California Sunbounce gab es in diesem Jahr keine Kiste mit frischen Äpfel mehr (oder sie waren schon weggefuttert, als ich vorbei kam). Dafür gab es bei Cewe eine zwar deutlich kleinere, dafür aber vermutlich immer wieder nachgefüllte Schale mit Äpfeln für die Besucher. Der Snack zwischendurch war also gesichert. ;-)

Diese Photokina war (wieder?) kleiner als die letzte, zumindest kam es mir so vor. Früher war zum Beispiel die Halle 1 annähernd komplett gefüllt, vorne waren die Produkte von Leica, hinten war die große Ausstellung, von Leica organisiert. Dieses Jahr waren die Produkte in Halle 2 und die Ausstellung füllte nur einen Teil von Halle 1.

Noch was?

Es gab weniger nackte Haut. Schon bei der letzten Photokina kam es mir so vor, dass weniger nackte Mädels und dafür mehr Fachvorträge angeboten wurden. Und die Tendenz hat sich anscheinend fortgesetzt. Prinzipiell prima, aber ich befürchte, dass das nicht an der Einsicht der Werbetreibenden liegt, sondern auch daran, das wir eine immer prüdere Gesellschaft werden.

Eine Ausstellung auf der Photokina 2016 in der Halle 1Eine Ausstellung auf der Photokina 2016 in der Halle 1

Vorträge und Auusstellungen

Ausstellungen und Fachvorträge, das waren Highlights. Zum Teil war es schon fast etwas zuviel mit den um Aufmerksamkeit buhlenden Experten – in Halle 9 hatte ich an einer Stelle eine gleichzeitige Beschallung  von Kaplun,  Krolop und Jaworsky. Spaßig.
Und letzterer verkaufte, was die Sitaution noch näher an einen Wochenmarkt des Fotoknowhows brachte,  sein Angebot an Wissen, indem er wie ein Markthändler auf der Ladefläche seines Pritschenwagens  (neudeutsch heisst das wohl: Pick-Up) stand. Die Situation in der Halle war in der Gleichzeitigkeit dieser vor allem akustisch gestützten Wissensvermittlung eventuell ein bisschen viel, aber ingesamt konnte man auf der Photokina wirklich schon einiges an interessanten Fachvorträgen zur Fotografie abgreifen.
Und ich war ja selber auch dabei und habe, im Ablaufplan zwischen Calvin Hollywood (160 Besucher?) und vor Pavel Kaplun (140 Besucher) meinen Vortrag zum Nischenthema Kugelpanorama und VR  gemacht (30 Besucher ;-) ).
Hat mir wieder viel Spaß gemacht und am Ende gab es auch noch ein paar nette Gespräche zu dem Themenbereich.

Richtig toll waren auch die vielen Ausstellungen, die zum Teil in den Bereichen der Fachaussteller, zum Teil aber auch separat in den Gängen und natürlich vor allem in Halle 1 zu sehen waren.

Sehr interessant fand ich die Ausstellung zu 70 Jahren UN (Vereinte Nationen). Hier war auch und gerade handwerklich gute journalistische Fotografie zu sehen, die in zum Teil wirklich hervorragenden Bildern die Ereignisse aus der Geschichte der UN dokumentierte. Bilder, die an die Hochphase des Bildjournalismus zu Zeiten der Wochenmagazine und Illustrierten erinnerten. Leider gingen sie im Trubel des Umfelds etwas unter.

Da war es in Halle 1 viel ruhiger und auch das hier (wie schon früher bei Photokinen) gedämpfte Licht verstärkte dieses ruhige Gefühl noch — hier sollten die Bilder strahlen. In Halle 1 hingen  dann auch gleich mehrere gute Ausstellungen, zwei davon picke ich heraus.
Großartig, wenn auch in der Direktheit sicher nicht jedermanns Sache, die dramatisch überlebensgroßen Portraits, von Bruce Gilden extrem detailliert fotografiert. (Die Bilder wurden mit einer Leica S(?) fotografiert und waren so aus Leicas Sicht sicher auch eine Leistungsschau der mit dieser Kamera und den Objektiven möglichen Bildqualität.)

Die Ausstellung mit Bildern von Kurt Hutton auf der Photokina 2016

Die Ausstellung mit Bildern von Kurt Hutton auf der Photokina 2016

Mein Ausstellungsliebling waren die Bilder von Kurt Hutton. Sie waren mein persönliches Highlight auf der Photokina, deshalb war ich mehrfach dort.
Es war tatsächlich eine echte Neuentdeckung für mich, von Kurt Hübschmann/Hutton hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Womöglich geht es Dir auch so, deshalb kurz ein paar Informationen zum Fotografen.
Kurt Hübschmann (1893 in Straßburg geboren) betrieb ab 1921 unter seinem ursprünglichen Namen Kurt Hübschmann ein Portraitstudio in Berlin, war nach und nach aber immer stärker als Reportagefotograf unterwegs. Anfang der 30iger Jahre arbeitete er für die  Bildagentur Dephot. 1934 emigrierte er nach London und änderte seinen Nachnamen in Hutton.
Dort wurde er zu einem der wichtigsten Pioniere des englischen Bildjournalismus. 1960 starb er in England.

In der Ausstellung waren viele Schwarzweiß-Bilder aus dem Bereich Reportage/Dokumentation und „Street“ zu sehen, aber auch Portraits und Modefotos, die oft ebefalls im öffentlichen Raum fotografiert waren.
Diese Fotografien waren für mich eine echte Entdeckung, sie waren zum Teil sehr dezent aber wirkunsgvoll gestaltet, es hat Spaß gemacht, sich das anzusehen. Und es waren auch Kontakte der Negative zu sehen, die ich ja heute oft vermisse.

Ein Kontaktbogen

Ein Kontaktbogen

Leider gibt es von Hutton wohl nur einen Bildband aus dem Jahr 1947, das nicht mehr erhältlich ist. Vielleicht kaufe ich ihn mir antiquarisch, wenn ich ein günstiges Angebot finde.
Einige seiner Bilder kann man in Googles Bildersuche finden.

Hier endet mein Resümee zur Photokina 2016, ein weiterer Beitrag zum Thema VR wird evtl. etwas später noch folgen.

/ 07. Okt 2016

Ein Gedanke zu „Meine Eindrücke von der Photokina 2016

  1. Dieter Fröhling

    Jupp das trifft so ähnlich meine Eindrücke. Stimme Deinen Eindrücken zu Halle Eins zu.
    Hatte in der LFI diverse Bildstrecken die in der Austellung ausführlich gezeigt wurden, in Kurzfassung gelesen. Und Bruce Gilden wird mir mit den überlebensgroßen Portraits auch nicht besser. Ist Kunst, nicht meins.

    Antworten

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