Drei Gründe, das neue Firmware-Update (4.0) für die Olympus E-M1 zu installieren

Olympus OM-D E-M1

Olympus OM-D E-M1

Wie schon im September angekündigt, gibt es ein neues Update der Firmware der Olympus OM-D E-M1(*) (und der E-M5II(*)). Ich muss an dieser Stelle Olympus einmal wirklich ausdrücklich loben, denn leider ist es ja nicht selbstverständlich, dass auch bereits über zwei Jahre alte Kameramodelle noch so gepflegt werden.
Da könnten sich gerade auch die „Platzhirsche“ mal eine Scheibe von abschneiden. Die bereits bezahlten Hardware-Fähigkeiten der Kamera durch eine (nachträglich kostenlos erweiterte) Firmware für den Kunden besser nutzbar zu machen, das ist schon eine nette Geste.
Ich habe das Update frisch installiert und, zumindest in den für mich interessanten Teilen, ausprobiert.
Hier folgen jetzt meine ersten Anmerkungen zu den Neuerungen.

Ruhe!

Der neue Silent-Modus gefällt mir sehr gut. Die E-M1 ist damit zwar immer noch nicht so flüsterstill wie meine Fuji X100, aber sie ist schon sehr leise geworden.
Selbst bei 11 Bildern in der Sekunde ist die Kamera fast nicht zu hören. Das ist toll für Aufnahmen von scheuem Wild, sei es tatsächlich in der Tierfotografie oder auch bei Reportagefotografie, z.B. leisen Konzerten und Zeremonien (z.B. Trauung),  oder für die Streetphotography.

Verbessertes „Fokus Peaking“

Um die Lage der Schärfeebene in einem Motiv gut erkennen zu können, gibt es seit einigen Jahren ein Werkzeug, dass die kontrastreicheren Kanten der scharfen Bereiche in einem Bild auf dem Display (und im Sucher einer Systemkamera) deutlich betonen.
Bisher konnte man in der E-M1 dies Kontrastkanten nur schwarz maskieren lassen, das passte nicht immer. Durch das Firmwareupdate stehen zur Beurteilung der Fokussierung jetzt auch die Farben Weiß, Rot und Gelb (was ich am liebsten verwende) zur Verfügung

Live Composite mit OI.Share

Endlich kann ich nicht nur ein Video während der Aufnahme mit einem Livebild auf meinem Smartphone kontrollieren, sondern auch die Veränderung des Boildes im Aufnahmemodus Live-Composite (Was das ist, habe ich hier in einem kleinen Film zu Live Composite erklärt) aus der Entfernung beobachten.
Damit kann ich dann selber sehen, was passiert, wenn ich z.B. mit der Taschenlampe in ein Bild „schreibe“.
Das kann, gerade wenn man mal als Einzelkämpfer beim Light-Art-Painting unterwegs ist, viele Wege abkürzen und Aufnahmen deutlch erleichtern.
Freue mich schon drauf, das demnächst bei einem Kurs wieder einzusetzen.
Das der Belichtungsmesser in diesem Modus jetzt auch zur Verfügung steht, ist ebenfalls dem Update zu verdanken.

Vier von Drei

Eigentlich wollte ich ja nur die für mich wichtigsten Neuerungen hervorheben, und damit bin ich an dieser Stelle fertig.
Aber ich weiß, dass viele auf das Fokusbracketing und  Fokusstacking gewartet haben, und beides ist beim Update mit dabei.
Was ist das:

Gerade im Bereich Makro kämpft man oft mit sehr geringer Schärfentiefe, so dass man oft weiter abblenden muss. Dadurch kann es aber zu einer zu einer starken Beugungsunschärfe kommen. Früher hat man sich in solchen Fällen (zum Beispiel bei der Fotografie von Architekturmodellen) mit einem Lichtschlitz geholfen. Der wurde über mehrere Belichtungen auf das gleiche Negativ (mit unterschiedlicher Fokussierung) über das Modell geschoben, so dass die jeweils unscharfen Bereiche unsichtbar im Dunkel blieben.

Fokusstacking

Fokusstacking

Heutzutage kann man digital mehrere Bilder mit Fokussierung auf unterschiedliche Bildbereiche aufnehmen. Entweder indem man die Kamera mit fester Schärfe in kleinen Schritten immer näher an das Motiv heran schiebt (dazu gibt es spezielle, auch motorisierte Kameraschlitten).
Oder man belässt Motiv und Kamera in festem Abstand und ändert von Bild zu Bild die Fokussierung. Dieses Verfahren nennt man Fokusbracketing, das kann die E-M1 jetzt nach dem Firmware-Update automatisch durchführen.
Die so entstandene Bilderreihe wird anschliessend mit spezieller Software (Helicon Focus, Combine Z oder auch aktuelle Versionen von Photoshop können das) zu einem Foto zusammengerechnet. Für dieses sogenannte Focusstacking werden aus jedem Bild nur die kontrastreichsten und damit schärfsten Bereiche verwendet.
Auch diese Berechnung kann die E-M1 automatisch durchführen, verliert dabei aber etwa 7% des Bildes am äußeren Rand. Die zugrunde liegenden RAW und/oder JPEG Dateien werden aber ebenfalls gespeichert, so dass man bei Nichtgefallen des Stackingergebnisses dieses am Computer nacharbeiten kann.

Was sollte die Zukunft bringen?

Der erste Wunsch schliesst sich direkt an das oben erwähnte Verfahren der gedehnten Schärfentiefe an: es wäre sicherlich sehr praktisch, wenn man in Zukunft auch eine RAW-Version des Focusstacking-Ergebnisses erhalten könnte.

Beim zweiten Wunsch geht es um die Anzeigen im Sucher. Bei diesem Update ist eine neue Sucheransicht dabei, die den in seiner Helligkeit ja  immer von der Motivhelligkeit abhängigen Blick in den Sucher einer (D-)SLRb simuliert. Ob man diese S-OVF (Simulated OVF) genannte Einstellung wirklich braucht, weiß ich nicht. (1) Ich halte den „normalen“ Sucher einer Systemkamera, in dem ich die Auswirkung der Einstellungen schon vor der Aufnahme sehen kann, eher für einen Vorteil und möchte eigentlich nicht zum alten System zurück. Aber man muss es ja nicht benutzen.
Schön wäre es, wenn die Kamera auch den umgekehrten Weg gehen würde, ich fände es toll, wenn beim nächsten Update der „normale“ Systemkamerasucher konsequenter eingerichtet werden könnte. Zur Zeit wird je nach Belichtunsgeinstellung das Sucherbild zwar heller oder dunkler, aber nur im Bereich von +3 bis -3.
Weitergehende Eingriffe, durch die das Bild im Exterem vollständig weiß oder schwarz werden müsste, werden im Sucher leider nicht entsprechend heller oder dunkler angezeigt. Wenn aber eine völlige Über- oder Unterbelichtung stattfinden würde, sollte ein evtl. auch vollständig schwarzes oder weißes Bild angezeigt werden.

(1) Aktualisierung: Jetzt ist mir doch ein Anwendungsgebiet für diese Sucherfunktion eingefallen. Wenn man das Dauerlicht massiv unterbelichtet, um mit dem Blitz Personen oder Objket hervorzuheben, kann das sehr nützlich sein.

Was nervt?

Ganz klar, wir reden hier über den Blick ins Maul eines geschenkten Gauls, aber ein paar Dinge sollte Olympus für das nächste Update dringend überdenken. Alle Kameraeinstellungen, die der Fotograf festgelegt hat, gehen beim Update verloren. Da man die E-M1 sehr weitgehend konfigurieren kann, kann das eine Menge sein. Äußerst ärgerlich!
Eine Möglichkeit, die bisherigen Einstellungen zu speichern (z.B. auf der Speicherkarte), um sie später wieder aufzuspielen, wäre wirklich schön. (So habe ich „einfach“ alle Einstellungen im Menu mit dem Smartphone abfotografiert, nicht perfekt, aber besser als nix)

Und mehr Infos über den Ablauf des Updates (was passiert gerade) wäre gut. Ein Fortschrittsbalken würde das unangenehme Gefühl „Hat sich die Kamera aufgehängt?“ nehmen.

Information

Um die vielen Neuerungen anwenden zu können, könnte ein Hinweis in das ebenfalls neue Handbuch zur E-M1 nützlich sein. Man kann es als PDF hier: Handbuch OM-D E-M1 laden.
Da es auch bei der E-M5II einige Aktualisierungen gab, hier noch der Link zum Handbuch für diese Kamera.

Was gibt es außerdem noch Neues?

Hier nochmal kurz zusammengefasst, was alles neu ist:

1. Focus Stacking 
2. Focus Bracketing
3. Focus Peaking
4. Silent Modus
5. Verbesserter Anti-Shock Modus
6. Neuere Olympus Capture
7. S-OVF (simulierter OVF)
8. 4k Zeitraffer-Video
9. Live Composite mit OI.Share
10. MF Kupplung deaktivieren
11. Speicherung Menü Cursor-Position
12. Bei Video Bildstabilisierung (IS) mit optischer 5-Achsen-Bildstabilisierung und digitaler IS
13. 24p (23.98p)/25p Bildfrequenz
14. Video Info-Display
15. Start Video-Aufnahme mit Fernauslösekabel (RM-UC1)
16. Einstellung Zeitcode
17. Unterstützung M-IS1 und M-IS2
18. Leichtes Synchronisieren mit Aufnahmen des LS-100
19. Synchronisation PCM Audio-Recorder mit Videoaufnahme
20. Unterstützt M.ZUIKO PREMIUM + 14-42mm EZ Video-Blende

Olympus OM-D E-M10II Einstellräder
Noch mehr Berichte und Tipps und Tricks zu Olympuskameras in meinem Blog



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/ 24. Jun 2016

3 Gedanken zu „Drei Gründe, das neue Firmware-Update (4.0) für die Olympus E-M1 zu installieren

  1. Mark

    Hallo Tom,

    ich denke bei so einem umfangreichen Upgrade ist es zu verschmerzen, wenn die Einstellungen verloren gehen. Es kommen ja immerhin auch Menüpunkte dazu und bevor die Firmware nachher komplett verwirbelt ist, lieber zurücksetzen.

    Bei Updates um Bugs zu beseitigen gebe ich Dir recht.

    Liebe Grüße Mark

    1. Tom!Tom! Artikelautor

      Hallo Mark,

      danke für Deine Anmerkung. Um das ganz klar zusagen: Ich habe lieber ein Firmwareupdate ohne Sicherung der bisherigen Einstellungen, als dass ich auf ein Update verzichten möchte.

      Liebe Grüße, Tom!

Kommentare sind geschlossen.