Lightroom – Bilder importieren ist blöd! … oder?

Lesezeit: ca. 6 Minuten

 (Video hinzugefügt siehe unten)
Seit es Lightroom gibt hört man immer wieder Beschwerden, dass das Importieren der Bilder im Bibliotheksmodul doch so aufwändig/langwierig/unnötig wäre
Ja, mittlerweile gibt es sogar Softwareanbieter, die extra darauf hinweisen, dass so etwas bei ihren Produkten nicht nötig sei.

 Die Bibliothek, würg. Dieses blöde Importieren von Bildern.
Das ist ein Grund, weshalb ich lieber XYZ statt Lightroom verwende.“
 

Doch wo liegen denn überhaupt die Probleme? Gibt es überhaupt ein Problem? Oder ist das nicht nur ein Missverständnis? Evtl. rein aus Unkenntnis einiger Funktionen des Programs? Wird wohlmöglich ein ganz grundlegender Vorteil von Lightroom Classic CC nur einfach nicht richtig verstanden?
Das würde dann natürlich auch zu einer falschen Bedienung führen.

Vielleicht kann ich das etwas klären, indem ich zeige, wie ich vorgehen würde, wenn ich unbedingt ein einzelnes Bild mit LR ausarbeiten möchte. Eines, das noch nicht im Lightroom Katalog ist.
Wie so oft gibt es dann mehre Wege, die nach Rom führen. ;-)
Fangen wir mit den Umwegen an.

Anmerkung

Die hier vorgeschlagenen Schritte sind nicht für den „üblichen“ Umgang mit Lightroom gedacht. Üblicherweise wird Lightroom auch zur Verwaltung der Bilder genutzt. Dann würde ich in jedem Fall empfehlen, die Bilder zuerst am besten ordnerweise oder speicherkartenweise zu importieren.

Für meine Erklärungen hier in diesem Artikel gehe ich dagegen davon aus, dass die Verwaltung des zu bearbeitenden Bildes nur eine Nebenrolle spielt und das Bild nur „notgedrungen importiert werden soll. Statt dessen steht die Ausarbeitung des Bildes im Entwickeln-Modul von LR im Vordergrund. 

„Beifang“ Photoshop und Camera RAW

Wer Lightroom Classic CC hat, der hat automatisch auch Photoshop.
Und zu Photoshop gehört auch der RAW Konverter Camera RAW, der in seinen Funktionen mit dem Entwicklungsmodul von LR weitestgehend übereinstimmt.
Wer nur mal eben eine RAW Datei, die nicht im Lightroom Katalog ist, bearbeiten will, kann sie einfach auf das Programmsymbol von Photoshop ziehen.
Dann startet Photoshop und öffnet Camera RAW. Dessen Oberfläche sieht zwar ein wenig anders aus als das Entwicklungsmodul von Lightroom aus, weist aber die gleichen Möglichkeiten auf.

Man muss auf diese Art die Datei also gar nicht erst importieren, um sie bearbeiten zu können.

Beifang Bridge

Photoshop kann sehr viel und ist für einige aufwändige Schritte der Bildbearbeitung durch einfache RAW-Konverter nicht zu ersetzen. Zum Beispiel beim Arbeiten mit Ebenen, da bietet es Möglichkeiten, die die Funktionen der meisten anderen Programme weit hinter sich lassen.

Mit einer simplen RAW-Konvertierung ist es quasi unterfordert, das ist so ein wenig wie „mit Kanonen auf Spatzen schießen“. ;-) . Und es ist eigentlich auch gar nicht nötig, Photoshop zu öffnen, um Camera RAW zu verwenden.

Illustration zu "Die Benutzeroberfläche der Adobe Bridge"

Die Benutzeroberfläche der Adobe Bridge — Ein Klick auf eine RAW Datei startet „Camera RAW“

Denn neben Photoshop und Lightroom Classic ist im Abo auch die Bridge erhalten, ein sehr universelles Tool für digitale Bilder. Den zentralen Bereich bildet ein Bildbrowser, mit dem Du Dich mal eben durch die Ordner der angeschlossenen Datenträger hangeln kannst.

Damit gehst Du zum Speicherort des RAWs, machst einen Doppelklick auf die Datei und kannst diese dann (wenn das in den Voreinstellungen für RAW Dateien aktiviert ist)  auch direkt in Camera RAW bearbeiten

Der schnelle Lightroom-Weg 

Camera RAW ist zwar nahezu funktionsgleich mit dem Entwicklungsmodul von Lightroom, hat aber leider eine abweichende Benutzeroberfläche. Das ist gerade zu Anfang, wenn man LR erst kennenlernt, eher verwirrend.

Da wäre es schön, wenn man weiterhin direkt das Entwicklungsmodul von Lightroom Classic verwenden könnte. Und zum Glück kannst Du auch mit Lightroom selber RAWs (und andere Bilder) quasi direkt öffnen.
Nur machen viele Menschen einen Umweg, wenn sie ein bisher nicht in Lightroom verwaltetes Bild mit dem Entwicklungsmodul ausarbeiten wollen.
Doch es geht viel einfacher und schneller. Und ich möchte Dir zeigen wie.

Der Umweg

Lightroom ist ein sehr mächtiges Tool, das den Benutzer dazu verführt, vom Programm aus zu denken. Beim Import führt das dazu, das viele Nutzer von der Importansicht ausgehend die Arbeitsschritte planen.
Und das bedeutet dann, dass viele verschiedene Schritte abgearbeitet werden müssen:
– Bibliotheksmodul anwählen,
– Importieren wählen,
– Order des zu importierende Bildes wählen,
– Bild für Import auswählen,
– Importart „hinzufügen“ auswählen,
– Import starten.
Das sind ziemlich viele Schritte!
Es ist klar, dass dadurch das einfache vorübergehende Öffnen eines Bildes ziemlich aufwendig wird. Und das völlig unnötigerweise, dann diese ganzen Schritte sind eigentlich gar nicht nötig.

Diesen langen Weg gehe ich eigentlich nur dann, wenn ich eine ganze Speicherkarte oder einen ganzen Ordner voller Bilder importieren möchte. In dem Fall macht es auch Sinn, zusätzlich am rechten Rand des Importmoduls noch weitere Angaben zu machen (Metadaten wie Stichworte, Sammlungen, Copyright etc. pp.).

Wenn es dagegen nur darum geht, ein einzelnes Bild zu importieren, geht das viel einfacher. Dazu sollte man dann vom Bild aus denken.


Viele Tutorials zu Lightroom werden von Leuten gemacht, die Lightroom recht umfassend nutzen, dass heißt, dass sie das Programm auch für die Verwaltung ihrer Bilder einsetzen.
In dem Fall ist es natürlich völlig richtig, dass man den Importdialog aufruft. Dann kann man die Bilder des letzten Urlaubs von der Speicherkarte mit Lightroom in den Wunschordner kopieren und auf dem Weg auch direkt die Metadaten (Copyright, Stichworte, etc.) anpassen.
Deshalb wird dieser Weg in den Tutorials auch oft erklärt.

Wenn aber nur mal ein einzelnes Bild in Lightroom angepasst werden soll, sind diese Punkte meist alle unnötig.

Da das Bild noch nicht in Lightroom erfasst ist, muss es zwar zuerst durch den Importdialog. Aber weder soll das Bild an einen anderen Speicherplatz gelangen, noch soll es neue Metadaten erhalten.

Deshalb kannst Du Zeit sparen und anders vorgehen. Das Importieren dient für Dich ja nur dazu, das Bild ans Entwickeln Modul übergeben zu können. Und Du weißt ja auch schon, welche Bilddatei Du bearbeiten willst. Du hast Sie ja bereits außerhalb von Lightroom in Ihrem Ordner im Arbeitsplatz(PC) oder Finder(Mac) ausgewählt. 

Illustration zu "Lightroom Importdialog"

Lightroom Importdialog 

Du kannst also, anders als bei der typischen Lightroom-Anwendung, nicht vom Programm aus, sondern von der Datei aus vorgehen. 
Die Schritte dazu sind eigentlich simpel.

  • Du nimmst die Datei in ihrem Ordner im Arbeitsplatz/ Finder mit der Maus und ziehst sie einfach nur auf das Programmsymbol von Lightroom Classic. Da fallenlassen.
  • Es öffnet sich dann der Importdialog von LR. Im zentralen Fenster ist die Datei (und nur sie) ausgewählt.
  • Kontrolliere ob oben im Fenster  „Hinzufügen“ aktiviert ist. (Gelb einkreist in der Illustration oben)
    Falls Du Lightroom auch für Deine Bildverwaltung verwendest, könnte es sein, dass im rechten Bereich des Fensters noch die (jetzt evtl. nicht erwünschten) Änderungen der Matadaten aktiv sind. einfach deaktivieren. (Oben rot markiert)
  • Ob direkt ein Profil oder eine Ausarbeitungsrezept für das Bild angewendet werden soll, kannst Du auch hier rechts festlegen. (Oben rot markiert) Deine Auswahl für Metadaten und Entwicklungsvorgaben kannst Du unterhalb des Bildfensters auch als Vorlage abspeichern. Dann geht das beim nächsten Mal noch schneller.  (Oben grün markiert)
  • Dann unten rechts „Importieren“ anklicken und fertig. Die Bibliothek zeigt Dir nun das zuletzt importierte Bild. Und Du kannst es an das Entwicklungsmodul übergeben. (Tastaturbefehl [STRG]+[D]  oder mit MacOS [cmd]+[D] )

Es geht also deutlich einfacher, wenn man den Weg von der Datei aus geht. Trotzdem ist es ein Schritt mehr, als wenn ich das Bild mit einer „normalen“ Bildbearbeitung direkt öffnen würde.

Aber andererseits bekomme ich auch etwas dafür, das Datenbankkonzept von LR bietet mir auch in diesem Fall Vorteile.

Vorteile

Neben den guten Möglichkeiten, die ich im Entwicklen Modul zur Ausarbeitung meines Bildes habe, gibt es weitere, auf den ersten Blick etwas versteckte Vorteile beim Einsatz von Lightroom. Das Programm speichert meine Arbeitsschritte und wendet sie erst beim bewussten Speichern einer neuen Bilddatei an. Daraus ergeben sich einige nützliche Optionen. 

  1. Non destruktiv
    Die Bildbearbeitung mit Lightroom ist Non-Destruktiv. Die einzelnen Schritte, die Du im Entwicklungsmodul machst werde nur „virtuell“ angewendet und dargestellt. Dein Original (egal ob RAW, JPEG, TIFF, PSD oder PNG) bleibt unverändert erhalten. Erst ein gespeichertes „Kind“ Deines Originals trägt diese Veränderungen dann tatsächlich.
  2. Protokoll
    Alle Deine einzelnen Arbeitsschritte, die Du im Entwicklungsmodul gegangen bist, werden im Protokoll gespeichert. Falls Du später die gleiche Bilddatei noch einmal ausarbeiten willst, kannst Du darauf zugreifen. Dann kannst Du sie entweder noch einmal gleich ausarbeiten lassen oder auch Bearbeitungsschritte nach und nach rückgängig machen.
  3. Virtuelle Kopien
    Die Vorteile des Protokolls kannst Du auch nutzen, wenn Du verschiedene Versionen des Bildes erhalten willst. Du möchtest vom gleichen Bild Ergebnisse mit unterschiedlichen Ausschnitten oder auch zusätzlich Schwarzweiß statt nur Farbe oder….
    Das kannst Du über virtuelle Kopien erreichen, Du hast dann mehrere Rezepte (und Protokolle) für ein und dieselbe Ursprungsdatei. 
    Die Du später jederzeit erneut anwenden oder modifizieren kannst.
  4. Auch wenn die Bilddatei auf einer nur gelegentlich angeschloßenen externen Festplatte liegt, werden alle Informationen von Lightroom gespeichert. Nicht nur das Vorschaubild. So kannst Du das Bild auch dann, wenn die Platte nicht am Rechner angeschloßen ist, über Suchfunktionen (nach Name, Datum, Stichworten, Kameratyp, verwendeter Brennweite etc. pp.)  finden.
    Und Lightroom hilft Dir noch weiter und nennt Dir auch den Namen der Festplatte, auf der sich das Bild befindet. Aufstehen, die Festplatte aus dem Regal holen und sie am Rechner anschliessen, das musst Du allerdings noch selber machen. ;-) 
  5. Export
    Du speicherst das Ergebnis Deiner Bearbeitung als neue Datei mit dem Exportdialog von LR. Dort kannst Du auch unterschiedliche Vorgehensweisen festlegen, um direkt unterschiedliche Dateien für unterschiedliche Zwecke (Diashow am TV, Ausdruck, Facebook, …) zu erhalten.

Du siehst, der Umgang mit Lightroom ist eigentlich gar nicht so umständlich, wie er oft dargestellt wird. Und die Datenbank bietet dazu noch echte Vorteile.
Ich würde eine fehlende Datenbank (und so auch eine fehlende Importmöglichkeit) auch eher als Nachteil betrachten. Sie ist neben dem hervorragenden Entwicklungsmodul  ein wichtiger Grund für mich LR trotz der Kosten zu verwenden. 
Wie siehst Du das? Schreib es mir in die Kommentare.

An dieser Stelle darf ich hoffentlich noch ein wenig Eigenwerbung machen: „Mehr zum Thema Lightroom gibt es in meinem „Grundlagenkurs zum Thema Bildbearbeitung“, den ich im Rahmen der Fotoschule-Ruhr anbiete.

Du kannst diesen Blog teilen und abonnieren!

Mein Artikel hat Dir geholfen? Du willst ihn mit anderen teilen?
Prima!
Ich freue mich wirklich sehr, wenn Du meinen Artikel bei Facebook oder Twitter und Co. teilst. Vielleicht hilfst Du damit ja einem anderem Fotointeressierten, auch diesen Text zu finden.

Nichts verpassen!

Damit Du keine neuen Beiträge verpasst, kannst Du meinen Blog (natürlich gratis) abonnieren.
Über diesen Link kommst Du zum Aboformular "Auf dem Laufenden bleiben" . (Am Rechner oben rechts, am "mobilen Gerät" weiter unten.) Wenn Du dort Deine Email hinterlässt, erhältst Du jedes Mal eine Nachricht, wenn ich hier etwas Neues veröffentliche.

geschrieben/aktualisiert: / 13. Okt 2019

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.