Adobe RGB – sRGB – Farbraum – und jetzt?

Lesezeit: ca.4 Minuten
Illustration zum Dialog zur Wahl des Farbraums an einer Olympus Pen-F

Der Dialog zur Wahl des Farbraums an meiner Olympus Pen-F (*).

Viele Kameras bieten im Menu die Möglichkeit, verschiedene Voreinstellungen zu wählen. RAW und/oder JPEG? Auflösung? Bildformat? Kompression/Bildqualiät?
Und Du hast jetzt eine neue Kamera oder einfach nur Langeweile oder einen akuten Fall von Forscherdrang und blätterst in den Tiefen des Kameramenüs und stößt auf die Auswahl sRGB oder Adobe RGB.
Das hört sich wichtig an. 
Aber was soll das? Wozu braucht man das?

RGB

Digitale Fotos bestehen aus einzelnen Bildpunkten, den Pixeln (von Picture “Elements”). In den Pixeln ist eine Angabe zur Helligkeit des jeweiligen Bildpunktes gespeichert. Für ein Schwarzweißfoto reicht ein einzelner Zahlenwert je Punkt, damit wird die Helligkeit seines Grautons festgelegt.
Bei einem Farbfoto verwendet man dagegen in den meisten Fällen drei Helligkeitsangaben für Rot, Grün, und Blau, den RGB-Wert eines Bildpunktes. Bei den häufig eingesetzten JPEG-Dateien reicht die Skala über 256 Stufen, von 0 bis 255. Ich sag nur: “Informatiker”. ;-) 
Farbmischungen entstehen dann durch unterschiedliche Anteile, also unterschiedliche Werte  der drei Grundfarben. Sind alle drei Werte gleich, ist es ein Grauton.
Ein Wertetriplett wie 80/188/164 steht dann zum Beispiel für ein “schmutziges Petrol”.
Das kann man sehr schön im Farbwähler der Bildbearbeitung sehen.

Darstellung des Farbwahldialogs von Photoshop

Der Farbwahldialog von Photoshop

Diese präzisen Zahlenwerte erwecken den Eindruck, das das ganze auch wirklich präzise ist.
Doch die Annahme ist falsch! Ohne zusätzliche Informationen kann so eine Wertegruppe im Prinzip alle möglichen Farben bedeuten.
Die Zahlen sind nicht fest mit realen Farben verknüpft. Und hier kommen die Farbräume ins Spiel.

Farbraum

Beides, sRGB und Adobe RGB, sind “Farbräume” (es gibt noch einige mehr). Ein Farbraum wird benötigt, um den RGB-Angaben der Digitalfotos feste reale Farben zuzuweisen. Die RGB-Werte alleine (also ohne weitere Bezugsangaben) haben keine eindeutige Definition, keine reale Bedeutung. Sie können auch bei gleichen Werten zu völlig unterschiedlichen Farben führen. Das ist so ein wenig wie ein Massband aus Gummi. Vier Einheiten sind dann immer doppelt soweit voneinander entfernt wie zwei Einheiten, aber wie groß der Abstand je nach Dehnung wirklich ist, sieht am erst, wenn man es mit einem echten Masstab abgleicht

Mit den Farbräumen (wie z.B. sRGB, AdobeRGB etc.) wird die Bedeutung der RGB-Werte in einer Art Umrechnungstabelle festgelegt. Die Werte bekommen also quasi feste Farben zugewiesen und sind dann eindeutig in ihrer Bedeutung.

Groß und klein

Der AdobeRGB Farbraum umfasst einen größeren Bereich an Farben als der sRGB Farbraum. Aber Vorsicht: er ist deshalb nicht einfach allgemein besser.
Im Internet wirst Du auch Leute finden, deren Fachwissen von ihrem Mitteilungsbedürfnis deutlich überragt wird. Und da kann es Dir passieren, dass Du gutgemeinte falsche Empfehlungen erhältst. (BTW: Ich habe zu diesen Empfehlungen einen Beitrag verfasst. “Trau, schau, wem? Oder: unter den Blinden ist der Einäugige König“)

Manchmal kommt so der Hinweis ,“Nimm AdobeRGB, den das ist der größere Farbraum.”. Hört sich ja auch erstmal logisch an. Macht aber nur Sinn, wenn die weitere Verarbeitungksette (vom Monitor bis zum Drucker oder Großlabor für die „Abzüge“ und Ausbelichtungen) mit AdobeRGB auch etwas anfangen kann. Und das ist heutzutage gerade im Amateurbereich meist nicht der Fall. Und so muss dann noch verlustbehaftet und nicht immer frei von Fehlern von AdobeRGB zu sRGB hin- und hergerichtet werden. Sollte man vermeiden.
Die Standardempfehlung „AdobeRGB – weil es größer ist!“, ist in etwa so sinnvoll, wie einen LKW zum Brötchenholen zu empfehlen, weil da mehr hineinpasst. Wenn man nur drei Brötchen braucht, bietet das Fahrrad evtl. aber einen echten Vorteil gegenüber dem LKW.

Und nun?

Meine erste (eingeschränkte) Empfehlung: Nimm, solange Du nicht weißt, wofür Du AdobeRGB benötigst sRGB!
Umsteigen solltest Du erst, wenn Du weißt, wozu Du AdobeRGB benötigst. (Je mehr Drucker und Monitore und Ausbelichter AdobeRGB können, desto unrichtiger wird diese Empfehlung. Jetzt, 2018, würde ich sie aber auf jeden Fall aufrecht halten. Und das wird wohl noch ein paar weitere Jahre so bleiben.)

Zweitens…

Meine zweite Empfehlung: Fotografiere mit RAW. Das geht fast immer auch zusätzlich zum JPEG. (Siehe auch:“Warum soll ich in Raw fotografieren?“)
Erst bei der Umwandlung der bei der Aufnahme gemessenen und gespeicherten Helligkeitswerte je Bildpunkt (also der RAW-Datei) in ein Foto wird der in der Kamera oder im RAW Konverter festgelegte Farbraum angewendet. Die RAW Datei wird also von der Einstellung an der Kamera nicht beeinflusst, erst das JPEG wird nach der (jeweils zum Farbraum passenden) Umwandlung den Farbraum zugewiesen bekommen.

Illustration zum Farbraumdialog im Exportmodul von Lightroom

Der Auswahldialog für den Farbraum im Exportbereich von LIghtroom

Die Möglichkeit, den Farbraum bei der RAW-Konvertierung nachträglich noch (und ohne Verluste) zu ändern, ist einer der häufiger übersehenen Vorteile von RAW.

Mehr zum Thema Farbraum gibt es in meinem Grundlagenkurs zum Thema Bildbearbeitung

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Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)

/ 02. Apr 2018

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