Adobe RGB – sRGB – Farbraum – und jetzt?

Illustration zum Dialog zur Wahl des Farbraums an einer Olympus Pen-F

Der Dialog zur Wahl des Farbraums an meiner Olympus Pen-F (*).

Viele Kameras bieten im Menu die Möglichkeit, verschiedene Voreinstellungen zu wählen. RAW und/oder JPEG? Auflösung? Bildformat? Kompression/Bildqualiät?
Und Du hast jetzt eine neue Kamera oder einfach nur Langeweile oder einen akuten Fall von Forscherdrang und blätterst in den Tiefen des Kameramenüs und stößt auf die Auswahl sRGB oder Adobe RGB.
Das hört sich wichtig an. 
Aber was soll das? Und wozu braucht man das überhaupt?

RGB

Digitale Fotos bestehen aus einzelnen Bildpunkten, den Pixeln (von Picture Elements). In den Pixeln ist eine Angabe zur Helligkeit eines jeden Bildpunktes gespeichert. Für ein Schwarzweißfoto reicht ein einzelner Zahlenwert je Punkt, damit wird die Helligkeit seines Grautons festgelegt.
Bei einem Farbfoto verwendet man dagegen in den meisten Fällen drei Helligkeitsangaben für Rot, Grün, und Blau, den RGB-Wert eines Bildpunktes. Bei den häufig eingesetzten JPEG-Dateien reicht die Skala über 256 Stufen, von 0 bis 255.  Ich sag nur: „Informatiker“. ;-) 
Farbmischungen entstehen dann durch unterschiedliche Anteile, also unterschiedliche Werte  der drei Grundfarben. Sind alle drei Werte gleich, sollte das einen Grauton beschreiben.
Ein Wertetriplett wie 80/188/164 steht dann zum Beispiel für ein „schmutziges Petrol“.
Das kann man sehr schön im Farbwähler der Bildbearbeitung sehen.

Darstellung des Farbwahldialogs von Photoshop

Der Farbwahldialog von Photoshop

Diese präzisen Zahlenwerte erwecken den Eindruck, das das ganze auch wirklich präzise ist.
Doch diese Annahme ist falsch! Ohne zusätzliche Informationen kann so eine Wertegruppe im Prinzip alle möglichen Farben bedeuten.
Die Zahlen sind nicht fest mit realen Farben verknüpft. Und hier kommen die Farbräume ins Spiel.
Sie sollen helfen, die Farbwerte mit fest definierten Farben zu verbinden.

Farbraum

Beides, sRGB und Adobe RGB, sind „Farbräume“ (es gibt noch einige mehr). Ein Farbraum wird benötigt, um den RGB-Angaben der Digitalfotos feste reale Farben zuzuweisen. Die RGB-Werte alleine (also ohne weitere Bezugsangaben) haben, wie beschrieben, keine eindeutige Definition. Sie können auch bei gleichen Werten zu völlig unterschiedlichen Farben führen. Das ist so ein wenig wie ein Massband aus Gummi. Vier Einheiten sind dann immer doppelt soweit von einander entfernt wie zwei Einheiten, aber wie groß der Abstand je nach Dehnung wirklich ist, sieht am erst, wenn man es mit einem echten Masstab abgleicht.

Mit den Farbräumen (wie z.B. sRGB, AdobeRGB etc.) wird die Bedeutung der RGB-Werte mittels einer Art Umrechnungstabelle festgelegt. Die Werte bekommen also auf einem Umweg feste Farben zugewiesen und sind dadurch dann eindeutig in ihrer Bedeutung.

Groß und klein

Der AdobeRGB Farbraum umfasst einen größeren Bereich an Farben als der sRGB Farbraum. Aber Vorsicht: er ist deshalb nicht einfach allgemein besser.
Im Internet wirst Du (wie im „normalen Leben“) leider immer wieder Leute finden, deren Mitteilungsbedürfnis ihr Fachwissen deutlich überragt.
Und das führt dann leider zu gut gemeinten, aber falschen Empfehlungen. (BTW: Ich habe zu diesem Problem einen Beitrag verfasst. „Trau, schau, wem? Oder: unter den Blinden ist der Einäugige König„)

Manchmal kommt dann von so jemandem der Hinweis ,“Nimm AdobeRGB, denn das ist der größere Farbraum.“. Hört sich ja auch erstmal sinnvoll an, warum sollte man auf Fraben verzichten?
Der Rat macht aber nur Sinn, wenn die weitere Verarbeitungksette (vom Monitor bis zum Drucker oder Großlabor für die „Abzüge“ und Ausbelichtungen) mit AdobeRGB auch etwas anfangen kann. Und das ist heutzutage gerade im Amateurbereich meist nicht der Fall.

Und so muss dann später noch verlustbehaftet und nicht immer frei von Fehlern von AdobeRGB zu sRGB hin- und hergerichtet werden. Das sollte man vermeiden.
Die (leider häufig anzutreffende) Empfehlung „AdobeRGB – weil es größer ist!“, ist in etwa so sinnvoll, wie einen LKW zum Brötchenholen zu empfehlen, weil da mehr Brötchen hinein passen.
Wenn man nur drei Brötchen braucht, bietet das Fahrrad evtl. aber einen echten Vorteil gegenüber dem LKW.

Und nun?

Meine erste (eingeschränkte) Empfehlung: Nimm, solange Du nicht weißt, wofür Du AdobeRGB benötigst sRGB!
Umsteigen solltest Du erst, wenn Du weißt, wozu Du AdobeRGB benötigst. (Je mehr Drucker und Monitore und Ausbelichter AdobeRGB können, desto unrichtiger wird diese Empfehlung. Jetzt, 2019, würde ich sie aber auf jeden Fall aufrecht halten. Und das wird wohl noch ein paar weitere Jahre so bleiben.)

Zweitens…

Meine zweite Empfehlung: Fotografiere mit RAW. Das geht fast immer auch zusätzlich zum JPEG. (Siehe auch:„Warum soll ich in Raw fotografieren?„)
Erst bei der Umwandlung der bei der Aufnahme gemessenen und gespeicherten Helligkeitswerte je Bildpunkt (also der RAW-Datei) in ein Foto wird der in der Kamera oder im RAW Konverter festgelegte Farbraum angewendet. Die RAW Datei wird also von der an der Kamera getroffenen Auswahl überhaupt nicht beeinflusst — erst das JPEG wird nach der (jeweils zum Farbraum passenden) Umwandlung den Farbraum zugewiesen bekommen.

Illustration zum Farbraumdialog im Exportmodul von Lightroom

Der Auswahldialog für den Farbraum im Exportbereich von LIghtroom(*)

Die Möglichkeit, den Farbraum bei der RAW-Konvertierung nachträglich noch (und ohne Verluste) zu ändern, ist einer der häufiger übersehenen Vorteile von RAW.

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geschrieben/aktualisiert: / 14. Nov 2019

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